Review

Skelattack

Veröffentlicht am 06.06.2020 von Andreas Erber

Skelattack

Totenstille? Von wegen!

Konami hat zusammen mit den Entwicklern von Ukuza ein knackiges Jump&Run Spiel namens Skelattack für sämtliche Konsolen und PC auf den Markt gebracht. Vor allem auf der Nintendo Switch, was auch unser Testmuster ist, macht das Spiel enorm viel Spaß, da sich die Konsole im Handheldmodus für Jump&Run Spiele wie "Super Mario Bros." geradezu anbietet. Zwar gibt es bereits einige Hüpfspiele im Store, doch gerade ganz frische Softwarewaretitel, die zudem auch besondere Innovationen aufweisen, sind eher rar gesät. Liebhaber des Genres werden nur selten Fündig. Skelattack hingegen bietet genau all das, was sich der Spieler von einem neuartigen Jump&Run Spiel erwarten darf. Ein flüssiges Gameplay mit kultigen Soundtracks und moderner Comicgrafik. Das Besondere daran ist, dass die Handlung sich im Reich der Toten, genauer gesagt in der Underworld abspielt. Bei dem Gedanken fallen uns sofort Dinge ein wie Dunkelheit, Stille und der Geruch von kalt, durchnässter Graberde. Doch so düster geht es in Skelattack gar nicht zu.

Skelattack

Skully, Imber und das Reich der Toten

Die Underworld ist eine magische, weite Welt mit skurrilen Bewohnern aus dem Jenseits. Ja die Bewohner im Untergrund sind alles andere als für Tot zu erklären. Trotz der Tiefe und der Dunkelheit bewachen tot geglaubte Ritter und Wachen vor allem einen ganz speziellen Ort namens Aftervale. Denn Aftervale ist ein lebhafter Treffpunkt, an dem die Toten gerne die Ewigkeit miteinander verbringen und sich durch eine Remembrance (Erinnerung) langsam ihrem einstigen Leben arrangieren.

Doch was wäre ein Action-Hüpfspiel ohne Helden? Obwohl wir es gewohnt sind, dass der kleine, rote Klempner mit Schnauzer der Star in der Geschichte ist, übernimmt in diesem Abenteuer ein ganz anderer, spezieller Protagonist die Heldenrolle.
Skully, ein Skelett in einer eher niedlichen Form wie es im Buche steht. Unser knochiger Held muss am Tag seiner Remembrance eine Invasion durch das Menschenreich erleben. Statt in der Underworld nach Schätzen zu jagen, nehmen sie Aftervales ältestes Skelett Elzedon gefangen und suchen nach der Magie, die die Geister der Toten mit Leben erfüllt: die Blue Flame. Ohne die Blue Flame gibt es kein Aftervale, keine Existenz nach dem Tod.

Anders ausgedrückt: Ihr seid nun an der Reihe, sofern ihr euch in das Abenteuer mit Skully und Imber wagen möchtet. Imber? Wer ist eigentlich Imber?
Sie ist die Fledermaus-Freundin von Skully. Zusammen reisen sie springend, schlitzend und flatternd durch die Underworld! Schafft ihr es mit Hilfe der Beiden die Invasion durch die bösen Ritter und Menschen aufzuhalten, den Elder zu retten und die Blue Flame zu beschützen? Zudem muss sich der Spieler im Laufe der Zeit mit Skullys früherem Leben auseinandersetzen.

Skelattack

Gameplay & Steuerung

Zum Glück steht in Skelattack eine langsame und träge Spielgeschwindigkeit nicht auf dem Programm. Das Jump-and-Run-Gameplay spielt sich abwechslungsreich, flüssig und verdammt schnell. Dank der umfassenden Kontrollpunkte, welches als entzündbare, blautürkise Feuerschalen vorzufinden sind, können Sprünge beliebig oft wiederholt werden. Speicherpunkte befinden sich in fast jeder Ecke. Einen Bildschirmtod gibt es im Spiel nicht, da ihr selbst ja schon ein Skelett seid. Da ist der dargestellte Lebensbalken im HUD schon fast sinnbefreit, da es sowieso keine begrenzten Leben gibt. Selten ein Spiel in der Hand gehabt, bei dem der Spieler unendlich oft sterben darf.
Das einzige was ihr verliert sind die Blue Flame, die jedoch im Nachhinein wieder eingesammelt werden können. Durch dieses Spielprinzip ergibt sich ein stressfreies und doch kniffliges Spielerlebnis.

Schwierige Hüpfpassagen, stachelige Oberflächen und fiese Fallen sind nicht die einzigen Hindernisse im Spiel. Die bereits genannten menschlichen Feinde, die oftmals als Ritter oder Krieger erscheinen, machen Skully das Leben schwer. Gut, dass Skully kurz vor seinem Abenteuer noch ein breites, silbernes Schwert bekommen hat. Damit lassen sich nicht nur Gegner bezwingen. Eine Reihe von Tellereisen können beispielsweise durch einen Schwertschlag für kurze Zeit außer Gefecht gesetzt werden. Mit einem Druck auf die Y-Taste (Switch) können einfache Schläge getätigt werden. Neben Sprung, Doppelsprung und Schwerthiebe gibt es auch Hilfe von Imber, einer niedlichen Fledermaus. Mit ihrer Hilfe kann sich Skully in die Lüfte schwingen, um auch größere Abgründe überwinden zu können. Doch es ist Vorsicht geboten, da Imber nicht über eine ewige Ausdauer besitzt. Die Schnelligkeit beim Steuern der Spielfiguren wird dem Spieler in diesem Stück Software übrigens öfters abverlangt.

