Review

Foregone · Test

Veröffentlicht am 22.10.2020 von Tobias Creter

Titelbild von Foregone (PC, PS4, Switch, Xbox One)

Spannender 2D Action Platformer in gelungener Pixeloptik

Foregone erinnert auf den ersten Blick sofort an Dead Cells. Und auch wenn es durchaus Ähnlichkeiten gibt, so ist Foregone nicht einfach nur ein Klon, sondern hat auch gute eigene Ideen und Spielmechaniken. Das Spiel ist ein 2D Action Platformer mit knackigem Schwierigkeitsgrad. Der Hauptcharakter verfügt über einen umfangreichen Fähigkeitenbaum und es gibt verschiedene Waffen, die man noch weiter verbessern kann. Das ist auch nötig, denn die zahlreichen und sehr unterschiedlichen Feinde werden es euch nicht leicht machen. Zum Glück wird man mit massig Loot versorgt und kann gegebenenfalls auch einfach nochmal durch bereits besuchte Gebiete reisen, um Charakter und Ausrüstung hochzuleveln. Ob das Ganze auch Spaß macht und den für ein Indiespiel relativ hohen Preis rechtfertigt, erfahrt ihr in diesem Test.

Screenshot von Foregone

Eine Supersoldatin rettet ihre Stadt

Die Stadt Calagan wird seit einem verheerenden Krieg von einer verderbenden Macht belagert und um sich zur Wehr setzen zu können züchtet man dort nun Supersoldaten, die sogenannten Schlichter. Man schlüpft in die Rolle der stärksten Supersoldatin und begibt sich auf eine Reise, um die Bedrohung zu vernichten und Calagan wieder zu befreien. Dabei kämpft man sich durch Gegnerhorden und handgestaltete Pixel-Umgebungen, die auch einige Geheimnisse verbergen.

Screenshot von Foregone

Gameplay & Steuerung

Nach einer kurzen und simplen Einleitung wird man direkt in die Action geschmissen. Man bekommt die Grundlagen der Steuerung erklärt und auch die erste Spezialfähigkeit ist schnell eingesammelt. Die Steuerung könnte dabei kaum einfacher sein. Man kann laufen und springen, hat je nach ausgerüsteten Waffe eine Taste für Nahkampf und eine zum Schießen. Natürlich darf auch ein genretypischer Doppelsprung nicht fehlen und es gibt auch eine Ausweichrolle. Zusätzlich kann man noch bis zwei Spezialfähigkeiten ausrüsten, die man allerdings zuvor freischalten bzw. finden muss. Die Angriffe lassen sich kombinieren und auch im Sprung nutzen. Die Tastenbelegung ist sehr gut, lässt sich aber auch völlig frei an die eigenen Bedürfnisse anpassen.

Beim Schießen wird automatisch der Gegner erfasst, der in Blickrichtung am Nähesten ist. Allerdings funktioniert das in der Praxis nicht immer so zuverlässig, wie es in der Theorie klingt. Insbesondere bei Gegnern, die sich höher oder niedriger befinden als man selbst, muss man einkalkulieren, dass man sich ca. in einem 45 Grad Winkel befinden sollte, damit die Kugel nicht einfach geradeaus fliegt. Das wäre halb so schlimm, wenn die Munition nicht so stark begrenzt wäre. Denn Munition kann man nicht einfach sammeln, man bekommt für jeden Nahkampftreffer exakt ein Projektil für die aktuell ausgerüstete Waffe. Es gibt keine zusätzlichen Magazine und die Schusswaffen sind in der maximalen Projektilzahl relativ beschränkt. Ist die Waffe also erstmal leer geballert, muss man zwangsläufig erst wieder Nahkampftreffer landen, was nicht bei jedem Gegnertyp die beste Wahl ist. Trotzdem finde ich das System erfrischend innovativ und sehr gelungen. Es bringt eine zusätzliche strategische Note ins Gameplay.

Die Waffen werden mit zunehmendem Level nicht nur mächtiger, sie bieten auch mehr zusätzliche Effekte, wie Betäubung oder Explosionen. Falls trotzdem mal die Lebensenergie knapp wird, kann man sich auch jederzeit selbst heilen, sofern man die Fähigkeit dazu ausgerüstet hat. Alle Fähigkeiten laden sich durch das Besiegen von Gegnern relativ schnell auf und können somit oft genutzt werden. Die Heilungsfähigkeit muss dazu nicht mal komplett aufgeladen sein, sie ist jederzeit nutzbar, stellt dann aber nur eine entsprechende Menge an Lebensenergie wieder her. An den Checkpoints kann man sich teleportieren und bekommt die Specials komplett aufgeladen. Bei einem Bildschirmtod findet man sich im Außenposten wieder, wo man Upgrades und Verbesserungen durchführen kann. Allerdings verliert man alle Münzen und Edelsteine wenn man stirbt. Man hat aber wie in den Souls Spielen die Möglichkeit diese am Sterbeort wieder einzusammeln oder man spendet die Hälfte an den Fährmann und bekommt den Rest sofort wieder.

Neben Schwertern, Speeren und Pistolen bietet Foregone auch ungewöhnlichere Waffen, wie zum Beispiel die Gunchucks – eine Kombination aus zwei Pistolen und einem Nunchaku. Je nach Rarität der Waffe kann man sie bis zu vier Mal verbessern. Gleiches gilt natürlich auch für die Rüstungen, Ringe und Medaillons. Loot ist recht großzügig zu finden und kann ggf. auch beim Schmied in Münzen eingetauscht werden, die dann wieder für die Upgrades genutzt werden können.

