Wolfenstein: Youngblood Review

16.08.2019 » Andreas Erber

Wolfenstein: Youngblood

Paris, 1980

Youngblood ist ein Spin-Off der beliebten Wolfenstein Serie, welches zum ersten Mal im Duo durchgespielt werden kann und gleichzeitig eine offene Welt bietet. Wartet mal!? Wolfenstein war doch immer ein Ego-Shooter für Einzelgänger und für lineare Schlauchlevel bekannt. Wolfenstein Youngblood dreht den Spieß nun komplett um und präsentiert uns eine ganz neue Spielerfahrung im Zweiten Weltkriegsszenario. Genauer gesagt laden uns die Entwickler von Machine Games nach Paris ein. Doch werdet ihr alles andere als l'amour anfinden, denn 1980 besetzte die deutsche Armee die ganze Stadt und sorgte für Unruhen und Unterdrückung.

Der Kriegsheld B.J. Blazkowicz verschwindet zu Beginn des Spiels spurlos. Seine Töchter Jessica (kurz Jess) und Sophia (kurz Soph) Blazkowicz begeben sich in der Stadt der Liebe auf die Suche nach ihrem vermissten Vater. Nachdem Jessica, Sophia und Abby (Graces Tochter) über den Aufenthaltsort von B.J. erfuhren, indem sie Anya Oliwa und Grace Walker belauscht hatten, stehlen sie nach einem Geistesblitz einen Hubschrauber und fliegen zum globalen Widerstand, der sich in den Pariser Katakomben versteckt hält. Dort angekommen sollen sie General Winkler ermorden sobald er mit seinem Zeppelin über Paris schwebt. Nachdem sie den General erfolgreich ermordet haben, fallen die beiden Zwillingsschwestern aus dem völlig zerstörten Zeppelin herab und müssen den Weg zurück zu den Katakomben finden. In den Katakomben müssen sie 3 Computer aktivieren und hacken. Diese Computer zeigen schließlich den Standort von Labor X und den Standort ihres Vaters William Blazkowicz an. Kurz nach dem Hacken des letzten Computers entdeckt Abby das Auftreten eines Nazi-Generals und stellt fest, dass zwei der Widerstandsmitglieder doch tatsächlich Nazis sind: Lothar und Julie Brandt. Ein Kampf um Leben und Tod beginnt. Könnt ihr im Doppelpack ihren Vater erfolgreich retten und das böse Regime zurückdrängen?

Wolfenstein: Youngblood

Pro

  • authentische Zwillingstöchter als Hauptfiguren
  • Wahl zwischen Stealth und Action
  • große Areale mit viel coolen Licht- und Staubpartikeln
  • gelungene Zwischensequenzen
  • jede Menge freischaltbare Fähigkeiten und Waffenupgrades
  • erheblicher Umfang des Spiels

Contra

  • etwas zu viele Sammelobjekte, welche manuell aufgehoben werden müssen
  • Schleichversuche werden meist zu oft zerstört
  • Gegner KI lässt sich teilweise zu leicht austricksen
  • Gegner Respawns tauchen ab und zu plötzlich ganz unerwartet auf
  • kein HDR
  • deutsche Sprachausgabe fällt etwas zu leise und dünn aus (Anpassungen in den Optionen möglich!)

Flucht aus Paris

Sobald ihr das Spiel startet könnt ihr zwischen dem Einzelspielermodus und der Ko-op Erfahrung wählen. Ich hatte mich direkt für die Ko-op Variante entschieden, da dieses Spiel hauptsächlich auf das Zusammenspiel ausgelegt ist. Außerdem ist der Kampf mit einem Onlinespieler schlichtweg viel effektiver. Startet ein schnelles Spiel, tretet einem ausgewählten Spiel eurer Freunde bei oder hostet ganz einfach selber ein Spiel.
Doch bevor es richtig los geht, könnt ihr euch entscheiden mit welchen der beiden Zwillingstöchter ihr in den Kampf ziehen möchtet. Im Singleplayer wird die andere Tochter automatisch von der KI übernommen, was übrigens überraschend gut funktioniert. Die beiden Protagonistinnen unterscheiden sich lediglich in optischer Hinsicht, da sie mit denselben Fähigkeiten verbessert werden können. Im Einzelspielermodus steigen jeweils beide Figuren gleichzeitig im Level auf. Sofern ihr euch für Jess oder Soph entschieden habt, könnt ihr weitere Optionen einstellen die ziemlich ins Detail gehen. So sind Anzug, Kopfbedeckung, Standart- & Nahkampfwaffe, Angriffsfähigkeit und eine spezielle Geste wählbar. Letzteres bietet einen einfachen, wenn aber auch sehr coolen Ko-op Effekt. Je nach Auswahl zwischen Gesundheits- und Rüstungs-Geste könnt ihr mit einem Druck auf die Steuerkreuztaste nach oben eurem Partner einen Energieschub oder ein Schutzschild senden. Für eine erneute Unterstützung dieser Art muss sich der Energiekreis wieder vollständig aufladen. Mit der Zeit lassen sich weitere Gesten mit gesammelten Münzen freischalten, die sich kreuz und quer über alle Level-Karten verteilt finden lassen.

