Anthem Review

26.02.2019 » Andreas Erber

Anthem

Entfessle deine Kräfte und steig in deinen Javelin

Schon in der Beta von Anthem wurde vielen Spielern klar, dass die Ähnlichkeit zu Bungies Destiny stärker sein könnte als erwartet. Der erste Blick auf das Spiel vermittelte mir das Gefühl als würde ich von Bungie aus versehen eine Alpha von Destiny 3 bekommen haben. Doch der erste Eindruck täuscht ungemein, denn obwohl die Spielmechaniken von Grund auf fast die Selben sind, bietet Anthem mir viele weitere neue und vor allem spannende Ansätze. Ich will hier jedoch in dieser Review keinen abwertenden 1:1 Vergleich aufstellen, da es sich am Ende um zwei ganz unterschiedliche Spielwelten handelt. In Anthem steuert ihr einen sogenannten Freelancer, einen Söldner, der für diverse Fraktionen Aufträge erledigt um sich vor den Mauern von Fort Tarsis den verschiedensten Bedrohungen zu stellen und seine Heimat vor dem Unheil zu beschützen. Fort Tarsis ist die Basis im Spiel. Eine kleine überschaubare Innenstadt mit einem Markt als zentralen Punkt. Leider wirkt das Setting eher wie eine Filmkulisse. Dort könnt ihr euch zumindest frei in der Ego-Sicht bewegen, euch mit anderen Leuten unterhalten oder euch für die nächsten Missionen vorbereiten. Zusätzlich gibt es immer wieder ein paar Sammelobjekte und ein Belohnungssystem, dass ihr an einem Marktstand begutachten könnt. Bevor ihr allerdings in Kampf ziehen könnt müsst ihr euch zu Spielbeginn für einen Javelin entscheiden. Javelin werden die Roboterartigen Kampfanzüge genannt. Davon gibt es 4 unterschiedliche Klassen mit ihren diversen Eigenschaften, die sich deutlich voneinander unterscheiden. Storm, Ranger, Interceptor und Colossus. Für welchen Anzug ihr euch als Freelancer entscheidet ist für die Story selbst nicht wirklich ausschlaggebend. Ich habe für euch eine kurze Beschreibung der 4 Klassen im Anschluss angehängt, um euch die Auswahl zu Spielbeginn zu erleichtern. Euren Javelin im Verlauf des Spiels zu wechseln ist übrigens ganz einfach, da eure gesammelte Beute auch für alle anderen Anzüge bereit stehen. Akzeptiert ihr eine Mission, wird die Einleitungssequenz gestartet, in der ihr zu sehen bekommt wie ihr in den gigantischen Köperpanzer einsteigt. Durch diese gelungene Sequenz kommt die Enge in dessen Anzügen noch authentischer zur Geltung. Neben der Hauptstory gibt es auch den Punkt "Festungen", den ihr im Verlauf des Spiels automatisch freigeschaltet. Dahinter verstecken sich eigene Abenteuer die es nur im Team zu bewältigen gibt. Falls die eigene Spielersuche nicht funktioniert könnt ihr auch anderen Gruppen beitreten. Das Gute an dem Spielmodus sind die legendären, seltenen Loot-Objekte. Im freien Spiel könnt ihr euch die Landschaft in Ruhe betrachten und dabei versteckte Items aufsammeln. Unter Strongholds sind einfach erklärt geschlossene Raids oder Dungeons gemeint, die wöchentlich erscheinen. Hier gibt es erst nach Abschluss eines Strongholds den besten Loot.

  • Ranger: Der typische "Allrounder". Er eignet sich sowohl für den Nah- als auch den Fernkampf.
  • Colossus: Die "schwere" Klasse der Javelin. Er bewegt sich langsamer als die Anderen, kann dafür aber mit schweren Waffen umgehen. Sein Schild kann Schaden abwehren.
  • Intercepter: Ist ein Assassinen-Kämpfer und extrem schnell und stark im Nahkampf.
  • Storm: Dabei handelt es sich um einen "Magier". Der Storm-Freelancer kann sich teleportieren und teilt mit Elementar-Schaden aus. Seine Blitz- und Eisattacken wirken optisch äußerst cool.

