Review

Predator: Hunting Grounds · Test

Veröffentlicht am 28.04.2020 von Andreas Erber

Titelbild von Predator: Hunting Grounds (PC, PS4)

Asymmetrisch in die Schlacht

Der amerikanische Spieleentwickler Illfonic bringt mit “Predator: Hunting Grounds“ ein neues Spiel der beliebten Alien Filme auf den Markt. Genauer gesagt handelt es sich um einen asymmetrischen Multiplayer, bei dem ein Spieler die Rolle des Predator übernimmt und gegen vier weitere Online-Mitspieler antritt. Bereits der Titel "Freitag der 13." bediente sich an diesen ungleichmäßigen Multiplayer-Konzept, welches ebenfalls von Illfonic entwickelt wurde. Die vierköpfige Eliteeinheit soll hingegen verschiedene Einsatzziele erfüllen, ohne sich vom Jäger, dem Predator, erwischen zu lassen. Das Spielkonzept klingt recht spannend und wirft gleichzeitig viele Fragen auf. Lasst uns gemeinsam alle Unklarheiten beseitigen.

Screenshot von Predator: Hunting Grounds

"Ey mann, du blutest!" - "Ich habe keine Zeit zu bluten!"

Es verschlägt euch nach Südamerika in ein unbekanntes Dschungelgebiet. Ähnlich wie in den Predator Filmen soll sich eine militärische Eliteeinheit in eine gefährliche Operation begeben, um verschiedene Aufgaben zu erledigen. Darunter fallen Missionsziele wie das Finden von feindlichen Camps oder das Zerstören von Computereinheiten. Dabei seid ihr allerdings nicht auf euch allein gestellt und könnt zusammen mit 3 weiteren Mitspielern die Missionen antreten, denn einen Einzelspielermodus gibt es in Hunting Grounds nicht. Das ist am Ende auch gut so, denn Zeit zum Bluten gibt es in diesem Spiel nicht. Ein einzelner Soldat könnte den Kampf gegen den übermächtigen Predator ohnehin nicht gewinnen. Nur mit einer guten Taktik und einem sehr engen und durchdachten Zusammenspiel kann die Einheit das Böse bezwingen. Leider geraten die taktischen Pläne schneller aus dem Gleichgewicht, als einem lieb ist. Zwar sind die, aus dem Nichts kommenden, gegnerischen Soldaten wie Kanonenfutter und stellen dem 4er Trupp zu keiner Sekunde eine wirkliche Gefahr dar, doch sobald der Predator erscheint kippt die Stimmung und ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt.

Zu Beginn des Spiels stehen mehrere Startpunkte zur Auswahl. Der Ausgangspunkt mit den meisten Klicks wird zum gemeinsamen Startpunkt, welcher cineastisch mit einem Helikopter angeflogen wird. Gespielt wird in der Ego-Ansicht. Auf einer Karte wird das Missionsziel markiert auf welches sich das Team direkt aufmachen kann. Dort angelangt kommt es früher oder später zum ersten Gefecht. Eine Mission ohne den Alarm auszulösen ist leider kaum möglich. Gefallene Mitspieler können zum Glück wiederbelebt werden. Im Kampf stehen dem Trupp lediglich moderne Schusswaffen sowie Granaten zur Verfügung. Diese können im Menü unter "Anpassen" ausgewählt werden. Darunter lassen sich neben Waffen und Fähigkeiten auch das Aussehen des Charakters und sogar die Tarnung der einzelnen Waffen auswählen. Die gewählten Einstellungen lassen sich auf mehreren Speicherplätzen inklusive Umbenennung sichern. Vorsicht ist beim Töten des Predator geboten, da nach einem Take-down eine Zeitbombe gezündet wird, die nur durch ein Mini-Spiel gestoppt werden kann. Drückt die Taste im richtigen Moment sobald dasselbe Symbol erscheint. Gelingt es euch nicht, explodiert die Bombe und die Mission gilt als gescheitert. Die Kommunikation über Headset ist eine wichtige Hilfestellung.

