Review

Screamer · Test

Veröffentlicht am 22.03.2026 von Andreas Erber

Titelbild von Screamer (PC, PlayStation 5, Xbox Series X|S)

Screamer gab es auch schon 1995

Mit Screamer kehrt eine der ältesten Marken der Arcade-Rennspiele zurück. Die ursprüngliche Reihe startete bereits 1995 und gehörte damals zu den Spielen, die rasante 3D-Rennen erstmals auf Heim-PCs populär machten. Die neue Version aus 2026 ist jedoch kein klassisches Remaster, sondern eine komplette Neuinterpretation der Serie. Statt realistischer Rennsimulation erwartet euch ein stilistisch sehr auffälliger Mix aus Arcade-Racing, Kampfmechaniken und einer erzählerisch aufgebauten Kampagne mit Anime-Ästhetik.
Auf der PS5 Pro profitiert das Spiel zusätzlich von stabiler Performance und hochauflösender Darstellung, was besonders der neongetränkten Cyberpunk-Ästhetik zugutekommt. Ob dieser ungewöhnliche Mix aus Rennspiel, Anime-Drama und Actionmechaniken wirklich funktioniert, schauen wir uns im Detail an.

Die Entwickler:innen verfolgen dabei einen ungewöhnlichen Ansatz. Rennen sind hier nicht nur sportlicher Wettbewerb, sondern Teil eines dramatischen Untergrundturniers voller Rivalitäten, persönlicher Motive und spektakulärer Inszenierung. Dieser Fokus auf Story und Charaktere ist im Rennspielgenre eher selten und macht Screamer zu einem der ungewöhnlichsten Vertreter der aktuellen Arcade-Racer.
Hinter Screamer steht das italienische Studio Milestone, ein Entwickler, der seit Jahrzehnten fast ausschließlich Rennspiele produziert. Die Ursprünge des Teams reichen bis in die frühen 1990er Jahre zurück, als die Entwickler unter dem Namen Graffiti mit dem ersten Screamer einen technisch beeindruckenden Arcade-Racer veröffentlichten. Später machte sich Milestone vor allem mit Serien wie MotoGP, Ride oder Hot Wheels Unleashed einen Namen.
Diese lange Erfahrung im Rennspielbereich merkt man auch dem neuen Projekt an. Allerdings geht das Studio mit Screamer bewusst neue Wege. Statt eines klassischen Motorsporttitels setzt das Team auf eine Mischung aus Arcade-Rennen, Charakterdrama und Kampfsystemen. Unterstützt wird Milestone dabei von Polygon Pictures, einem renommierten japanischen Animationsstudio, das für die zahlreichen Anime-Zwischensequenzen verantwortlich ist.

Screenshot von Screamer

Ein Rennspiel mit Herz und Anime-Vibes

Die Handlung spielt in der dystopischen Metropole Neo Rey, einer futuristischen Stadt voller Neonlichter, illegaler Rennen und rivalisierender Gruppen. In dieser Welt ist das sogenannte Screamer-Tournament der Mittelpunkt der Szene. Mehrere Teams treten daron gegeneinander an, jedes mit eigenen Motiven und einer eigenen Geschichte. Dabei kommen auch verschiede Sprachen zur Geltung. Darunter Französisch, Englisch und auch Deutsch.
Spieler:innen erleben die Handlung aus verschiedenen Perspektiven. Manche Fahrer:innen jagen Ruhm und Anerkennung, andere wollen Macht, Reichtum oder schlicht Rache. Dadurch entsteht eine überraschend komplexe Erzählstruktur, die sich über zahlreiche Rennen hinweg entwickelt.

Die Story wird vor allem durch über 30 Minuten Anime-Zwischensequenzen erzählt. Screamer fühlt sich dadruch fast wie eine Mischung aus Rennspiel und Anime-Serie an. Dieser narrative Fokus ist eine der größten Besonderheiten des Spiels. Während die meisten Rennspiele die Story nur als Rahmen nutzen, steht sie hier ganz klar im Mittelpunkt und sorgt dafür, dass jedes Rennen eine emotionale Bedeutung innerhalb des Turniers bekommt.

Screenshot von Screamer

Gameplay & Steuerung

Spielerisch bleibt Screamer trotz seiner Storyambitionen ein klassischer Arcade-Racer. Die Fahrzeuge steuern sich schnell, direkt und bewusst übertrieben. Realismus steht hier definitiv nicht im Vordergrund und wird dennoch nicht komplett ignoriert. Stattdessen geht es um spektakuläre Drifts, aggressive Manöver und taktische Aktionen während des Rennens.
Eine Besonderheit ist das Twin-Stick-Steuerungssystem. Der linke Stick kontrolliert die Lenkung, während der rechte Stick die Drift-Richtung beeinflusst. Dadurch entstehen sehr dynamische Kurvenfahrten, die ein wenig Übung verlangen, aber langfristig ein präzises Fahrgefühl ermöglichen. Besonders cool sind die vielen Einstellungsmöglichkeiten in den Optionen. So lässt sich das Game sogar barrierefrei mit nur einer Hand steuern. Solche Features finden wir einfach klasse!

