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Like a Dragon Gaiden: The Man Who Erased His Name · Test

Veröffentlicht am 07.12.2023 von Soul-1

Titelbild von Like a Dragon Gaiden: The Man Who Erased His Name (PC, PS4, PS5, Xbox Series)

Like a Dragon aus Kiryus Sicht

Es ist bekannt, dass Kiryu für das kommende Like a Dragon: Infinite Wealth als einer der Hauptcharaktere zurückkehrt. Doch es stellt sich dann die Frage: Was hat Kiryu dazwischen gemacht? Zum einen wird diese Frage beantwortet und zum anderen kehrt das klassische Yakuza Beat’em Up Gameplay für dieses Abenteuer noch einmal zurück. Es handelt sich hier aber um einen Nebentitel, weshalb es ein wenig kürzer ist – und das zeigt sich natürlich am vergleichsweise günstigeren Preis von €49,99. Die große Frage ist natürlich, ob es mit den Haupttiteln mithalten kann.Anmerkung: Das Spiel ist ohne englische Sprachausgabe erschienen und soll später als DLC nachgereicht werden.
Bei den Untertiteln ist natürlich alles bereits zum Start dabei, inklusive deutsch.

Screenshot von Like a Dragon Gaiden: The Man Who Erased His Name

Das Majora’s Mask von Like a Dragon?!
Laut offiziellen Aussagen war das Spiel eigentlich als DLC für Like a Dragon: Infinite Wealth geplant, doch wie immer ist man mit den kleinen Ideen vielleicht doch nicht zufrieden gewesen. Nach einiger Zeit ist der Inhalt immer stärker angewachsen und letztendlich wurde daraus ein eigenes Spiel. Doch was hat das mit Zeldas Majora’s Mask zu tun? Majora’s Mask wurde innerhalb von einem Jahr entwickelt. Dieses Spiel soll in 6 Monaten entstanden sein! Dabei handelt es sich nicht um irgendwelche schwarze oder AI-Magie, sondern um den klugen Einsatz von bestehenden Assets wie im TV-Serien-Modell. Dort liegt nämlich der Großteil der Investition am Anfang, um die Welt aufzubauen. Danach reduzieren sich die Kosten, da alles andere für den nächsten Teil einsatzbereit ist.
Das Spiel findet beispielsweise hauptsächlich in Sotenbori statt, das bereits für Like a Dragon aufgefrischt worden ist. Weiterhin ist es bekannt, dass die Geschichte innerhalb des Zeitraums abgehandelt wird und somit keine großen Änderungen benötigt werden. Auch bei den Minispielen gibt es keine großen neuen Zusätze, denn die Master-System-Spiele wurden beispielsweise bereits in Lost Judgment eingeführt. Die größten neuen Inhalte liegen beim neuen Kampfstil von Kiryu und dem neuen Glücksspielviertel, das prominent im Trailer gezeigt wurde. Bei den Hostclubs bekommt man bereits einen vollmundigen Vorgeschmack mit echten Aufnahmen.

Sind die Yakuza-Spiele Pflicht?
Es gibt sicherlich einige neue Spieler, die erst mit Like a Dragon neu eingestiegen sind, und dadurch kommt natürlich auch diese Frage auf. Nüchtern betrachtet ist es eine sehr schwere Empfehlung für Neueinsteiger, weil es sich hier um eine Kiryu-Geschichte handelt. Wer ohne Vorkenntnisse ins Spiel einsteigt, der wird einiges dabei verpassen. Doch am wichtigsten ist der Aufbau zu Kiryu und seiner bisherigen Lebensgeschichte. Für die Haupthandlung sind Yakuza 0, Yakuza 1 Kiwami, Yakuza 3, Yakuza 5 und Yakuza 6 relativ Pflicht. Ohne dessen Erfahrung verlieren einige der Szenen einiges an Einschlagskraft. Es mag zwar vielleicht ein wenig übertrieben klingen, doch ein Teil von Wünscht, dass man hier einen “Like a Dragon” Schnitt angeboten hätte, um den neuen neugierigen Fans das Beste für später aufzusparen, bis sie die Geschichte von Kiryu erlebt haben. Denn man macht sich hier einfach keinen Gefallen. Interessanterweise kommt es hier zum ersten Mal auch zu einem Crossover und zementiert dadurch die Verbindung in die Geschichte ein, wobei es eine Nebengeschichte ist.