Kleiner Tipp: Passt auf, denn solltet ihr Blut verlieren, könnte dies tödliche Spuren hinterlassen!

Aus der Sicht des Predators sieht das Ganze komplett anders aus:
Den coolen, düsteren Alien steuert ihr aus der Third-Person Ansicht, wodurch sich der Überblick spürbar durch den Weitwinkelblick erweitert. Außerdem kann der Predator auf verschiedene Angriffstechniken und Fähigkeiten zurückgreifen, die den Soldaten vorenthalten werden. Diese sind dafür ja deutlich in der Überzahl. Eine besondere Fähigkeit ist das Klettern auf Bäumen. So können die Soldaten von oben herab angegriffen werden. Rote Markierungen zeigen die möglichen Routen, die gewählt werden können. Die Bewegungsfreiheit wird dadurch in gewisser Weise eingeschränkt, dafür kommt es zu keinem ungewollten Absturz. Mit einem Druck auf die R1-Taste kann ein Landungsbereich gewählt werden. Durch das gedrückt halten der R2-Taste während eines Sprunges wird beim Aufprall zusätzlich ein Impuls ausgelöst, der die Gegner für kurze Zeit in eine Schockstarre versetzt. Ein weiteres cooles Feature des Aliens ist die Möglichkeit sich per Dreieck-Taste beinahe unsichtbar zu machen und die Gegner durch ein Wärmebild erkennbar zu machen. Die aus den Filmen bekannten Waffen, wie Handgelenksklingen, Plasmawaffen oder der Yautja-Bogen sind ebenfalls mit von der Partie.

Screenshot von Predator: Hunting Grounds

Gameplay & Steuerung

Das Gameplay ist innovativ und bietet viele Möglichkeiten. So gibt es unterschiedliche Klassen von Soldaten wie auch von Predators. Jeder Charakter, der zur Auswahl steht, verfügt über unterschiedliche Fähigkeiten und Waffen. Durch Erfahrungspunkte können neue Ausrüstungsgegenstände freigeschalten werden. Auch das Sammeln von Gegenständen, die meist unübersehbar auf diversen Tischen und Laborräumen zu finden sind, bringen wertvolle Punkte ein. Mit den gesammelten Punkten können im Hauptmenü unter "Waffenkoffer" Kisten mit 3 zufälligen Items freigeschalten werden. Das Gameplay bietet auch ein Levelsystem welches euch auch neue Fähigkeiten freischaltet. "OWLF-Trainiert" wird beispielsweise erst ab Level 46 freigeschaltet. Sobald ihr die Verbesserung ausgewählt habt, erleidet ihr weniger Schaden durch den Predator.

Soldatenklassen:
> Assoult - Ein Allrounder mit einem Sturmgewehr, (Anfänger empfehlenswert!)
> Scout - Der Fokus der Klasse liegt auf die Aufklärung
> Sharpshooter - Scharfschütze für weit entfernte Ziele
> CQB - Ausgerüstet mit einer Schrotflinte für den unmittelbaren Nahkampf

Predatorklassen:
> Scout - schnell, leicht und ein Geschick für den Nahkampf
> Hunter - ausgewogener Krieger (für Anfänger empfehlenswert!)
> Berserker - Krieger mit höherer Gesundheit und mehr Kraft im Nahkampf. Ausdauer und Sprungkraft sind reduziert.

Die Steuerung geht sehr direkt und einfach von der Hand. Sowohl am Boden, wie auch auf den Baumkronen lässt sich der jeweilige Charakter sehr präzise steuern. Auch die Tastenbelegung ist logisch aufgebaut und erfordert keine lange Eingewöhnungszeit. Etwas mehr Geduld benötigt der Spieler höchstens mit der Navigation des Predators, da das Alien höhere Ebenen erklimmen kann und mit seinen Spezialfähigkeiten mehr in der Angriffstaktik zu bieten hat. Für Anfänger bietet das Spiel im Menü ein Tutorial, das neben dem Lerneffekt euch nach Abschluss auch eine verdiente Trophäe freischaltet.

