Review

Tom Clancy’s Ghost Recon Breakpoint

Veröffentlicht am 20.10.2019

Tom Clancy’s Ghost Recon Breakpoint

Diesmal gibt es kein Briefing

Nach den Einsätzen in Bolivien, einem Binnenstaat in Südamerika, verschlägt es die Ghosts' auf eine fiktive Insel namens Auroa. Obwohl das Gebiet eine enorme Größe sowie eine atemberaubende Vegetation bietet, kann das Spiel nicht an seinen Vorgänger anknüpfen. Ubisoft versucht mit "Tom Clancy’s Ghost Recon Breakpoint" erneut Taktik-Shooter Fans zu überzeugen und an der Stange zu halten. Doch so richtig mag der Funke im Spiel nicht überlaufen. Schon in der Beta gab es einige Probleme und Aufschreie der Fangemeinde. Zu Release konnten sie immerhin ein paar Macken und Fehler ausmerzen und werden dies wohl auch in weitere Zukunft nachholen müssen. Vor allem der enorme Loot-Druck und In-Game-Käufe machen dem Titel das Leben schwer. Im ersten Moment hört sich alles ziemlich negativ an, wobei Spieler nicht vergessen dürfen, dass die Ghost Recon Serie durch ihr jahrelanges Bestehen hohe Ansprüche und Qualitätsmerkmale beinhalten sollte. Immerhin sprechen wir hier über den 11. Titel der bekannten Serie.
Das Spiel ist ein zweischneidiges Schwert. Wer auf der richtigen Klingenseite spielt wird durchaus seinen Spaß finden. Vor allem viele Online-Spieler dürfte der Titel gefallen. Denkt man an "Rainbow Six" zurück, welches bis heute noch mit massiv vielen Updates versorgt wird, so gibt es die Hoffnung, dass es für die Ghosts noch einige Monate an Updates regnet.

Tom Clancy’s Ghost Recon Breakpoint

Pro

  • Grafik ist allgemein betrachtet atemberaubend
  • gelungener Soundtrack
  • gutes Waffen-Handling
  • Steath-Action die vor allem Online sehr gut funktioniert
  • Open-World von der Größe her gigantisch
  • PVP-Modus macht enorm Spaß
  • Klassen- und Level-System sind sehr gut integriert

Contra

  • im Detail gibt es jedoch viele Grafikfehler und Bugs
  • Spieler wird mit doppelten Loot-Gegenständen überhäuft
  • Menü ist total überfüllt und unübersichtlich
  • Map ist unvorteilhaft
  • Gegner-KI nicht immer vorhanden
  • Animationen und Mimik sind manchmal unschön
  • Fahrzeuge steuern sich schwammig

Überlebe wie ein Ghost

Ihr seid Nomad, ein Sondereinsatzsoldat und Cole D. Walker, Ex-Ghost und Anführer der Wolves, ist euer hartnäckiger Gegenspieler. Walker hat ganz Auroa unter seiner Kontrolle und terrorisiert die Bewohner der idyllischen Insel. Eine Besonderheit im Spiel ist, dass die Rolle des Bösewichts von Jon Bernthal gespielt wird, dem Hauptdarsteller von "Punisher". Kurz und Bündig erzählt müsst ihr mit eurem selbst erstellten Protagonisten Nomad (männlich, weiblich) die Kontrolle über die Insel zurückzugewinnen und Walker das Handwerk legen. Wir ihr sicherlich schnell herauslesen könnt ist die Story eher oberflächlich und verlangt kein Wissen über diverse Verbindungen. Leider kommt, trotz des äußert gut besetzten und schauspielerisch überzeugenden Walker, das Spiel einfach nicht in Schwung. Die Dialoge sind langatmig und teilweise schon fast etwas lächerlich. Die Synchronsprecher an sich einen guten Job gemacht, wovon vor allem die Sprachverständlichkeit punktet. Doch zurück zur Story. Diese hätte tatsächlich weitaus spannender ausfallen können. Wieso haben die Autoren der Hauptgeschichte nicht verschiedenste Thematiken aufgegriffen. Klimawandel, High-Tech vs. Natur oder verstrickte Beziehungen mit einem überraschenden Ende hätten Story-Liebhaber viel eher in ihren Bann gezogen. Stattdessen müsst ihr mit dem "Gut gegen Böse" Debakel auskommen. Im Vergleich zum Vorgänger (Wildlands) kann Breakpoint im Gebiet Story leider nicht "pointen".

