REANIMAL · Test
Veröffentlicht am 15.06.2026 von Andreas Erber
Von den Machern von Little Nightmares
Mit Reanimal kehrt das schwedische Entwicklerstudio Tarsier Studios zu jenem düsteren Horrorstil zurück, der bereits die ersten Little Nightmares-Spiele zu modernen Genre-Klassikern gemacht hat. Nachdem die Rechte an Little Nightmares bei einem anderen Publisher verblieben, entschied sich das Team für einen Neuanfang. Das Ergebnis ist ein spiritueller Nachfolger, der vertraute Elemente aufgreift, diese jedoch konsequent weiterentwickelt und deutlich erwachsener sowie kompromissloser gestaltet. Auf der PlayStation 5 erwartet Spieler:innen ein atmosphärisches Horror-Abenteuer, das zwischen Puzzle-Plattformer, Stealth-Spiel und interaktivem Albtraum angesiedelt ist. Dabei setzt Reanimal weniger auf klassische Schockmomente und mehr auf ein permanentes Gefühl von Bedrohung, Verzweiflung und Unbehagen. Die Frage lautet daher nicht, ob das Spiel gruselig ist, sondern ob es Tarsier gelingt, die hohen Erwartungen zu erfüllen, die Fans seit Jahren an das Studio stellen.
Tarsier Studios wurde 2004 in Schweden gegründet und machte sich zunächst mit kleineren Projekten einen Namen. Den internationalen Durchbruch erreichte das Team jedoch mit dem ersten Little Nightmares, das sich dank seines einzigartigen Artdesigns und seiner verstörenden Bildsprache schnell eine große Fangemeinde aufbaute.
Themen wie Krieg und Verlust werden hier einem Nahe gebracht
Die Geschichte begleitet ein Geschwisterpaar, das versucht, seine verschwundenen Freunde zu retten und gleichzeitig einer von Monstern überrannten Insel zu entkommen. Bereits nach wenigen Minuten wird klar, dass diese Welt längst verloren scheint. Die Handlung wird überwiegend über Umgebungen und kurze Zwischensequenzen erzählt. Klassische Dialoge gibt es nur selten. Stattdessen entdecken Spieler:innen nach und nach die grausame Vergangenheit der Insel und die Schrecken, die ihre Bewohner hervorgebracht haben. Verfallene Städte, zerstörte Waisenhäuser, militärische Anlagen und düstere Wälder erzählen ihre eigenen Geschichten.
Besonders beeindruckend ist die emotionale Beziehung zwischen den beiden Hauptfiguren. Obwohl kaum gesprochen wird, entsteht eine glaubwürdige Bindung. Kleine Animationen, Gesten und Reaktionen vermitteln das Gefühl, dass die Geschwister tatsächlich voneinander abhängig sind. Gerade in gefährlichen Situationen sorgt dies für zusätzliche Spannung. Der Geschichte fehlt es allerdings an Klarheit. Viele Fragen bleiben im Verlaufe des Spiels unbeantwortet, womit nicht alle Spieler:innen sich damit anfreunden können. Dennoch entwickelt die Handlung eine starke emotionale Wucht und behandelt Themen wie Krieg, Verlust, Trauma und die Unschuld von Kindern in einer brutalen Welt.
Gameplay & Steuerung
Spielerisch bleiben sich die Entwickler:innen weitgehend treu. Im Mittelpunkt stehen Erkundung, Rätsel, Verfolgungsjagden und Schleichpassagen. Neu ist jedoch die stärkere Ausrichtung auf eine kooperative Spielerfahrung. Die gesamte Kampagne kann nämlich sowohl allein, als auch gemeinsam mit einer zweiten Person gespielt werden.
