Review

Watch Dogs 2

Veröffentlicht am 13.12.2016

Watch Dogs 2

Schleichen, Hacken & Ballern

In Ubisofts zweitem Teil des Open-World-Spiels Watch Dogs schlüpft man in die Rolle des sympatischen Hackers Marcus Holloway, der zusammen mit seinen Hacker-Kumpels der Gruppe DedSec gegen die totale Überwachung durch den Hightech-Konzern Blume kämpft. Kein anderer Ort wäre für dieses Szenario wohl passender als das wunderschöne und detailreich umgesetzte San Francisco. Gespickt mit vielen Anspielungen und Seitenhieben zu aktuellem Zeitgeschehen entführt euch das Spiel in eine unterhaltsame Welt, die neben dem recht langen Story-Modus noch viel zu bieten hat.

Watch Dogs 2

Pro

  • umfangreiche Story
  • vielfältige Nebenmissionen
  • detailreiche Grafik
  • stimmige Musik
  • tolle Charaktere
  • Tag-/Nachtwechsel
  • dynamisches Wetter
  • gute deutsche Lokalisierung

Contra

  • unlogische Gegner-KI
  • nervige Verfolgungsjagden
  • schlechte Fahrzeugsteuerung
  • Rätsel wiederholen sich
  • umständlicher Waffenwechsel

Kurze inhaltliche Einleitung

Watch Dogs 2 spielt zeitlich nach dem ersten Teil. Das aus dem Vorgänger bekannte Überwachungssystem ctOS hat mittlerweile die Versionsnummer 2.0 erreicht und geht damit immer mehr in Richtung totale Überwachung. Genau das ist der kleinen Hackergruppe DedSec ein Dorn im Auge und sie versuchen mit allen zur verfügung stehenden Mitteln dagegen anzukämpfen. Die einzelnen Aktionen / Missionen werden immer durch schöne Zwischensequenzen eingeleitet und sind für das Open-World-Genre einigermaßen abwechslungsreich. Auch im letzten Drittel kamen immer noch ab und zu überraschende Momente hinzu.

Watch Dogs 2

Gameplay & Steuerung

Die grundsätzliche Spielmechanik ist relativ umfangreich und es ist jedem selbst überlassen, ob man möglichst unauffällig agiert oder direkt mit gezogener Waffe losrennt und alles umnietet, was sich in den Weg stellt. Beides kann zu Ziel führen und beides hat seinen Reiz. Ich habe mich in den meisten Fällen für die Stealth Variante entschieden und es endete dann nicht selten doch noch blutig. Vielleicht lag das in einigen Fällen an meiner Ungeduld aber oftmals wurde ich aus völlig unerklärlichen Gründen von den Gegnern entdeckt, obwohl ich keinen direkten Sichtkontakt hatte. Glücklicherweise sind die Checkpoint fair und man kann meist direkt dort weiterspielen wo man war.

Über das Handy von Marcus hat man jederzeit Zugriff auf alles was man während dem Spiel benötigt. Dazu muss man die benötigten Apps aber zuerst im App-Laden downloaden und installieren. Sehr gut gelöst sind auch die Real-Life-Anspielungen auf Google, Facebook, Instagram, Uber und Shazam. Mit Nudle Maps findet ihr immer zu Ziel und wenn ihr auf dem Weg dort hin einen noch unbekannten Song hört, dann lässt sich dieser durch SongSneak identifizieren. Wer will kann sich per Driver SF als privates Taxi ein paar Dollar dazuverdienen oder mit ScoutX Selfies an den typischen Touristenattraktionen machen. Zusätzlich kann man überall auf der Map verteilt auch an Rennen mit eKart, Segelboot, Drohnen und Motocross teilnehmen. Wem das noch nicht reicht, der kann sich noch auf die Suche nach versteckten Tüten mit Geld und teuren Wertsachen machen oder kleine Rätsel lösen, um zusätzliche Erfahrungspunkte zu erhalten.

Auch Fashion-Victims kommen voll auf ihre Kosten mit einer überwältigenden Vielfalt an Kleidungsstücken, die man in Shops oder an Souvenirständen kaufen kann. Von Très Chic über Rocker bis Vollassi ist für jeden Geschmack etwas dabei. Auf besonders gewagte Outfits reagieren die Passanten sogar anders. Wer nach exzessivem Shopping noch Geld übrig hat, kann noch mal schnell beim Autohändler vorbei schauen, ein neues Segelboot kaufen oder sich am 3D-Drucker eine neue Waffe drucken lassen. Gegen die kleine Langeweile zwischendurch gibt zwar kein Snickers aber dafür kann man jedes Handy hacken und Chats und Gespräche belauschen. Ich hatte dabei gefühlt nie etwas doppelt gehört und es sind immer mal wieder sehr lustige Unterhaltungen dabei. Auch die sonstigen Dialoge, wie zum Beispiel die Diskussion wie viele Aliens man benötigt um einen Predator zu besiegen, passen gut in die Nerd- und Popkultur.