Screenshot von Like a Dragon Gaiden: The Man Who Erased His Name

Nicht Kiryu sondern Joryu

Like a Dragon Gaiden setzt genau dort an, wo Yakuza 6 aufgehört hat. Kiryu hat mit den Daidouji einen Deal ausgehandelt, bei dem sie ihm helfen, unterzutauchen, indem er als tot erklärt wird. Im Austausch muss er für sie gelegentlich einige Aufgaben erledigen, wie z.B. im Intro als ein Bodyguard für wichtige Personen. Es ist jedoch wichtig, dass niemand ihn erkennt.
Doch die neueste Mission lief nicht wie erwartet ab und Kiryus Handler Hanawa wurde dabei entführt. Diese neueste Entwicklung führt Kiryu widerwillig zu den Omi Yakuzas…

Schwacher Anfang und Mitte…
Die Handlung fängt damit an, die Umstände von Kiryu und Daidouji darzustellen. Dabei bekommt man mit, wie das Agentenleben von ihm abläuft. Doch man trifft dadurch auf ein unglückliches Problem. Die gesamte Handlung erscheint rückblickend etwas zu gekünstelt. Spielt man es einfach so durch, dann erscheint alles in Ordnung. Nimmt man jedoch im Nachhinein alle Fakten zusammen, dann erscheinen einige Aktionen der Charaktere als fragwürdig. Darunter leidet bedauerlicherweise auch Tsuruno, obwohl er meiner Meinung nach zu den besten Charakteren zählt. Das Problem zieht sich dann ca. bis in die Hälfte bzw. das letzte Drittel hin.
Dabei ist zu beachten, dass die Handlung nicht unwichtig ist, sondern einfach nur umständlich und teilweise zu unlogisch. Vor allem wenn die Beweggründe endlich enthüllt werden.

…aber ein starker Abschluss
Sobald die Vorbereitung und Einführung aller Akteure abgeschlossen ist, entfaltet sich ein Feuerwerk von Action und Charakterarbeit. Da ist zwar noch mehr, aber es soll mal nicht gespoilert werden. Wichtig ist nur zu erwähnen, um die Erwartungen richtig zu setzen, dass der Kampf von Like a Dragon nicht wiederholt wird.

Meisterklasse in Charakterarbeit
Wir alle kennen besondere Helden aus verschiedenen Geschichten, und das Schwierigste daran ist, sich von ihnen zu verabschieden. Meistens passiert es wider Willen der Fans, weil mehr von ihnen abverlangt werden könnte (wie z.B. Spider-Man, Batman, Son Goku, etc.). Bei anderen kommt es vielleicht zum abrupten, heldenhaften Ende. Doch hier wird der Spieß umgedreht. Nach dem Abschluss der Geschichte hinterlässt die Geschichte einen bitteren Geschmack, aber auf eine feinfühlige Art, sodass der Fan sich nach einem Abschluss sehnt. Und das trotz der 15 Jahre voller Erlebnisse mit ihm. Das erinnert mich an die Meta-Tangente von dem Film “The Last Action Hero” mit Arnold Schwarznegger.

Die Charaktere stehen im Rampenlicht
Es ist schwierig, hier von einer starken Handlung zu sprechen, da sie sowieso nur hauchdünn ist. Stattdessen müssen die Charaktere die Geschichte tragen. Durch die kleine Besetzung bekommen alle genügend Zeit, sich zu etablieren. Homare Nishitani, der von Kim Jae-wook gespielt wird, bekommt zwar am wenigsten Zeit, doch im Austausch bekam er eine extreme, exzentrische Rolle. Außerdem wird der koreanische Hintergrund vom Schauspieler/Sprecher ebenfalls in die Geschichte leicht eingebunden und hilft bei der Charakterisierung der Omi Yakuza.
Während Kiryu den leitenden Faden spielt, bringen Hanawa und Tsuruno den nötigen Gravitas, um den Spieler in die Geschichte einzufangen. Überraschenderweise hat man es geschafft, Tsuruno trotz seines holprigen Anfangs eine starke Präsenz zu verschaffen.
Die anderen bekommen zwar nur sehr wenig Zeit, aber sie werden optimal eingesetzt, um den Umständen mehr Wucht zu verleihen. Es sind richtige coole, aber auch bittersüße Momente und gleichzeitig eine perfekte Vorbereitung für das, was darauf folgt.