Bevor ihr Walker besiegen könnt, müsst ihr alle überlebenden Ghost finden, den Skell-Technikgott aufsuchen, als Insel-Postbote aushelfen und nebenbei noch eine Drohnenarmee sabotieren. Die meiste Zeit verbringt ihr mit Nomad um sämtliche Basen zu befreien, Zielpersonen zu töten oder Informationen zu beschaffen.

Tom Clancy’s Ghost Recon Breakpoint

Gameplay & Steuerung

Etwas nervig ist die zu groß geratene Insel. Denn entweder ihr rennt zu Fuß zum nächsten Zielort oder ihr versucht es mit der etwas zu schwammig ausgefallenen Fahrzeugsteuerung. Sämtliche Fahrzeuge lassen sich leider nur sehr schwergängig steuern und machen auf die Dauern einfach keinen Spaß. Da hilft nur eines! Ab in die Luft und zwar mit einem Hubschrauber. Sofern ihr überhaupt einen der wenigen Flugobjekte finden könnt. Denn damit sind weite Strecken ein Kinderspiel. Weshalb sich die Entwickler eher auf solch ein weitläufiges Gebiet und weniger auf sinnvolle Details konzentriert haben, kann ich persönlich leider nicht beantworten. Wer es gerne weitläufig und frei mag, wird bei diesem Titel mit Sicherheit auf seine Kosten kommen.

Die potentiellen Käufer von Ghost Recon Breakpoint werden sich das Spiel wohl ohnehin nicht wegen der Story oder irgendwelcher neuen Spiel-Ideen zulegen. Denn in Breakpoint zählt vor allem der Schusswechsel und die damit verbundenen Stealth-Elemente. Wo ich nun, nach vielerlei Kritik am Fortschritt des Spiels, endlich zu den Stärken komme. Die Schleichversuche wurden im Vergleich zum Vorgänger erheblich verbessert. So reagieren Gegner nicht mehr ganz so schnell auf jedes Fehlverhalten und gehen erst bei einer offensichtlichen Sichtung von Nomad auf die Jagd. Neu ist die Fähigkeit sich regelrecht vom Erdboden verschlucken zu lassen. Dabei verdeckt Nomad seinen gesamten Körper mit Schlamm, Erde und Pflanzen in dem der Spieler die X-Taste lang gedrückt hält. Außerdem können erledigte Feinde aufgehoben und versteckt werden. Doch der Nutzen von versteckten Leichen hat sich zumindest im Alleingang nicht gezeigt. Erst im Ko-op Modus erschließt daraus eher der Sinn, um andere Feinde nicht auf sich aufmerksam zu machen. Bei Gesamt 4 Ghosts kann ein Spieler den Gegner still und heimlich von hinten bezwingen und ein Anderer dessen Leiche rasch verstecken. Übrigens im Solospiel, welches ebenfalls eine ständige Internetverbindung erfordert, gibt es keine KI-Helfer. Die virtuell gelenkten Kollegen werden erst mit einem Update nachgereicht. Unverständlich, wo das Spiel doch auf kooperative Missionen ausgelegt wurde. Ich rate daher zur Online Ko-op Erfahrung.

Eine weitere große Stärke des Spiels ist die Herangehensweise der diversen Missionen. Vor allem bei den Übernahmen der Basen kann der Spieler zwischen mehreren Lösungswegen wählen. Wie wäre es mit... der lauten Variante a la Rambo oder doch lieber die Behutsame aus der Deckung? Besonders die behutsame Lösung macht in Breakpoint hauptsächlich Sinn und dafür wurde das Spiel auch aus technischer Sicht angesetzt. Schnappt euch eine Drohne und kundschaftet vorher die Basis aus oder klettert selbst auf einen hohen Punkt, um mit einem Scharfschützengewehr aus der Ferne alle Gegner einzeln ins Jenseits zu befördern. Ihr habt die Wahl!

Zur Info: Es gibt 2 einstellbare Modi im Gameplaybereich. Den sogenannten "geführten" Modus und den Entdeckermodus. Beide unterscheiden sich darin, dass im geführten Modus alle wichtigen Ziele und Objekte auf der Karte angezeigt werden, welche im Entdeckermodus hingegen komplett fehlen und somit all diese relevanten Punkte selbst gefunden werden müssen. Um nicht "unnötige" Zeit zu vergolden empfehle ich bewusst den geführten Modus.

Die Steuerung selbst bereitet uns vor allem zu Fuß keine Probleme. Zwar lassen sich, wie bereits erwähnt, die Fahrzeuge etwas unpräzise steuern, doch im Kampf ist man sowieso fast nur zu Fuß unterwegs. Und im Kampf ist das Handling der Waffen einsame Spitze. Das Treffer-Feedback ist gelungen und die Auswahl an Waffen ist enorm. Lediglich das Optionsmenü wirkt völlig überladen und bietet beinahe zu viel Optionen. Zumal es jetzt auch Klassen mit Verbesserungen gibt und die Aufwertung der Waffen detailreicher wurde.