Ein weiteres Ko-op Feature ist das gemeinsame öffnen von Türen mit versteckten Zahlencodes, das Rammen von diversen Objekten oder auch das Durchqueren von all möglichen Hindernissen. Selbst spezielle Lebensenergie-Kisten müssen gleichzeitig mit eurem Partner geöffnet werden. Darin verstecken sich sogenannte „Geteilte Leben“. Ihr teilt euch damit mit eurer Ko-op Schwester ein Leben. Diese Leben werden durch kleine, weiße Herzen im HUD dargestellt. Wenn einer von den beiden Spielern verblutet ist eines dieser gemeinsamen Leben aufgebraucht. Falls alle Leben aufgebraucht sind und einer der beiden verblutet, wird das Level neu geladen. Ihr solltet also das Beste geben und eure Schwester vor dem Verbluten bewahren. Auch wenn ihr ständig sowohl on- als auch offline mit eurem Spielpartner unterwegs seid, heißt dies nicht unbedingt, dass ihr euch so einfach auf die Schnelle durchkämpfen könnt. Die Standartsoldaten sind noch relativ einfach zu knacken, die verstärkten Spezial-Soldaten und Endbosse jedoch sind wahrlich eine harte Nuss. Falls ein Weiterkommen als fast unmöglich erscheint und nicht einmal der Schwierigkeitsgrad "Leicht" eine Lösung darstellt, hilft nur noch eines: Upgrades!

Wolfenstein: Youngblood

Gameplay & Steuerung

Kurz zu den Schwierigkeitsgraden: Es gibt zwischen Leicht für Einsteiger und Herausfordernd für unerschrockene Spieler äußerst viele Schwierigkeitsstufen. Spieler die hin und wieder mal einen Ego-Shooter gespielt haben sollten sich auf jeden Fall mit dem Schwierigkeitsgrad "Normal" anfreunden können. Doch Vorsicht! Selbst auf Normal können Gegnerwellen zur beinharten Herausforderung werden, da die Gegnerhorden mit euch bis zu einem gewissem Grad mit-leveln. Doch nun zurück zu den Upgrades, die euch im Kampf einen hilfreichen Dienst erweisen können. Im Pausenmenü verstecken sich die coolen Upgrades, welche für Charakter und Waffen separat ausgewählt werden können. Unter Charakter sind die Fähigkeiten in Verstand, Kraft und Macht aufgegliedert. So kann der Spieler unter Verstand die maximale Gesundheit sowie das Auffinden der Munitionsmenge verbessern. Im Reiter Kraft hingegen ist die Fähigkeit schwere Waffen führen zu können auswählbar. Die weiteren Fähigkeiten und Ausbaustufen erscheinen uns mehr als zahlreich. Jedoch erhaltet ihr im Kampf ziemlich schnell die dafür benötigten Punkte.

Zu den Waffen! Bei den Waffenupgrades gibt es beispielsweise ein verbessertes Magazin in Form eines Trommel-Magazins mit mehr Tempo und Kapazität.
Im Gunplay hat sich im Vergleich der Vorgänger recht wenig geändert. Praktisch ist, dass Munition und Rüstungsteile beim Darüberlaufen von getöteten Gegnern automatisch aufgesammelt werden. Das macht das Gameplay wesentlich schneller. Hingegen nicht automatisch aufgesammelt werden Sammelobjekte wie völlig coole Videokassetten, Disketten oder 3D-Brillen. Das kann mit der Zeit nervig werden, da es fast an jeder Ecke Sammelobjekte zu finden gibt.