Für alles was man macht verdient man sich neue Follower und steigt dadurch im Erfahrungslever weiter auf. Durch die erhaltenen Forschungspunkte kann man dann in den sieben unterschiedlichen Kategorien neue Fähigkeiten freischalten. Dadurch eröffnen sich neue Möglichkeiten, um lästige Verfolger loszuwerden, Roboter abzulenken oder Geräte zu manipulieren. Appropo Verfolger loswerden - kommen wir mal zu einem der nervigsten Dinge in Watch Dogs 2: den Verfolgungsjägden durch die Polizei. Mir ist völlig unklar wer sich diesen Mist ausgedacht hat. Wenn euch die Bullen am A**** kleben und ihr sie mit Höchstgeschwindigkeit abhängt, spawnen immer wieder aufs Neue direkt vor euch Einsatzfahrzeuge. Diese erscheinen manchmal so Nah, dass eine Kollision nicht mal mehr vermeidbar ist. Ebenso unlogisch ist es, warum es noch nicht mal reicht in ein Parkhaus zu fahren, den Eingang mit Rolltor zu verriegeln und ungesehen das Fahrzeug zu wechseln, um anschließend zum Hinterausgang zu fliehen. Selbst danach spawnten wieder direkt vor mir neue Verfolger. Mal schnell um zwei Ecken fahren, den Wagen wechseln und im Wagen verstecken führte bei mir meist zum selben Ergebnis. Sorry aber das ist echt schlampig programmiert.

Nach etwas holprigem Start sind jetzt ja auch die Online Funktionen freigeschaltet und funktionieren auch ordentlich. Netterweise lassen sich diese aber auf Wunsch auf deaktivieren. Wenn andere Spieler / Hacker in der Nähe sind, kann es schnell passieren, dass man gehackt wird oder jemand versucht einen zu erschießen. Natürlich geht das Gleiche auch umgekehrt. Zwischendurch immer mal wieder eine schöne Abwechslung. Bei der Invasion ist das Ziel den anderen unbemerkt zu hacken und anschließend zu entkommen. Als Kopfgeldjäger müsst ihr den anderen Spieler verfolgen und töten ohne selbst dabei drauf zu gehen. Fürs gemeinsame Cruisen kann man sich auch sehr einfach zum Koop zusammentun und dann mit einem anderen Hacker die Stadt verwüsten oder sich gegenseitig in Missionen unterstützen. Besonders effektiv ist es wenn einer mit Hilfe seiner Drohne den Überblick behält und die Gegner ablenkt und der ander sich dann Zugang zu Servern oder ähnlichem verschafft.

Alle vernetzten Geräte in der offenen Spielwelt sind hackbar. Zum leichteren Zurechtfinden kann man eine spezielle Hackeransicht nutzen, in der alles Wichtige farbig hervorgehoben wird. Einige Geräte muss man persönlich hacken, bei anderen reicht der Quadrocopter oder der Jumper. Das Missionsdesign ist so offen gestaltet, dass immer mehrere Wege zum Ziel führen können. Schade, dass die Rätsel im Prinzip immer gleich ablaufen. Man sucht einen Schlüssel, um in verschlossene Bereiche zu gelangen oder muss durch das Umlenken von Leiterbahnen Server freischalten. Bei der Suche nach Geldverstecken und Forschungspunkten muss man entweder irgendwo per Kran, Hebebühne oder Parcour hochkommen oder mit dem Jumper durch Lüftungsschächte rollen. Hier wäre etwas mehr Ideenreichtum und Abwechslung schön gewesen.

Watch Dogs 2

Grafik & Sound

Die Grafik von Watch Dogs 2 ist sehr detailreich und das virtuelle San Francisco wurde schön umgesetzt und ist recht belebt. Musikalisch wird das ganze abwechslungsreich und zum Thema passend untermalt. Die deutsche Synchronisierung ist überdurchschnittlich gut gelungen. Insgesamt gibt es hier also nichts zu meckern.

Watch Dogs 2

Fazit

Watch Dogs 2 ist ein würdiger Nachfolger und bringt einige Verbesserungen im Vergleich zum Vorgänger mit. Die nerdigen Charaktere sind sympatisch und die Hackerwelt ist für mein Empfinden gut umgesetzt. Das virtuelle San Francisco wirkt lebendig und weiß optisch zu überzeugen. An vielen Stellen müsste ich einfach mal kurz innehalten, die Aussicht genießen und Selfies machen. Die 15 Haupt- und über 20 Nebenmissionen bieten viel Abwechslung: illegale Untergrund Hundekämpfe, riesige Roboterspinnen, exessive Parties, sprechende Filmautos usw. Auch die diversen Rennen machen Spaß, mein Favorit dabei waren die Segelbootrennen. Dem Spiel steht es auch sehr gut, dass es sich selbst nicht zu ernst nimmt und ich hatte so einige sehr unterhaltsame Momente.

Die meisten der insgesamt 50 Trophäen sind relativ leichte Beute und man erhält sie einfach nebenbei automatisch. Ein paar nervige negative Punkte, wie zum Beispiel die merkwürdige Gegner KI und sich wiederholende Rätsel, gibt es zwar aber die sind im Gesamtpaket zu verschmerzen.

Getestet wurde Watch Dogs 2 auf PS4 von Tobias Creter.

Das Test-Exemplar / der Review-Code für Watch Dogs 2 wurde uns von Sony Interactive Entertainment Europe kostenlos zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!