Pools · Test
Veröffentlicht am 30.11.2025 von Andreas Erber
Pack die Badehose ein... nimm dein kleines Schwesterlein...
Naja, anders als in dem bekannten Schalgersong aus vergangenen Jahren muss man in dem Game POOLS wohl leider sein Schwesterchen zuhause lassen. Denn in diesem exotischen Stück Software werden die Swimming-Pools auf eigene Faust erkundet. Ganz allein in einem Irrgarten von Hallenbädern und Rutschanlagen. Klingt furchterregend? Ja, das ist es auch!
POOLS ist allgemein betrachtet ein ungewöhnliches, atmosphärisches Erlebnis, das sich bewusst gegen klassische Horror-Konventionen stemmt. Anstatt Monster, Schockeffekte oder actionreiche Konfrontationen lädt das Spiel zu einem langsamen, beinahe meditativen Spaziergang durch geflieste Pool-Komplexe, verrückte Wasserrutschen und leer wirkende Hallen ein, welche schier endlos wirken. In VR entfaltet POOLS seine stärkste Wirkung. Die klaustrophobischen Flure, das übersatte Licht und die seltsam vertraute, aber doch falsche Pool-Ästhetik greifen direkt ins Körpergefühl und machen aus dem Spaziergang ein intensives Sensorik-Erlebnis. Doch auch die klassische 2D-Version für iOS kann auf iPhone, iPad und dem Mac überzeugen.
Hinter POOLS steht das finnische Team Tensori, das bereits mit der ursprünglichen PC-Version Aufmerksamkeit für sein Gespür für klaustrophobische Räume und experimentelle Spielideen erregte. Tensori hat POOLS ursprünglich 2024 als Indie-Walking-Simulator veröffentlicht und die Erfahrung seitdem erweitert. Die VR-Umsetzung für die PS VR2 markiert ganz klar den Höhepunkt der Spielentwicklung.
Wo ist Hasselhof, wenn man ihn braucht?
POOLS erzählt keine konventionelle Geschichte mit Charakterentwicklungen, sondern funktioniert eher wie ein gefundenes VHS-Band voller rätselhafter Räume und unheimlicher Eindrücke. Räumliche Wiederholungen und audiovisuelle Hinweise erzeugen bei den Spieler:innen das Gefühl, eine Art Alptraum zu durchschreiten. Das Fehlen einer linearen Story ist also Absicht, denn das Game überlässt die Interpretation den Spieler:innen und nutzt die VR-Immersion für ein Gänsehaut-Feeling. Vor allem die extrem dunklen Pools mit den engen Schlupflöchern sind irgendwie beängstigend. Die Rutschen und Pools können natürlich auch benutzt werden... auf das Baywatch-Rettungsteam sollte man aber eher nicht zählen.
Gameplay & Steuerung
Gameplaytechnisch ist POOLS sehr reduziert. Laufen, schwimmen, rutschen und gelegentlich einfache Interaktionen, sowie eine Zoom-Funktion ist enthalten. Mehr braucht das Konzept von Pools auch nicht. In der VR-Version wurde die Steuerung für die PS VR2 sorgfältig angepasst. So gibt es verschiedene Komfortoptionen, sodass Spieler:innen mit unterschiedlichem Motion-Sickness-Empfinden das Spiel anpassen können. Die native Unterstützung für hohe Bildraten auf der VR2 (PS5/Pro) tragen dazu bei, dass Bewegungen stets geschmeidig wirken.
Räumliche Orientierung ist ein großer Teil des Spiels. Labyrinthsysteme und wiederkehrende Architekturelemente fordern eine hohe Aufmerksamkeit, und gerade in VR wird das ständige Neuausrichten zu einem psychologisch einzigartigen Moment.
Grafik & Sound
Visuell setzt POOLS auf eine minimalistisch-sterile und gleichzeitig betörend genaue Ästhetik. Weiße Fliesen, chlorverwaschenes Licht, übergroße Plastikrutschen und punktuelle Farbkleckse schaffen eine Traum- bzw. Albtraum-Optik, die in VR noch intensiver wirkt. Die Texturen sind bewusst schlicht gehalten, damit das Spiel mit Wiederholung und räumlicher Tiefe spielen kann. In knapp beleuchteten Korridoren verstärken Schattenspiele die Beklemmung und in weiten Hallen wirkt das Echo fast surreal. Technisch läuft das Spiel in VR flüssig, auch wenn vereinzelt niedrig aufgelöste Texturen oder leichte Pop-ins das Spiel ein wenig trüben. So ist beispielsweise ein längliches Lüftungsgitter an der Wand nicht in jeder Sichtposition vorhanden. Insgesamt überwiegt jedoch die gelungene, dichte Atmosphäre.
Der Sound ist essenziell in diesem exotischen Titel. Ein entferntes Tropfen, das Knarren einer Rutsche, dumpfe Hallreflexionen und ein subtiler, donnernder Score sorgen für eine konstante Unruhe. Geräusche dienen auch als räumliche Orientierung und als Verstärker des Gefühls. Die Kombination aus binauraler Raumwiedergabe in VR und dem sparsamen, aber effektiven Sounddesign macht einen großen Teil der furchterregenden Atmosphäre aus.
Fazit
POOLS ist kein Spiel für jeden Geschmack und das ist sein größtes Plus. Wer auf traditionelle Horror-Mechaniken wartet, wird natürlich haushoch enttäuscht sein. Wer aber ein dichtes, psychologisch fokussiertes Erlebnis schätzt, das Atmosphäre, Raumgefühl und das Unbehagen des Verlorenseins auslotet, findet hier ein kleines Meisterwerk. In VR gewinnt POOLS zusätzlich an Intensität: die klaustrophobischen Korridore, der seltsame Glanz auf nassen Fliesen und die unmittelbare Nähe von Sound und Haptik verwandeln das Konzept in ein körperliches Erlebnis. Das Spiel ist relativ kurz und so liegt ein Durchlauf im Bereich von wenigen Stunden. Bietet dafür aber eine starke, bleibende Stimmung und ist technisch solide umgesetzt. Zudem geht der Preis von 9,99€ (UVP) in Ordnung. Wer experimentelle Spielerfahrungen und das Erforschen von Stimmung über Story bevorzugt, sollte POOLS, vor allem in der VR-Version, auf jeden Fall ausprobieren.
Pro
- dichte, ungewöhnliche Atmosphäre, in VR noch intensiver!
- saubere VR-Umsetzung
- einzigartiges, künstlerisches Konzept (liminale Räume) — hebt sich klar von Standard-Horror ab.
- sehr stimmiges Sounddesign und gute Nutzung von DualSense/Haptik
- Preis/Spieldauer-Verhältnis ist für Fans experimenteller Spiele akzeptabel
Contra
- kaum Gameplay-Tiefe und keine klassischen Mechaniken oder Interaktionen
- relativ kurze Spieldauer
- Story Fans, welche auch eine Art von Gegner erwarten, dürften enttäuscht werden
- gelegentliche kleine Grafik-Unsauberkeiten (Texturdetails, Pop-ins)
Wertung
8.0Gut
Kaufempfehlung
95%Absoluter Pflichtkauf
Getestet wurde Pools auf PS5 von Andreas Erber. Das Spiel lag uns zum Zeitpunkt von unserem Test in Version1.000.005 vor. Das Test Exemplar / der Review Code für Pools wurde uns von Keymailer kostenlos zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!










