Screenshot von Like a Dragon Gaiden: The Man Who Erased His Name

Akame und Nebengeschichten
Einige werden vielleicht gemerkt haben, dass Akame bisher nur wenig erwähnt wurde. Dies liegt daran, dass sie einigermaßen vergleichbar mit den Schulgeschichten von Lost Judgment ist. D.h. ihre Rolle konzentriert sich zu 95% auf die Nebengeschichten und ist auch dessen Zentrum. Als Informant vergibt sie nämlich alle Nebengeschichten als Missionen, wobei andere Kleinigkeiten einfach auf der Karte vermerkt sind und keine Missionsvergabe benötigen. Wie immer liegt die Qualität auf einem hohen Niveau mit einer guten Anzahl von ernsten und lustigen Kurzgeschichten. Fans von einer gewissen anderen Spielreihe werden eine schöne Überraschung vorfinden.

Weitere Kritikpunkte
Auch wenn die Geschichte relativ gut abgehandelt wurde, hätte man ein wenig mehr Gedanken über einige Punkte machen können.

  • Die Joryu Verkleidung
    Eines der Bedingungen der Daidoji-Fraktion ist, dass Kiryu nicht auffliegen darf. Dabei senden sie ihn mit einem Anzug und einer Sonnenbrille raus. Hierbei ist zu bedenken, dass Kiryu möglicherweise der berühmteste Yakuza aller Zeiten ist. Seine Haare bleiben gleich, seine Kleidung ist ähnlich und er klingt auch wie er. Also hat er quasi überhaupt keine Verkleidung und so wird er auf Mission geschickt. Für eine quasi Geheimorganisation ist das eher ein schwaches Zeugnis. Vor allem, da die darauf Wert legen, dass er nicht erkannt werden soll.
    Ein Teil vom schwachen Anfang sogar das Resultat von diesem Kritikpunkt. Denn er fliegt gleich am Anfang auf.
  • Auf die kleinen Details kommt es an: Kiryus Kampfstil
    Aus unbekannten Gründen hat man hier nicht auf die feinen Details geachtet. Innerhalb der Handlung wird gezeigt, dass er zwischen den Ereignissen eine neuen Kampfstil erlernt hat. Für den Spieler ist er als Agentenstil bekannt. Innerhalb der Geschichte wird es als " Daidoji-Style" bezeichnet. Dieser ist etwas technischer und leichtfüßiger als Kiryus “Drache von Dojima” Kampfstil.Doch hier liegt das Problem. Alle seine Kämpfe zeigen, wie er vor dem Kampf seine klassische Haltung einnimmt. Man zeigt also, dass man sich nicht mal die Mühe macht, seinen ikonischen Kampfstil zu verstecken. Dabei wären nur kleine Änderungen nötig gewesen.
    Ebenso mangelt es an Szenen, wo er im Daidoji-Stil kämpft. Man hat es also vollkommen verpasst, dem Spieler seine Geheimhaltung auf irgendeine Weise glaubhaft zu verkaufen.
  • Die Gadgets: Gameplay vs. Story
    Genauso wie Lost Judgment gibt es hier eine Diskrepanz bei den Fähigkeiten vom Hauptcharakter. Nehmen wir mal großzügig an, dass die Drohnen und die Jet-Schuhe in der Hauptgeschichte nicht existieren, da sie nie eingesetzt werden. Danach bleibt aber immer noch der Faden, der nicht ausgeschlossen werden kann, weil es eingesetzt wird.
    Durch die Einführung von diesem Gadget entsteht die Pflicht für eine Begründung für die Vermeidung des Einsatzes. Leider ist keine Begründung gegeben. Dadurch entstehen fragwürdige Momente innerhalb der Geschichte.

Zwischenfazit Story
Als Yakuza-Fan, der alle Spiele außer 5 erlebt hat, war Like a Dragon Gaiden ein besonderes Erlebnis. Doch das ist wiederum nur unter der Bedingung, dass man als Spieler bereits eine Verbindung zu Kiryu hat. Neueinsteiger werden sozusagen eine stark verdünnte Erfahrung bekommen.
Trotz des schwachen Anfangs konnte man mit einem richtig starken Ende eine bleibende Erinnerung beim Spieler hinterlassen.