Anthem

Pro

  • Grafik und Sound sind auf einem hohen Niveau
  • Koop Modus der auch mit fremden Spielern Spaß macht
  • sehr gelungene Steuerung, besonders in der Luft
  • Zwischensequenzen können sich sehen lassen
  • Kämpfe sind super inszeniert

Contra

  • Menüführung ist etwas verwirrend
  • Einzelspieler werden eher enttäuscht sein
  • Schnellreisesystem ist umständlich und schlecht verteilt
  • Dialoge ohne Einfluss auf den Verlauf der Geschichte
  • extrem lange Ladezeiten

Allein stark. Gemeinsam stärker.

Außerhalb der Mauern bewegt ihr euren Söldner im Kampfanzug in der Third-Person Ansicht auf einer offenen, weitläufigen "Loot-Welt" weiter, was durchaus sehr gut funktioniert und euch im Spiel einen besseren Überblick im Kampf verschafft. Ich habe mich für den Storm-Javelin entschieden, denn er verspricht mir, neben den ausgewogenen Kampfeigenschaften und der ausreichenden Körperpanzerung, ein Künstler der Magie zu sein. Ein wahrer Allrounder für alle Fälle. So werden Nahkämpfe mit dem Element des Feuers vermischt und aus eurem Arm könnt ihr durch das gedrückthalten der oberen linken oder rechten Schultertaste, die übrigens im Charaktermenü frei belegbar sind, eure Spezialattacke aktivieren. Mit dieser Charakterauswahl stehen euch Elementar-Angriffe mit Blitz und Eis zur Verfügung, die natürlich mit der Zeit verbessert werden können. Für Verbesserungen und Aufwertungen steht das Talentsystem zur Verfügung, dass jedoch ein wenig zu flach wirkt. Besonders cool ist die Flug- und Schwebefunktion. Damit könnt ihr besonders schnell von einem Missionspunkt zum nächsten fliegen. Das Spiel lässt sich grundsätzlich auf eigene Faust durchspielen, wobei diese Art zu spielen schnell an Reiz verliert. Wählt vor Spielbeginn ein Online Matchmaking aus, das euch annähernd passende Mitspieler in der selben Level-Stufe sucht. Das Level ist in diesem Spiel, wie auch schon in den Destiny Teilen, ein entscheidenter Faktor. Parktisch ist, dass jeder Mitspieler mit einem kleinen Mini-Radar angezeigt wird. Somit verliert ihr eure Spieler nicht aus den Augen... möchte man meinen. Doch oft passiert es, dass durch die leider sehr langen Ladezeiten die anderen Mitspieler bereits zum ersten Wegpunkt fliegen und diese voreilige Aktion euch einen weiteren Ladebildschirm beschert, da euch das Spiel bei einem zu großen Abstand zu euren Mitspielern beamt. Das frustriert und stört das Spielerlebnis enorm und hoffen dabei, dass diese und weitere Störfaktoren gefixt werden. Das gemeinsame durchspielen der Mission wird jedoch dringend empfohlen, da ansonsten sämtliche Missionen bis zu drei Mal länger dauern können und die Erfahrungspunkte vergleichsweise niedrig ausfallen würden. In diesem Spiel zählen nicht nur die Abschüsse allein, sondern auch das Team und dessen ausgerüsteten Items oder auch die Anzahl wie oft ihr im Spiel eure Mitspieler wiederbelebt habt. Diese Errungenschaften werden im Spiel "Feats" genannt. Dieses System verhindert gezielt, dass sich einzelne Spieler in einer Gruppe abkapseln und einen auf "Rambo-Alleingang" machen. Besonders gelungen ist die im Vergleich zu Destiny deutlich bessere Erzählweise. Aufwendig gerenderte Zwischensequenzen und die äußerst schön gestalteten Dialoge vermitteln euch die Geschichte rund um die Welt Bastion in bester Manier. Die Entscheidungen, die in den Dialogen getroffen werden können, verändert die Hauptstory leider in keinster Weise, was vor allem vorprogrammierte Sackgassen in der Erzählstruktur verhindern soll. Die sogenannten Weltevents nutzen sich leider schnell ab und der freie Modus weckt kaum meine Neugier. Leider ist lässt die Spieldauer noch zu wünschen übrig, die jedoch durch neue kostenfreie oder wohlmöglich bezahlbaren Inhalte erweiterbar sein wird. Immerhin wurde ein DLC namens "Akt 1" angekündigt. Zu den aktuellen, optionalen Zusatzkosten sei gesagt, dass sämtliche Mirkotransaktionen rein der Optik dienen. Dies ist äußerst lobenswert.

