The 7th Guest Remake · Test
Veröffentlicht am 06.06.2026 von Andreas Erber
Auch ohne VR ein wahre Videospielperle!
Es gibt Spiele, die eine ganze Generation geprägt haben. The 7th Guest gehört zweifellos dazu. Als das Original 1993 erschien, galt es als technisches Wunderwerk und war eines der Aushängeschilder für das damals noch neue CD-ROM-Format. Mit seinen vorgerenderten 3D-Umgebungen, den damals spektakulären FMV-Sequenzen und seiner düsteren Horroratmosphäre sorgte das Abenteuer rund um das geheimnisvolle Herrenhaus von Henry Stauf für Begeisterung und Albträume zugleich. Über drei Jahrzehnte später kehrt der Klassiker nun als The 7th Guest Remake auf die PlayStation 5 zurück. Dabei handelt es sich nicht einfach um eine grafisch aufpolierte Neuauflage, sondern um eine vollständige Neuentwicklung, die ursprünglich als VR-Erlebnis entstand und nun auch auf herkömmlichen Bildschirmen spielbar ist.
Die große Frage, die sich sicher viele von euch stellen werden, lautet daher wie folgt. Kann ein Spielkonzept aus den frühen Neunzigern auch im Jahr 2026 noch begeistern?
Die Antwort fällt erfreulich positiv aus. Zwar richtet sich das Abenteuer in erster Linie an Fans von Rätseln und atmosphärischen Mystery-Geschichten, doch gerade diese Zielgruppe erhält hier eines der stimmungsvollsten Puzzle-Abenteuer der letzten Jahre.
Für das Remake zeichnet das französische Studio Exkee verantwortlich, während Vertigo Games als Publisher fungiert. Viele Spieler:innen kennen Vertigo Games vor allem durch seine umfangreiche Erfahrung im VR-Bereich. Das Studio entwickelte unter anderem die erfolgreiche Horror-Shooter-Reihe Arizona Sunshine und etablierte sich als einer der wichtigsten VR-Spezialisten der Branche. Die ursprüngliche VR-Version von The 7th Guest erschien bereits 2023 und wurde von vielen Kritiker:innen für ihre Atmosphäre, die modernen Rätsel und die gelungene Neuinterpretation des Klassikers gelobt. Die aktuelle PS5-Version übernimmt praktisch das komplette Fundament dieser VR-Fassung und passt Steuerung, Benutzeroberfläche und Kameraführung für klassische Bildschirme an. Perfekt für alle, die aktuell keine VR-Brille (PS VR2) besitzen.
Nur keine Hast, aber wer ist der siebte Gast?
Die Handlung bleibt dem Geist des Originals treu. Im Mittelpunkt steht das düstere Anwesen des exzentrischen Spielzeugmachers Henry Stauf. Sechs Gäste wurden in sein geheimnisvolles Herrenhaus eingeladen. Doch schon bald wird deutlich, dass hinter dieser Zusammenkunft weitaus mehr steckt als ein gewöhnlicher Besuch. Während ihr Raum für Raum erkundet, begegnet ihr geisterhaften Erscheinungen der einstigen Gäste. Nach und nach enthüllen sich deren Schicksale, persönliche Tragödien und die dunklen Machenschaften des rätselhaften Hausherrn. Immer wieder stellt sich die zentrale Frage: Wer ist der siebte Gast und welches geheimnisvolle Spiel verfolgt Henry Stauf?
Die Geschichte setzt weniger auf Schockmomente als auf eine konstant unheimliche Grundstimmung. Das Remake erzählt seine Handlung deutlich moderner als das Original und nutzt beeindruckende Videosequenzen. Die Figuren erscheinen dadurch nicht mehr als flache FMV-Einblendungen, sondern wirken wie echte Geister, die sich dreidimensional durch die Räume bewegen. Das erzeugt eine faszinierende Mischung aus Nostalgie und moderner Technik. Besonders gelungen ist dabei das langsame Tempo der Erzählung. Das Spiel nimmt sich Zeit, seine Geheimnisse zu entfalten. Wer Geduld mitbringt und jede Ecke des Anwesens untersucht, wird mit zahlreichen kleinen Details und spannenden Hintergrundinformationen belohnt.
Gameplay & Steuerung
Das Herzstück des Remakes sind natürlich die Rätsel. Anders als moderne Horrorspiele verzichtet das Abenteuer weitgehend auf Kämpfe oder purer Action. Stattdessen steht das Erkunden des Hauses und das Lösen unterschiedlichster Denkaufgaben im Mittelpunkt. Die Rätsel bieten erfreulich viel Abwechslung. Logikaufgaben, Mustererkennung, mechanische Puzzles und kombinatorische Herausforderungen wechseln sich ständig ab. Viele Aufgaben wurden gegenüber dem Original grundlegend überarbeitet oder komplett neu gestaltet. Dadurch fühlen sich selbst Verteranen des Klassikers nicht immer im Vorteil. Besonders angenehm ist die moderne Hilfefunktion. Wer einmal feststeckt, erhält nach und nach Hinweise, ohne dass die Lösung direkt verraten wird. Dadurch bleibt die Motivation erhalten und Frust wird weitgehend vermieden. Auf der PlayStation 5 funktioniert die Steuerung ausgezeichnet. Die Bewegung durch das Anwesen erfolgt präzise und intuitiv. Interaktive Objekte lassen sich problemlos untersuchen, einsammeln oder aktivieren. Man merkt zwar gelegentlich, dass das Spiel ursprünglich für VR entwickelt wurde, doch die Anpassungen für klassische Controller sind insgesamt sehr gelungen. Wir empfeheln euch die Empfindlichkeit der Fortbewegung um die Hälfte zu erhöhen, dadurch bewegt man sich agiler durch die Räume des Hauses.