Screenshot von Like a Dragon Gaiden: The Man Who Erased His Name

Gameplay & Steuerung

Auf die Grundlagen muss hier wohl nicht mehr eingegangen werden, da sie sowieso fast identisch wie die klassischen Yakuza-Spiele und Judgment-Spiele sind.Es gibt also leichte Angriffe und starke Angriffe. Letzteres ändert sich je nachdem, wann man sie in der leichten Angriffsequenz einsetzt.

Zurück zu Sotenbori
Kiryu kehrt in diesem Teil zum chronologisch ersten Teil zurück, und zwar Sotenbori aus Yakuza 0 bzw. das Erneuerte aus Like a Dragon. Trotz der Tatsache, dass das Spiel etwas kürzer ist, bietet die Stadt die volle Bandbreite von Attraktionen an. Darunter Master System Spiele, Golf, die typischen Glücksspiele (japanisch und westlich), Karaoke, Darts, Billard, usw.
Insgesamt kristallisieren sich aber 3 besondere heraus:

  • Pocket Circuit
    Der Kiryu Klassiker ist wieder zurück. Es werden wieder Slotcars zusammengebaut und ins Rennen geschickt. Jedoch hat es sich diesmal etwas schwieriger angefühlt, da anscheinend mehr zufallsbedingte Variablen ins Spiel kommen. Bei den schwierigeren Rennstrecken werden die Grenzen der Fahrzeuge getestet, aber es kommt häufig vor, dass sie unter gleichen Umständen anders reagieren und aus der Strecke herausfliegen.
    Dementsprechend ist es um einiges schwieriger, die richtige Zusammensetzung zu finden, da anscheinend auch die richtigen nicht immer ans Ziel kommen.
  • Host Club: Maximale Immersion?!
    Like a Dragon Gaiden bietet als erstes Spiel in der Reihe eine völlig neue Version des Host Clubs an. Jetzt wird nämlich komplett auf Polygone verzichtet, und stattdessen bekommt der Spieler 100% echte Aufnahmen serviert.Was auf den ersten Blick als unterhaltsam erscheint, entpuppt sich potenziell als etwas leicht Unangenehmes. Dabei liegt es nicht mal unbedingt bei den Aufnahmen, sondern eher an der Ausführung.Denn durch das Entfallen der Polygon-Avatare entfällt die Schnittstelle mit Kiryu und trennt sich somit komplett vom Spiel. Ironischerweise besteht quasi nur eine direkte Verbindung zum Spieler, und die gesamte Erfahrung erscheint in einem noch mehr virtuellen Licht. Leider entfallen auch dadurch die unterhaltsamen Nuancen sowie die Minigeschichten mit den attraktiven Damen, in denen sie sich auch weiterentwickeln. Letztendlich bleibt nur noch eine Erfahrung übrig, als würde man ein Video anschauen.Aber auch bei der Videoproduktion hat man eine Kleinigkeit übersehen, denn in fast allen Aufnahmen sind die Ringlichter als Reflektionen bei den Augen zu sehen und schwächen somit das Live-Gefühl, und es kommt dann eher vor wie ein Stream oder eine Aufnahme. Letztendlich kam ich zu dem überraschenden Schluss, dass es sich diesmal eines der schwächsten Inkarnationen des beliebten Host-Club-Minispiels erwiesen hat.Ich hoffe, dass es bei Like a Dragon: Infinite Wealth nicht wiederholt wird.
  • Das Kolosseum: Yakuza All-Star Battle
    Möglicherweise die beste, aber gleichzeitig auch eine der schwächeren Versionen des Kolosseums. Im Gegensatz zu den Vorgängern ist man diesmal nicht an den Hauptcharakter gebunden. Stattdessen kann man eine große Anzahl an Kämpfern rekrutieren, darunter altbekannte Freunde wie Gary Buster Holmes, Nebencharaktere aus Like a Dragon oder sogar auch Charaktere aus Judgment (natürlich aus Lizenzgründen kein Yagami).
    Es sind alle spielbar, jedoch hat nur Kiryu die volle Bandbreite seiner Kräfte mit Extreme Heat und Heat-Angriffen. Alle anderen Charaktere haben die normalen Angriffe, eine Spezialbewegungstaste anstatt Wurf und anstatt Extreme Heat eine besondere Heat-Bewegung. Außerdem sind sie auch in vier Klassen eingeteilt: Angreifer, Tank, Techniker und Heiler. Dies kommt davon, dass es diesmal neben dem einfachen Einzelkampf auch einen Gruppenkampf gibt, bei dem bis zu 10 Kämpfer in den Ring steigen können.
    Wie man es sich bereits vorstellen kann, eignen sich nicht alle für den Einzelkampf. Stattdessen sind sie wichtig für die gesamte Strategie, denn es gibt besondere Fähigkeiten wie Heilung und Angriffssteigerung, die für den Sieg extrem wichtig sind. Es ist aber leider auch eine der Schwächen, denn die Gegner haben SEHR VIEL Lebensenergie. Bei mir lag meistens das Problem nicht im Kampf selbst, sondern eher beim Timer. Ohne die richtige Zusammensetzung läuft sie nämlich locker aus.