Anthem

Gameplay & Steuerung

Auch in Sachen Gameplay erinnert Anthem stark an die Teile der Destiny Serie. In der offenen Welt nehmt ihr Missionen an, die beispielsweise oft nur einen Hol- und Bringservice beinhalten, in denen ihr gegen zahllose Gegnerwellen kämpfen müsst. Wie bereits erwähnt zählt der Zusammenhalt in der Gruppe, da nur auf diese Weise eine große Anzahl an Erfahrungspunkten gesammelt werden kann, um euren Anzug in den diversen Ausstattungsoptionen verbessern zu können. Das Trefferfeedback ist gelungen und Abschüsse werden euphorisch in aufspringenden Punkteangaben angezeigt. Das Erkunden der Welt im Flugmodus geht locker von der Hand und macht richtig Spaß. Um euren Anzug vor einer Erhitzung zu schützen helfen diverse Gewässer sowie das durchfliegen eines Wasserfalls. Behaltet also eure Energieanzeige stets im Auge. Die gesamte Steuerung klappt äußerst gut und bereitet zu keiner Sekunde Schwierigkeiten. Alleinig ein paar verbliebene Serverprobleme trüben noch den Spielspaß. Ärgerlich ist es, wenn ihr im Einzelspielmodus sterbt, da ihr durch die langen Ladezeiten zu einem oft zu weit zurückliegenden Ladepunkt gebeamt werdet. In der Gruppe können Mitspieler ja problemlos wiederbelebt werden und so diesem Ärgernis zu entgehen. Erliegen alle Mitspieler dem Bildschirmtod ist ebenfalls die Ladezeit vorprogrammiert.

Anthem

Grafik & Sound

Die Grafik entspricht den modernen Anforderungen eines neuen Shooters und bietet eine üppige Dschungel- und Berglandschaft mit vielen Gewässern und absurden Tierwesen. Auch sonst wirkt die Vegetation sehr lebendig und trotzdem nicht übertrieben künstlich. Die Bewegungen der Bäume und Sträucher sowie die Bewegung des Wasser sind weitgehend natürlich. Dank der HDR-Technik wirken Sonneneinstrahlungen und Lichteffekte realistisch und geben mir das Gefühl wirklich draußen in der Wildnis zu sein. So ähnlich geht es mir auch mit den Anzügen in denen der Söldner steckt. Diese sehen nämlich einfach fantastisch und detailreich aus.
Auch in Sachen Sound und Soundtrack gibt es nichts auszusetzen. Die Soundeffekte der Waffen, Gegnern und Umgebungen wirken sehr stimmig auf mein strenges Gehör und auch der Soundtrack macht schon vom Startbildschirm an Spaß. Die Titel sind passend gewählt und lassen mich noch tiefer in die spannenden Gefechte eintauchen.

Anthem

Fazit

Anthem ist ein erstklassiger Shooter mit Rollenspielelemente, macht so vieles richtig und doch gibt es noch einiges zu bemängeln. Angefangen von ein paar nervigen Bugs, den teilweise extrem langen Ladezeiten und dann kommen auch noch die vereinzelten Serverprobleme hinzu. Doch ich bin zuversichtlich, dass Bioware diese Probleme noch in den Griff bekommt, bevor weitere Inhalte und DLCs für Anthem erscheinen. Shooter-Fans mit dem Drang ins Loot-Paradies werden auf jeden Fall ihre Freude haben. Besonders viel Spaß macht es mit bis zu 3 weiteren Mitspielern im Koop Modus. Mehr Abwechslung in den einzelnen Missionen sowie eine größere Auswahl an Spielmodi und mehr unterschiedlichere Gebiete könnten den Titel in Zukunft noch gehörig aufwerten. Bioware hat also noch eine Menge Arbeit vor sich. Das Endergebnis zu Release ist zumindest ein weitaus besseres als in der Beta-Version und zeitgleich birgt das Spiel den Beginn und die Chance einer neuen Spielära. Ich würde mich zumindest über neue Inhalte und Ableger der Serie freuen.

Getestet wurde Anthem auf PS4 von Andreas Erber.

Das Test-Exemplar / der Review-Code für Anthem wurde uns von Electronic Arts kostenlos zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!