Die grundlegende Steuerung geht sehr gut über die Hand. Klettern, Ziehen, Schieben, Schleichen und Interagieren funktionieren weitgehend problemlos. Auf der PS5 profitiert das Spiel zusätzlich von einer präzisen Steuerung und kurzen Ladezeiten. Besonders cool sind die zahlreichen Verfolgungssequenzen. Immer wieder müssen Spieler:innen vor grotesken, unheimlichen Kreaturen fliehen, die direkt aus den schlimmsten Albträumen entsprungen zu sein scheinen. Diese Momente erzeugen einen enormen Adrenalinschub und gehören zu den absoluten Highlights des Spiels. Die Rätsel fallen dagegen eher einfach aus. Meist geht es darum, Objekte zu bewegen, Schalter zu aktivieren oder gemeinsam Hindernisse zu überwinden. Auch die Kampfmechaniken bleiben bewusst solide. Wenn es überhaupt zu direkten Konfrontationen kommt, stehen eher Flucht und Improvisation im Vordergrund, als klassische Action.
Mit einer Spielzeit von etwa 5 bis 7 Stunden fällt das Abenteuer relativ kurz aus. Dafür bleibt das Tempo hoch und Leerlauf entsteht praktisch nie.
Grafik & Sound
Grafisch gehört der Titel zweifellos zu den beeindruckendsten, alternativen Horror-Spielen der letzten Jahre. Tarsier erschafft eine Welt, die gleichzeitig wunderschön und abstoßend wirkt. Die Schauplätze sind voller Details und vermitteln ständig das Gefühl, dass hinter jeder Ecke eine neue Gefahr lauert. Riesige Kreaturen, deformierte Tiere und ungewöhnliche Umgebungen sorgen dafür, dass man nie genau weiß, welches Grauen als Nächstes wartet. Auch die geniale Kameraführung verdient großes Lob. Während viele Horror-Spiele auf klassische Perspektiven setzen, arbeitet Reanimal mit dynamischen Kamerawinkeln, die häufig an Spielfilme erinnern. Dadurch entstehen beeindruckende Bilder, die sich lange ins Gedächtnis einbrennen. Übrigens läuft die PS5-Version in technischer Hinsicht sehr stabil.
Mindestens ebenso wichtig ist jedoch der Sound. Dieser ist absolute Spitzenklasse. Knarzende Metallkonstruktionen, entfernte Schreie, unheimliche Tierlaute und der perfekt passende Soundtrack erschaffen eine bedrückende Klangkulisse, die ständig für Spannung und Nervosität sorgt.
Fazit
Reanimal ist genau das Spiel geworden, das sich viele Fans von Tarsier Studios erhofft haben. Es fühlt sich an wie die natürliche Evolution von Little Nightmares, nur eben noch größer, düsterer und brutaler. Die Atmosphäre ist herausragend, die Monsterdesigns gehören zu den verstörendsten der letzten Jahre und die audiovisuelle Präsentation setzt Maßstäbe innerhalb des Genres. Gleichzeitig zeigt sich aber auch, dass Gameplay und Rätsel nicht immer mit der kreativen Qualität der Inszenierung mithalten können. Wer komplexe Denkaufgaben oder tiefgehende Spielmechaniken erwartet, könnte in Reanimal etwas enttäuscht werden. Das Game bleibt von der ersten bis zur letzten Minute faszinierend. Die Reise durch diese albtraumhafte Welt hinterlässt einen bleibenden Eindruck und beweist eindrucksvoll, dass das Studio auch ohne Little Nightmares weiterhin zu den besten Horror-Entwicklern der Branche gehört. Für Fans von atmosphärischem Horror und surrealen Welten ist Reanimal jedenfalls eine klare Empfehlung.
Pro
- unglaublich dichte Horror-Atmosphäre
- fantastische Kulissen und geniales Monsterdesign
- hervorragendes Sounddesign
- emotionale Story mit viel Tiefgang
- spannende Verfolgungssequenzen
Contra
- Rätsel sind meist recht einfach zu lösen
- Kampfsystem bleibt sehr oberflächlich
- relativ kurze Spielzeit (5-7 Stunden)
- gelegentlich gibt es Kameraprobleme
Wertung
8.5Sehr gut
Kaufempfehlung
100%Absoluter Pflichtkauf
Getestet wurde REANIMAL auf PS5 von Andreas Erber. Das Spiel lag uns zum Zeitpunkt von unserem Test in Version1.000.008 vor. Das Test Exemplar / der Review Code für REANIMAL wurde uns von THQ Nordic kostenlos zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!














