Kolosseum DLC Legendärer Kämpfer Set
Fans von Majima müssen mit diesem DLC etwas leicht tiefer in die Tasche greifen. Wer die Deluxe Edition kauft, kann sich dabei €2 von €7,99 ersparen. Nach meiner begrenzten Erfahrung erscheint mir Majima als der beste spielbarer Kämpfer im Spiel. Dies kommt davon das seine normale Spezialbwegung Hyper Armor (nimmt Schaden, führt aber die Bewegung bis zum Ende aus und ist somit auch immun gegen Würfe) besitzt und nicht ohne Waffe abgewehrt werden kann. Diese beiden Tatsachen machen ihn quasi zum Easy Mode des Solo Kolosseums. Beim Teamkampf sieht es offensichtlich etwas anders aus, obwohl er dort auch ein Tour de Force ist.
Das soll nicht heißen das man mit ihm zu 100% die Spezialbewegung spammen kann, denn bei einigen Gegnern ist die Kampfstellung zu niedrig und dadurch verfehlt der Angriff. In diesen Fällen muss man stattdessen auf ihre Angriffe abwarten, damit sie im stehenden Zustand sind.

Screenshot von Like a Dragon Gaiden: The Man Who Erased His Name

Nebenmissionen und mehr: Das Akame-Netzwerk und Akame Punkte
Akame ist immer in ihrem Hauptquartier aufzufinden. Sie bietet dabei mehrere Dienstleistungen an: Ausflug zum großen Casino, Nebengeschichten und der Akame Laden.
Eines der Markenzeichen von Yakuza/Like a Dragon liegt in den vielen Nebenmissionen. In diesem Spiel gibt es eine Mischung aus traditionellen kleinen Nebenmissionen und besondere mit kleinen Nebengeschichten.
Beim Ersteren wird den Bürgern bei Kleinigkeiten geholfen, wie z.B. Gegenstände oder einfach nur Schutz vor aggressiven Leuten. Die Nebengeschichten müssen bei Akame direkt angenommen werden, bevor sie aktiviert sind.
Neben den Nebentätigkeiten werden auch Meilensteine mit Akame Punkte belohnt, wie z.B. eine bestimmte Menge Geld ergattern, und ersetzen somit die traditionellen Tempel. Doch wofür werden die Punkte eingesetzt? Zum einen für den Akame Shop, wo man besondere Gegenstände mit den Punkten einkaufen kann und zum anderen für Upgrades.

Das Kampfsystem Crash Course
Ein kurzer Überblick für die leichten Unterschiede.

Das Heat System
Hier wurde glücklicherweise das Judgment bzw. Isshin System übernommen, und das bedeutet, die Heat Anzeige erleidet keine Verluste wie bei den Klassikern. Mit dem richtigen Ausrüstungsgegenstand kann sogar der Verbrauch von Heat-Angriffen halbiert werden.Abgesehen von denen gibt es wieder mal den Extreme Heat Mode, der stetig die Anzeige entleert. Währenddessen werden neue passive und aktive Fähigkeiten freigeschaltet, wie z.B. neue Erweiterungen bei den Angriffssequenzen oder neue Heat-Angriffe.