Zusätzlich gibt es auch einen PVP-Modus in dem ihr in 4vs4 Matches zusammen mit euren Teamkollegen euer Können unter Beweist stellen dürft. Interessant ist der Modus deshalb, da ihr nach erfolgreichen Runden besondere Loot-Gegenstände sammeln könnt, die ihr des weiteren im Hauptspiel verwenden dürft. Da sich in diesem Modus die 4er-Teams online gegen echte Gegenspieler liefern müssen, ist die richtige Taktik ein wichtiges Erfolgsrezept. Loot gibt es für Sammler ohne Ende!

Tom Clancy’s Ghost Recon Breakpoint

Grafik & Sound

Die Insel Auroa lädt uns auf eine ganz besondere Reise ein. Zwar gibt es kaum Einwohner und Tiere zu bewundern, jedoch sticht vor allem die Pflanzenwelt deutlich hervor. Besonders überwältigend war schon die erste größere Holzbrücke, an der ein angrenzender Wasserfall sein Schauspiel zeigt. Schatten- und Lichteffekte sowie Staubpartikel machen die Darstellung noch dynamischer als je zuvor. Das Gesamtbild wirkt beinahe schon aufgesetzt und kitschig. Die Schattenseiten sind die vielen grafischen Bugs. Auch etwas unsauber wurde in den vorhandenen Camps gearbeitet. Dort können wir immer wieder durch andere Leute hindurchgehen, was dem Spieler die Glaubwürdigkeit raubt. In Dialogen ist die Gesichtsmimik des Öfteren nicht gelungen und wirkt unfertig. Auch im Kampfeinsatz kommen immer wieder Grafikfehler vor, die jedoch in naher Zukunft durch Updates behoben werden könnten.

Neben der gelungenen Dschungelgrafik kann auch der Sound durchaus überzeugen. Die Soundtracks sind passend gesetzt und stützen die geballte Action ganz dezent. Krachend sind vor allem die Soundeffekte der verschiedensten Waffen. Vor allem der Einsatz von Granaten und ähnlichen, explosiven Geschossen verursachen im 5.1 Surround-Sound einen mächtigen Klang und auch futuristische Spezialeffekte, wie beispielsweise das Einsetzen einer Drohne klingt höchst spannend. Der Klangteppich stimmt also in jeder Hinsicht!
In jeder Hinsicht? Die Dialoge leisten bisweilen kräftigen Widerstand. Die gesprochenen Dialoge fallen äußerst langweilig aus. Noch dazu muss die deutsche Sprachausgabe extra mit ca. 1GB aus dem Store geladen werden. Bei einem bestimmten Dialog blieb der Protagonist sogar die ganze Zeit über stumm und es bewegten sich nur seine Lippen. Bugs und nervtötende Sätze trüben das Gesamtbild in der deutschen Sprachausgabe.

Tom Clancy’s Ghost Recon Breakpoint

Fazit

Fakt ist, dass Shooter-Fans den Controller in Ghost Recon Breakpoint nicht mehr so schnell aus der Hand geben werden. Doch was genau fesselt uns an das Spiel so sehr, wo doch schon allein die Story sehr oberflächlich behandelt wurde. Zusätzlich die Dialoge nicht wirklich zünden und der Live-Service-Zwang nervt. Hinzu kommen die unnötig vielen Loot-Objekte, welche dem Spiel nicht die Seele eines Ghost verleihen. Wahrscheinlich zieht den Spielern vor allem der gelungene Online Ko-op Modus zusammen mit dem wirklich sehr gelungenen Waffen-Handling in ihren Bann. Auch der PVP-Modus ist für kurze Zeit motivierend. Persönlich finde ich es schade und auch schon etwas bedenklich, dass Spieler fast dazu getrieben werden jegliche Gegnertruppe auszuschalten, um an ihren "kostbaren" Loot zu kommen. Dabei könnten viele Truppen leise umgangen werden. Aber wie heißt es bei 0815-Shooter immer so schön: "Es muss einfach krachen!" Auch wenn der Titel von Kritikern komplett hin- und hergerissen ist... Action-Liebhaber werden es lieben!

Getestet wurde Tom Clancy’s Ghost Recon Breakpoint auf PS4 von Andreas Erber. Das Spiel lag uns zum Testzeitpunkt in Version 1.03 vor.

Das Test-Exemplar / der Review-Code für Tom Clancy’s Ghost Recon Breakpoint wurde uns von Ubisoft kostenlos zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!