Jedes Fahrzeug besitzt Energie- und Spezialfähigkeiten. Während eines Rennens könnt ihr diese Energie nutzen, um Gegner zu rammen, Verteidigungsschilde zu aktivieren, Boosts auszulösen oder Spezialaktionen einzusetzen. Diese Mechaniken verleihen den Rennen einen deutlichen Combat-Racing-Charakter, der entfernt an Spiele wie Bluroder Burnout erinnert, gleichzeitig aber stark an Fighting Games angelehnt ist.

Neben der Storykampagne gibt es auch klassische Modi wie:

  • Zeitrennen
  • Score-Challenges
  • Online-Rennen
  • lokalen Splitscreen-Multiplayer für mehrere Spieler:innen

Gerade der Multiplayer sorgt dafür, dass Screamer langfristig motivieren kann, denn die Mischung aus aggressivem Fahrstil und Spezialfähigkeiten führt häufig zu chaotischen, aber sehr unterhaltsamen Rennen.

Screenshot von Screamer

Grafik & Sound

Visuell schlägt Screamer eine sehr eigene Richtung ein. Die Spielwelt verbindet futuristische Cyberpunk-Elemente mit Anime-Ästhetik. Neonbeleuchtete Straßenschluchten, grelle Farben und stylisierte Charakterdesigns prägen den Bildschirm. Auf der PS5 Pro kommen besonders die hohe Auflösung, stabile Framerates und die zahlreichen Lichteffekte zur Geltung. Das Game kommt dabei auf bis zu 120fps, meist zwischen 88 und 110fps. Nachts entfalten die Strecken ihre volle Wirkung, wenn reflektierende Straßenoberflächen, holografische Werbung und farbenfrohe Partikeleffekte zusammenkommen.
Die Fahrzeuge selbst sind stark individualisiert und spiegeln laut Entwickler bewusst die Persönlichkeit ihrer Fahrer:innen wider. Manche wirken aggressiv und kantig, andere elegant oder futuristisch. Die Anime-Zwischensequenzen sind qualitativ hochwertig produziert und wirken eher wie Szenen aus einer Serie als aus einem klassischen Rennspiel. Dadurch entsteht eine ungewöhnlich dichte Inszenierung für das Genre.

Auch der Soundtrack trägt viel zur Atmosphäre bei. Synthesizer-Tracks erinnern an Retro-Anime und 80er-Cyberpunk und passen perfekt zur Neon-Optik der Spielwelt. Während der Rennen sorgen wuchtige Motorensounds und explosionsartige Effekte für das nötige Arcade-Feeling.

Screenshot von Screamer

Fazit

Screamer ist kein gewöhnliches Rennspiel. Statt realistischer Motorsportaction erwartet den Spieler:innen ein sehr stilisierter Arcade-Racer, der Story, Anime-Inszenierung und Combat-Mechaniken miteinander verbindet. Diese Mischung funktioniert überraschend gut. Besonders die dynamische Steuerung und die aggressiven Rennmanöver sorgen für spannende Rennen, während die Charaktergeschichten dem Spiel eine Identität verleihen, die viele Genrevertreter vermissen lassen. Natürlich ist dieser Ansatz mit den Anime-Sequenzen nicht für alle Spieler:innen ideal. Wer ein klassisches Rennspiel oder eine Simulation erwartet, wird mit Screamer vermutlich weniger glücklich werden. Wer jedoch schnelle Arcade-Rennen, stylische Präsentation und ungewöhnliche Ideen schätzt, bekommt hier einen der originellsten Racer der letzten Jahre. Gerade auf der PS5 Pro überzeugt das Spiel durch starke Performance, beeindruckende Lichteffekte und eine audiovisuelle Präsentation, die stark aus der Masse heraussticht.

Pro

  • sehr stylische Anime- und Cyberpunk-Präsentation
  • ungewöhnliche Kombination aus Rennspiel und Storykampagne
  • dynamisches Twin-Stick-Driftsystem
  • spannende Combat-Mechaniken während der Rennen
  • hochwertige Anime-Zwischensequenzen
  • Splitscreen- und Online-Multiplayer

Contra

  • ungewohnte Steuerung benötigt Eingewöhnungszeit
  • schwacher Fokus auf realistische Fahrphysik
  • Story kann für klassische Rennspiel-Fans zu dominant wirken
  • Balance der Spezialfähigkeiten im Multiplayer teilweise chaotisch (fast wie in Mario Kart)
  • leider wird das Spielprinzip und Gameplay am Ende dann doch recht schnell eintönig

Wertung

Testergebnis:85%

8.5Sehr gut

Kaufempfehlung

90% Kaufempfehlung

90%Absoluter Pflichtkauf

Getestet wurde Screamer auf PS5 von Andreas Erber. Das Spiel lag uns zum Zeitpunkt von unserem Test in Version1.002.000 vor. Das Test Exemplar / der Review Code für Screamer wurde uns von Plaion (Koch Media) kostenlos zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!