Die zwei Kampfstile
Wie bereits erwähnt, steigt Kiryu diesmal mit zwei Kampfstilen in den Ring:

  • Drache von Dojima
    Kiryus Markenzeichen kommt mit relativ schnellen Angriffen mit höherem Schaden und eignet sich perfekt für den Einzelkampf. Neu hinzugekommen ist die Fähigkeit, schwere Angriffe aufzuladen und die Weiterführung mit weiteren schweren Angriffen. Damals waren die schweren Angriffe das Ende einer Angriffssequenz, und jetzt kann sogar nachgesetzt werden.
  • Agent
    Ein ziemlich abgefahrener Kampfstil, bei dem Kiryu leichter und schneller angreift. Alle leichten Angriffe sind Doppelpacks, d.h. Es wird gleich zweimal angegriffen, und die schweren Angriffe beenden hingegen eine Sequenz mit höherem Schaden.
    Doch das Besondere an diesem Kampfstil sind die Gadgets. Man startet mit dem Faden, mit dem die Gegner eingewickelt, zu sich ziehen oder weggeschwungen werden können. Am Anfang mag es zwar nicht so stark erscheinen, aber mit den generellen Schadensupgrades können die normalen Gegner im Handumdrehen erledigt werden. Zusätzlich gibt es beim Ziehen einen besonders leichten Angriff, der den Gegner gegen den Boden knallt und wie ein Ball wieder hochspringt. Es ist ein mächtiger Angriff, der sogar mehr Schaden anrichtet als die starken Angriffe von einem anderen Kampfstil.
    Explosive Zigaretten explodieren zeitversetzt und Jet Schuhe ermöglichen eine Ramm-Attacke, wobei beide kombiniert werden können.

Eine neue Funktion: Jonglieren (Eng: Juggling)
Dies ist ein neues Feature, das ich bisher noch nie in einem Yakuza- oder Judgment-Spiel gesehen habe. Hierbei handelt es sich um die Funktion, den Gegner in der Luft mit Angriffen zu jonglieren. Vielleicht hat die Arbeit an Virtua Fighter 5 Ultimate Showdown jemanden inspiriert?
Es gibt in diesem Spiel zwei generelle Möglichkeiten den Gegner in diese hilflose Position zu bringen. Zum einen ein geladener Aufwärtshaken beim Drache von Dojima Stil oder beim Zuschlagen inmitten des Herbeiziehens mit den Faden beim Agentenstil. Doch warum ist es besonders erwähnenswert? Das kommt davon, dass ich bisher in der gesamten Reihe eine so einfache Combo-Möglichkeit nicht erlebt habe.
Durch diesen neuen Zusatz fließt der Angriff um einiges besser und bringt dadurch auch mehr Spaß ins Spiel.
Es gibt jedoch einen Haken… Bosse sind dagegen immun.

Zwischenfazit Kampfsystem
Insgesamt macht das Kampfsystem eine gute Figur und zeigt sich auch besser als dessen älteren Kollegen Judgment, da es im Schadensausstoß besser balanciert ist. Kämpfe gegen einfache Gegner können mit den richtigen Upgrades in unter einer Minute erledigt werden. Die Bosse basieren wie immer auf Angriffsmustern und verlangen ein achtsames Auge, damit man nicht ins Fettnäpfchen tritt.
Einige klassische Schwächen treten natürlich immer noch auf, wie z.B. bei der Anvisierung und den steifen Bewegungen.

Screenshot von Like a Dragon Gaiden: The Man Who Erased His Name

Die RPG-Elemente
Ohne RPG-Elemente wäre es natürlich kein Like a Dragon/Yakuza Spiel. Natürlich musste einiges angepasst werden.