Das allgemeine Tempo bleibt hingegen bewusst ruhig. Spieler:innen, die auf permanente Action hoffen, werden hier vermutlich nicht glücklich. Wer jedoch gerne knobelt und Rätsel Schritt für Schritt entschlüsselt, findet hier genau die richtige Mischung aus Herausforderung und Entspannung. Die Spielzeit liegt je nach Rätselgeschick zwischen 8 und 12 Stunden. Wer alle Geheimnisse entdecken möchte, kann sogar noch etwas länger beschäftigt sein.
Grafik & Sound
Atmosphäre ist die größte Stärke von The 7th Guest Remake. Schon beim ersten Betreten des Herrenhauses entsteht dieses typische Gefühl, einen verbotenen Ort zu erkunden. Die Räume sind voller kleiner Details, versteckter Hinweise und liebevoll gestalteter Dekorationen. Die Beleuchtung spielt dabei eine entscheidende Rolle. Flackernde Kerzen, lange Schatten und dezente Lichteffekte sorgen für eine ständig angespannte Stimmung. Das Haus wirkt glaubwürdig alt, verlassen und gleichzeitig irgendwie lebendig. Das eigentliche Highlight sind jedoch die volumetrischen Darstellungen der Geisterfiguren. Diese moderne Technik verleiht den Charakteren eine Präsenz, die deutlich über klassische Videosequenzen hinausgeht. Die Erscheinungen wirken gespenstisch, fremdartig und dennoch erstaunlich realistisch. Das wurde echt cool umgesetzt.
Auch akustisch überzeugt das Spiel. Die Musik bleibt meist dezent im Hintergrund und setzt gezielt Akzente. Knarrende Dielen, entfernte Stimmen, plötzlich zuschlagende Türen oder geheimnisvolle Geräusche aus benachbarten Räumen erzeugen eine konstant beklemmende Atmosphäre. Die englische Sprachausgabe fällt recht ordentlich aus, eine Deutsche gibt es leider nicht. Dafür wurden die Untertitel sehr gut übersetzt und lesen sich sauber ab.
Fazit
The 7th Guest Remake schafft etwas, das vielen Neuauflagen klassischer Spiele nicht gelingt. Es respektiert die Vorlage, ohne sich strikt an sie zu klammern. Statt eines simplen Remasters erhalten Spieler:innen eine moderne Neuinterpretation, die den Geist des Originals bewahrt und gleichzeitig viele seiner Schwächen beseitigt. Die spannende Mystery-Geschichte, die hervorragend inszenierte Geisterdarstellung, die abwechslungsreichen Rätsel und die außergewöhnlich dichte Atmosphäre machen das Abenteuer zu einem echten Highlight für Fans von Rätselspielen. Dabei profitiert die PS5-Version enorm von der technischen Grundlage der VR-Fassung und bietet auch ohne Headset ein beeindruckendes Erlebnis. Zwar richtet sich das Spiel klar an ein spezielles Publikum und verzichtet nahezu vollständig auf Action, doch genau darin liegt seine Stärke. Wer gerne knobelt, Geheimnisse entschlüsselt und sich in düsteren Schauplätzen verliert, sollte diesem Remake unbedingt eine Chance geben.
Pro
- spannende Mystery-Geschichte
- atmosphärisches und detailreiches Herrenhaus
- hochwertige volumetrische Geisterdarstellungen
- abwechslungsreiche und clevere Rätsel
- gelungene Modernisierung des Klassikers
- sehr stimmiger Soundtrack und Soundeffekte
- sehr gute Hilfefunktionen gegen Frust, ohne dabei zu viel zu spoilern
- solide Spielzeit für ein Puzzle-Abenteuer
Contra
- kaum Action oder spielerische Abwechslung außerhalb der Rätsel
- einige Aufgaben können dennoch recht knackig ausfallen
- teilweise merkt man die VR-Herkunft
- sehr gemächliches Erzähltempo
Wertung
8.5Sehr gut
Kaufempfehlung
95%Absoluter Pflichtkauf
Getestet wurde The 7th Guest Remake auf PS5 von Andreas Erber. Das Spiel lag uns zum Zeitpunkt von unserem Test in Version1.006.000 vor. Das Test Exemplar / der Review Code für The 7th Guest Remake wurde uns von Plaion (Koch Media) kostenlos zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!















