Durch mehrmaliges drücken der Sprungtaste kann Skully aneinander stehende Wände problemlos empor klettern. Doch folgendes ist zu beachten. Das alleinige drücken der Sprungtaste reicht nicht aus um automatisch in die entgegengesetzte Wand zu springen. Es muss stets die gewollte Richtung mit dem Joystick angepasst werden. Diese Technik erfordert viel Fingerspitzengefühl. Mit etwas Übung können so auch beinahe unbezwingbare Passagen, sowie auch alleinstehende Wände, bewältigt werden.
Und falls es doch einmal zum Haare zerraufen ist, kann sich der Spieler jederzeit im Dorf erholen. Dieser Ort ist zudem Ausgangspunkt und Treffpunkt für weitere Informationen. Optisch wirkt der Titel, vor allem für Zuseher, äußerst hektisch und dennoch kann Skelattack sehr entspannt durchgespielt werden. Hier wurde eine wahrlich geniale Balance erschaffen.

Natürlich haben auch einige Boss-Gegner den Weg ins Spiel gefunden. Diese werden imposant in Szene gesetzt und können nur durch eine richtige, angewandte Taktik besiegt werden. Neben all dem Bösen kann der Spieler auch freundliche Monster kennen lernen, von denen einige zu Freunde werden. Wer könnte in der Hitze des Gefechts auf eine freundschaftliche Hilfe verzichten?

Skelattack

Grafik & Sound

In Sachen Grafik haben wir es mit einem tödlich charmanten Kunststil zu tun, welcher an einen leichten Comic-Look angelehnt wurde. Skelattack ist ein sogenannter Side-Scroller. Als Side-Scroller werden im Allgemeinen Spiele bezeichnet, bei denen der Spieler von der Seite auf das Spielgeschehen sehen. Trotz des seitlichen Einblickes darf sich der Spieler auf eine gelungene 3D-Optik freuen, da die Tiefenwirkung und das Gefühl für Entfernungen hervorragend sind. Dadurch können Sprünge präzise ausgeführt werden, was dem Spielspaß zugutekommt. Sämtliche Häuser sind liebevoll bemalt und jedes einzelne davon hat einen eigenen Touch. Selbst die Bücher in der Bücherei werden mit viel Liebe ins Detail im Hintergrund dargestellt. In manchen Stellen der Levels kann es übrigens ziemlich dunkel werden. Nur ein kleiner Kreisumriss um Skully wird ausgeleuchtet, was die Navigation durch die Levels erschwert und euch oft ins Ungewisse treibt.
Besonders cool sind die Charaktermodelle. Vor allem das Aussehen des Helden passt einfach zum Setting. Skully besteht zwar nur aus weißen Knochen, doch die Form seiner markanten Augenhöhlen, seine Körperhaltung und Mimik lassen, ihn trotz aller Umstände, ziemlich lebendig wirken. Auch Imber flattert schwungvoll durch die Lüfte und überzeugt mit geschmeidigen Animationen.

Die Mischung aus fröhlichen und gleichzeitig mystisch klingenden Glockenklängen ist dem Komponisten durchaus geglückt. Die Soundtracks wechseln sich ab und beinhalten schnelle wie auch langsame Phrasen. Sogar kubanische Rhythmen und versetzte Walzertakte flossen in den Songs ganz dezent ein. Der Ohrwurm schleicht sich überraschend schnell in die Ohren der Spieler. Dem Spiel gelingt es somit auch akustisch einen Wiedererkennungswert zu schaffen, was leider oft in manchen Titeln in Vergessenheit gerät.
Soundeffekte wie das Schwingen der Schwerter oder das Vorwärtsgehen klingen sehr authentisch. Interessant ist, dass selbst beim Laufen immer wieder mal akustische Details wie das Drauftreten oder Mitschleifen von Kieselsteinen integriert wurden.

Skelattack

Pro

  • flüssige und präzise Steuerung
  • ein grafischer Leckerbissen im Jump&Run Segment
  • passende Soundtracks mit knackigen Soundeffekten
  • kaum Frustmomente
  • abwechslungsreiche Flugstunden mit Fledermaus Imber

Contra

  • schlechte Kennzeichnung und Orientierung auf der Map
  • Missionsziele sind schwer zu entdecken
  • keine Auswahl an Schwertvarianten

Fazit

Skelattack überzeugt mit flüssigem Gameplay, grafischer Raffinesse und einem unverkennbaren Soundtrack. Die Steuerung ist präzise und das Level Design kann sich sehen lassen. Ab und zu verliert der Spieler bestimmt gern mal die Orientierung im Spiel. Leider hilft in solch einer Situation die Map nur sehr wenig weiter. Erfreulich ist allerdings die Balance zwischen Frust und Lockerheit. Der fehlende Bildschirmtod trägt dem bei und verzeiht jegliche Art von Fehlern. Spaß und Herausforderungen sind für Spieler jeden Könnens. Vor allem auf der Nintendo Switch, im Handheldmodus, überzeugt der Titel auf ganzer Linie. Eine netter abwechslungsreicher Side-Scroller mit Witz und einer Briese Gruselfaktor.

Getestet wurde Skelattack auf Switch von Andreas Erber. Das Spiel lag uns zum Testzeitpunkt in Version 1.0.0 vor.

Das Test-Exemplar / der Review-Code für Skelattack wurde uns von Konami kostenlos zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!