Screenshot von Predator: Hunting Grounds

Grafik & Sound

Das dicht verwachsene Dschungelgebiet mit seinen vielen Facetten, die von Dörfern der Ureinwohner bis hin zu Ruinen reichen, zeigt sich von seiner schönsten Seite. Es stehen nur 3 verschiedene Karten zur Verfügung: Dickicht, Kaff und Entgleist. Zugunsten der Fangemeinde haben die Entwickler das Setting des Spiels an dem ersten Predator-Film angelehnt. Schade sind nur die vielen technischen Mängel. Leider kam es immer wieder mal zu Rucklern und Aussetzern. Von einem flüssigen Gameplay ist man hier auch noch etwas weiter entfernt. Stichwort niedrige Framerate. Wohl gemerkt können gerade solche Bugs und Fehler noch sehr gut per Updates behoben werden. Die Bewegungen und vor allem die Animationen des Aliens sehen im Übrigen äußerst fantastisch aus.

Meist bleibt die Musik stark im Hintergrund und besonders im ruhigen Stealth-Modus kann der Spieler höchstens das Geräusch des wilden Tierreichs wahrnehmen. Doch dieser Effekt macht genau die Spannung aus. Von einer Sekunde auf die Andere kann sich die Stille schnell in ein hitziges Feuergefecht mit einer großen Portion Action verwandeln. Spätestens dann setzen die bombastischen Orchesterklänge ein und laden euch beinahe ins originale Filmgeschehen ein. Soundeffekte und die passenden Soundtracks verdienen einen Orden.

Screenshot von Predator: Hunting Grounds

Fazit

Hier hat der Spieler es eher mit einem durchschnittlichen Action-Game im Predator Setting zu tun. Einerseits ist der Koop-Aspekt gut gelungen und andererseits beinhaltet der Titel jede Menge Bugs und kann kaum mit einem Wiederspielwert punkten. Die Grafik ist beeindruckend und pusht den Spielspaß enorm, welcher aber leider durch vereinzelte Ruckler und Aussetzer getrübt wird. Soundeffekte und der Soundtrack passen wie die Plasmawaffen zum Predator-Setting wunderbar dazu. Einzelspieler werden keine Freude finden, doch Mehrspieler-Fans kommen voll auf ihre Kosten. Ein Filmzitat besagt: "Du bist so... abgrundtief hässlich!" Doch Predator: Ground Hunting ist auf seine Art und Weise eine Videospiel-Perle. Hier hat es der Spieler es mit einer zweischneidigen Handgelenksklinge zu tun.

Pro

  • klasse Gameplay und Steuerung
  • Dschungel-Atmosphäre ist beeindruckend
  • flüssige Animationen der Charaktere (vor allem beim Predator)
  • verschieden Klassen mit ihren Fähigkeiten
  • passender Soundtrack
  • stimmige Geräuschkulisse
  • Zusammenspiel im Trupp funktioniert

Contra

  • Bugs, Fehler und das langsame Matchmaking trüben das Gesamtbild
  • Grafik mit unstabiler Framerate
  • Gegner-KI ist mangelhaft
  • keine weiteren Spielmodi
  • nur für Multiplayer-Fans
  • Wiederspielwert gering
  • nur 3 Karten stehen zur Verfügung

Wertung

Testergebnis: 70%

7.0 Gut

Kaufempfehlung

30% Kaufempfehlung

30%Nicht für Jeden geeignet

Getestet wurde Predator: Hunting Grounds auf PS4 von Andreas Erber. Das Spiel lag uns zum Zeitpunkt von unserem Test in Version 1.05 vor. Das Test Exemplar / der Review Code für Predator: Hunting Grounds wurde uns von Sony Interactive Entertainment Europe kostenlos zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!