  • Die Upgrades
    Durch die etwas kürzere Natur des Spiels, hat man sich entschieden, wieder das Yakuza 0 Upgrade System zurückzubringen, aber mit mehr Freiheit und einem zusätzlichen Twist.
    D.h. man setzt Geld ein, um weitere Fähigkeiten freizuschalten, doch für stärkere werden zusätzlich Akame Punkte gebraucht.
    Der traditionelle Fähigkeitenbaum entfällt komplett. Stattdessen bekommt man einen Upgrade “Laden” der zu jeder Zeit im Menü aufgerufen werden kann. Die eine oder andere Einschränkung gibt es dennoch, d.h. Für einige Upgrades wird ein anderes vorab benötigt.
    Insgesamt sollte es keine Probleme mit dem Aufrüsten geben, solange man bereit ist ein wenig Zeit im Kolosseum zu verbringen und die Nebenmissionen einigermaßen erledigt.
  • Die Ausrüstung und Negative Statusänderungen
    Zwar gibt es keine Waffen wie in „Like a Dragon: Isshin!“, doch dafür kann Kiryu bis zu vier Ausrüstungsgegenstände verwenden. Dabei haben diese eher eine doppelte Funktion. Zum einen verbessern sie die Werte und zum anderen haben sie auch besondere passive Fähigkeiten. Eines davon ist die Prävention von einer der wenigen, aber heftigen vier Statusänderungen. Es sind zwar nicht viele, aber sie haben es in sich und sollten unter allen Umständen verhindert werden. Glücklicherweise gibt es Ausrüstung, die entweder einzeln, zwei oder alle verhindern können.
    Mit den Kontaktlinsen können wiederum versteckte Objekte auf den Radar gerufen werden, und ein besonderer Talisman halbiert die Kosten für Heat-Angriffe. Dem Spieler wird bei der Ausrüstung etwas Freiheit gegeben, wobei ich damit rechne, dass es im Endgame besondere Favoriten gibt.

Zwischenfazit Gameplay
Like a Dragon Gaiden setzt die Tradition fort und überzeugt mit einem sehr üppigen Inhalt für Nebentätigkeiten und einem soliden Kampf-Gameplay. Das Kolosseum ist an sich eine sehr gute Idee und eröffnet komplett neue Möglichkeiten, jedoch braucht es noch einige Änderungen, bevor es richtig sitzt, und das Gleiche kann man auch beim neuen Host Club sagen.
Meiner Meinung nach ist es von der gesamten Reihe eher in Richtung Mitte angesiedelt. Es ist nicht das Beste, aber auch nicht das Schlechteste. Wobei man dazu auch sagen muss, dass insgesamt das Maß hoch angesiedelt ist.

Screenshot von Like a Dragon Gaiden: The Man Who Erased His Name

Grafik & Sound

Grafisch ist es offensichtlich vergleichbar mit Like a Dragon und ist somit abgesehen von den üblichen gelegentlichen schwachen Texturen bei einem sehr guten Punkt angelangt, bei dem es schwierig ist, noch weitere Verbesserungen zu bringen. Alle Charaktere sehen gut aus und sind in den Zwischensequenzen sehr gut umgesetzt. Sotenbori ist ebenfalls gut und lebendig in Szene gesetzt.
Über die Kampfszenen lässt sich wenig sagen, da es fast keine gibt. Dementsprechend ist es auch schade, dass der Daidoji Kampfstil quasi nicht zum Ausdruck kommt. Es wäre schön gewesen, Kiryu mit ein wenig mehr Martial Arts-Feinheiten zu sehen. Damit hätte das RGG Studio auch gleichzeitig ein wenig mehr Detailverliebtheit zeigen können, um den Virtua Fighter-Fans ein wenig mehr Zuversicht zu geben für den Fall, dass sie die Virtua Fighter-Fackel weitertragen. Der Erschaffer Yu Suzuki hatte sich beispielsweise für die Virtua Fighter 2 Recherche der Martial Arts eine Rippenfraktur eingeholt.
Fashionistas können jetzt Kiryu neuerdings mit einer relativ kleinen Garderobe nach eigenem Geschmack einkleiden.

Bei der Musik ist nichts besonders aufgefallen und in der Aktion gibt es die gleiche Kost an Qualität wie bei den Vorgängern. Also nicht so gut wie ein Character Action-Spiel, aber immer noch gut genug, um der Action etwas Wucht, außerhalb der brachialen Heat-Angriffe, zu verleihen.

Wenn es etwas gibt, worauf man sich verlassen kann, dann ist es die Performance der Schauspieler und Sprecher.