Außer Gegnern und Loot hat man es auch mit tödlichen Fallen zu tun, kann geheime Bereiche entdecken oder muss Schalter umlegen, um weiter zu kommen. Der Schwierigkeitsgrad steigt im Verlauf des Spiel spürbar aber fair an.

Screenshot von Foregone

Grafik & Sound

Foregone ist komplett im Pixellook gehalten und überzeugt optisch durch viele liebevolle Details. Die Animationen sind butterweich fließend und immer wieder schön anzusehen. Mit Partikeleffekten, Qualm und Blut in allen möglichen Farben wird definitiv nicht gespart. Charaktere und Gegner bieten viel Abwechslung mit unterschiedlicher Optik und guter Variation der Angriffsmuster. Auch die Boss-Kämpfe sind abwechslungsreich und spannend inszeniert. Allerdings erreicht Foregone nie ganz die Qualität und Quantität von Dead Cells aber es kommt durchaus nah ran.

Münzen und Energie aus erledigten Feinden wird praktischerweise schon auf große Distanz automatisch vom Spieler absorbiert. Die Animation und der Sound dazu bieten auch nach Stunden noch ein befriedigendes Gefühl. Die Soundeffekte sind generell sehr auf den Punkt und knallen besonders mit Kopfhörern gut rein. Der vielseitige Soundtrack ist phänomenal gewählt und begleitet auf sehr angenehme Weise das Spielgeschehen. Sehr gut gefallen hat mir auch die englische Sprachausgabe. Die Untertitel gibt es auch in Deutsch, die Sprachausgabe leider nicht. Die Sounds lassen sich in vier Tonspuren getrennt regeln.

Eine jederzeit aufrufbare Karte hilft bei der Orientierung sowie der Suche nach neuen Wegen und Geheimnissen. Schade, dass man immer ins Menü muss, um die Karte anzuzeigen. Hier hätte ich mir einen Shortcut gewünscht, wie zum Beispiel die unbelegte L1 Taste am Controller.

Die Menüs sind übersichtlich und gut strukturiert. Der verzweigte und mehrstufige Fähigkeitenbaum ist verständlich aufgebaut und man bekommt immer eine kurze Erklärung, was man durch den Einsatz blauer Edelsteine freischalten kann. Durch die Verzweigung kann man nie alle Fähigkeiten gleichzeitig nutzen aber die bestehende Auswahl lässt sich rückgängig machen und so kann man mit allen Verzweigungen experimentieren. Allerdings bekommt man als Erstattung nur Münzen und keine Edelsteine zurück.

Screenshot von Foregone

Fazit

Eigentlich gibt es an Foregone wenig zu kritisieren. Grafik und Sound sind auf hohem Niveau und auch wenn man üblicherweise mit Pixelgrafik nichts anfangen kann, sollte man bei Foregone mal eine Ausnahme machen oder zumindest einen Blick riskieren.

Oft hätte ich mir gewünscht, dass sich das automatische Zielen auch abschalten lässt, um dann selbst mit dem Stick die Schussrichtung vorzugeben. So bequem, wie es auch ist, mit nur einer Taste automatisch auf den nächstgelegenen Gegner zu schießen, es müsste dann eben auch gut funktionieren. Mit begrenzter Munition ist es immer sehr ärgerlich, wenn ein Schuss nicht sitzt, weil das Auto-Aim versagt, zumal man vorher nicht sieht, wohin man grade schießt.

Mit der Kombination aus relativ einfachem Gameplay und dem knackigen Schwierigkeitsgrad hat mir Foregone viel Spaß gemacht. Die Skills und Upgrades bringen eine spürbare Veränderung und die Waffen spielen sich sehr schön unterschiedlich. Durch das relativ große Inventar hat man eigentlich auch immer genug Platz für alles und kann dann je nach Situation die optimale Ausrüstung wählen. Auch nach etlichen Spielstunden im Test nutze sich das Gameplay nicht ab und nach jedem Bildschirmtod möchte man sofort erneut losziehen. Man spürt bei Foregone einfach, dass die Entwickler viel Liebe und Herzblut in ihr Spiel gesteckt haben.

Für den ersten kompletten Durchlauf benötigt man ca. 8 Stunden. Dann ist man aber noch weit davon entfernt alle Skills auf maximalem Level zu haben. Aber jedes Ende ist doch auch immer ein neuer Anfang...

Leider ist der Preis mit knapp 30€ doch etwas zu hoch angesetzt, daher würde ich allen Spielern, die nicht unbedingt Hardcore-Fans des Genres sind, eher dazu raten, auf ein Angebot zu warten. Wer ähnliche Spiele mag, wird mit Foregone sicher auf seine Kosten kommen.

Pro

  • motivierendes Gameplay
  • liebevoll detaillierte Pixelgrafik
  • stimmiger Soundtrack
  • gute und präzise Steuerung
  • umfangreicher Fähigkeitenbaum

Contra

  • relativ belanglose Story
  • etwas zu wenig Waffenauswahl
  • automatisches Zielen nicht immer optimal

Wertung

Testergebnis: 8.5

8.5 Sehr gut

Kaufempfehlung

65% Kaufempfehlung

65%Angebot abwarten

Getestet wurde Foregone auf PS4 von Tobias Creter. Das Spiel lag uns zum Zeitpunkt von unserem Test in Version 1.01 vor. Das Test Exemplar / der Review Code für Foregone wurde uns von Big Blue Bubble Inc. kostenlos zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!