Durch Areale zu schleichen klappt leider nicht immer so, wie man es mit seinem Partner geplant hätte. Nach einem kurzen Fehltritt oder Aussetzer der Gegner-KI wird schnell der Alarm ausgelöst und das restliche Level wird unausweichlich auf die laute Tour fortgesetzt. Ärgerlich ist, dass auch die Ko-op KI im Offlinemodus nur zu gern den Alarm auslöst. Wolfenstein setzt sein Hauptaugenmerk eben aufs Ballern. Das Spiel bietet ein üppiges Angebot an Haupt- und Nebenmission.

Die Steuerung funktioniert im Allgemeinen tadellos und ein kleines Highlight ist der eingebaute Doppelsprung, der uns auf höhergelegene Ebenen springen lässt. Diese Feature kennen viele aus dem DLC „Die Tagebücher der Agentin stiller Tod“ des Vorgängers, Wolfenstein 2: The New Colossus. Praktisch ist auch die Taschenlampe per Steuerkreuz, die uns in den dunklen Bereichen des Spiels stets den Weg leuchtet.

Wolfenstein: Youngblood

Grafik & Sound

Mit den Straßen von Paris, den unterirdischen Kanälen und den gewaltigen Wachtürmen bietet Wolfenstein Youngblood viel Abwechslung im Level-Design. Feinste Licht- und Staubpartikel, die vielen detailreichen Räumlichkeiten sowie die bombastische Atmosphäre im Weltkriegs-Look laden zum Stauen ein. Wie auch bereits in den Vorgängern der Wolfenstein-Serie bietet Youngblood eine dichte Kulisse, die auch mal zum "Bummeln" und genauer hinsehen einlädt. Dabei stößt man nicht selten auf lustige Plakate und Werbeflächen.

Die Zwischensequenzen sind übrigens visuell sehr hochwertig und können beim erneuten Durchspiel übersprungen werden. Auf HDR haben die Entwickler vollkommen verzichtet, doch vermisst hatte ich den „Bild-Verbesserer“ beim Anspielen zu keiner Sekunde. Das Bild war ausreichend dynamisch und knackig. Ein nachträgliches Update auf HDR ist nicht auszuschließen und hängt sicher von den Verkaufszahlen ab.

Apropos knackig! In Sachen Sound sind vor allem die Soundeffekte im Kampf das Ass im Ärmel. Der Soundtrack hingegen kommt irgendwie nie so richtig zum Höhepunkt. Die deutsche Synchronisation fällt leider etwas dünn und leise aus. In den Sound-Optionen lässt sich die Lautstärke jedoch justieren. Luft nach oben gibt es genug, denn seltsamerweise ist die Sprachlautstärke standardmäßig auf nur 50% eingestellt. Positiv hervorzuheben ist das Lautstärkenprofil. Dahinter verbirgt sich neben einem Übersplitterprofil mit viel Krach und Krawall auch ein Nachtmodus, damit eure Kinder in Ruhe Schlafen können. Die Entwickler haben bei den Einstellungen echt an alles gedacht und decken das ganze Spektrum an Optionen ab.

Wolfenstein: Youngblood

Fazit

Wolfenstein Youngblood bietet ein enorm gutes Preis-/Leistungsverhältnis! Ego-Shooter Fans mit dem Hang zum kooperativem Gameplay kommen hier voll auf ihre Kosten. Ganz egal ob online oder im Alleingang, der Shooter macht einfach Spaß, bietet erstmals im Duett eine offene Welt im Wolfenstein-Universum und enthält jede Menge Einstellungsmöglichkeiten. Dazu kommen auch noch die unzähligen Fähigkeiten, Waffenupgrades und auffindbaren Objekten. Mit Sicherheit ist Youngblood nicht in allen Bereichen perfekt, doch über die kleinen Schnitzer in Sachen Schleichversuche, plötzlich auftauchende Gegner oder dem Fehlen eines HDR-Modus kann der Spieler recht schnell hinwegsehen. Nicht nur für Wolfenstein-Fans, sondern auch für Shooter-Einsteiger ist der Titel durchaus zu empfehlen.

Getestet wurde Wolfenstein: Youngblood auf PS4 von Andreas Erber. Das Spiel lag uns zum Testzeitpunkt in Version 1.03 vor.

Das Test-Exemplar / der Review-Code für Wolfenstein: Youngblood wurde uns von Bethesda Softworks kostenlos zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!