Ich muss hier jedoch an zwei Stellen ein besonderes Lob aussprechen. Yoshiyuki Yamaguchi bringt mit Yuki Tsuruno in Verbindung mit dem Skript eine fantastische Leistung. Man merkt überhaupt nicht, dass er bisher nur energiehafte Rollen übernommen hat. Er hat die Ruhe, Loyalität und die kleinen Eigenheiten von Yuki Tsuruno sehr gut zum Ausdruck gebracht. Persönlich gesehen ist er einer der markanten Nebencharaktere in der gesamten Reihe.
Doch den Preis für die beste Performance bekommt Takaya Tsuroda als Kiryu. Abgesehen von seinem typischen gang und gäbe musste er seine 15 Jahre lange Erfahrung in seiner Rolle auf die Probe stellen. Diese Prüfung hat er bravourös überstanden und brachte meiner Meinung nach eine der kraftvollsten Szenen der letzten Jahre im Videospielsegment. Es ist eine Kombination aus Erfahrung und dem Miterleben der langjährigen Fans, die zu einem außergewöhnlichen Moment führen.

Eine englische Sprachausgabe soll noch nachgereicht werden, aber ein Teil von mir ist der Meinung das es ein Fehler ist. Der Sprecher von Kiryu ist unter diesen Umständen überhaupt nicht zu beneiden.

Screenshot von Like a Dragon Gaiden: The Man Who Erased His Name

Fazit

LIke a Dragon Gaiden: The Man Who Erased His Name ist überraschenderweise schwer zu bewerten. Das Hoch ist hoch, aber das Tief ist ebenfalls tief. Vor allem bei der Story. Man hat es jedoch geschafft, die altbekannte Qualität zum größten Teil zu beizubehalten. Es ist ein gutes Spiel. Allerdings bringt es auch eine recht schwere Bedingung mit sich, da es sich erst nach dem Erleben der Abenteuer von Kiryu voll entfaltet. Denn es handelt sich hier einigermaßen um eine Ode an Kiryu und dessen Yakuza-Reihe.
Dementsprechend ist es schwierig, dem Spiel eine genaue Empfehlung zu geben. Die Budgetbepreisung von €49,99 hilft zwar ein wenig, aber der eigentliche Grund liegt eher an der besonderen Bedingung, dass man die Yakuza-Spiele kennen sollte.
Kurz gesagt, es lohnt sich hauptsächlich für Kiryu Fans, die bereits fast seine gesamte Geschichte miterlebt haben. Ohne dieses Wissen geht einiges verloren und man spoilert sich ein einmaliges Erlebnis.
Für Neulinge muss ich leider gegen das Spiel empfehlen und stattdessen erst in die Richtung der Yakuza-Teile führen. Nicht nur weil sie wichtig für dieses Spiel sind, sondern auch wegen dessen hohen Unterhaltungswertes.
Wer unbedingt als Neuling ein neues Like a Dragon Abenteuer vor Infinite Wealth erleben möchte und die Yakuza Reihe noch nicht durchgespielt hat, dem würde ich ohne Frage stattdessen das neue Einzelabenteuer Like a Dragon: Ishin! weiterempfehlen.
Diese Empfehlung gilt auch für Game Pass Besitzer.

Pro

  • Wie immer üppiger Inhalt
  • Kampfsystem ist Interessant
  • Kolosseum bietet ein Yakuza All-Star Kampferlebnis
  • Hat außergewöhnliches Ende
  • Charaktere kommen gut zur geltung
  • Angemessener Preis von €49,99
  • Like a Dragon: Ininite Wealth Demo wird nach dem durchspielen freigeschaltet

Contra

  • Eignet sich überhaupt nicht für Neueinsteiger
  • Story hat eine schwache erste Hälfte
  • Pocket Circuit, Host Club und Kolosseum könnten Verbesserungen vertragen

Wertung

Testergebnis: 8.0

8.0 Gut

Kaufempfehlung

50% Kaufempfehlung

50%Angebot abwarten

Getestet wurde Like a Dragon Gaiden: The Man Who Erased His Name auf PS5 von Soul-1. Das Spiel lag uns zum Zeitpunkt von unserem Test in Version 1.012.00 vor. Das Test Exemplar / der Review Code für Like a Dragon Gaiden: The Man Who Erased His Name wurde uns von Plaion (Koch Media) kostenlos zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!