Review

The Medium

Veröffentlicht am 05.09.2021 von Tobias Creter

The Medium (PS5) Test / Review

Psychologischer Horror in zwei Welten

The Medium ist das neueste Spiel vom polnischen Entwickler Bloober Team, die zuletzt mit Layers of Fear 1 & 2, Observer und Blair Witch für schaurig schöne Horror-Spiele sorgten. Auch der aktuelle Titel geht wieder in diese Richtung. The Medium hatte am 28. Januar bereits einen durchaus sehr erfolgreichen Launch auf PC und Xbox Series. Jetzt folgt die Veröffentlichung für PlayStation 5 mit einigen Verbesserungen, die nur durch den DualSense Controller möglich sind.

The Medium (PS5) Test / Review

Alles beginnt mit einem toten Mädchen...

Die Handlung von The Medium ist im postkommunistischen Polen im Jahre 1999 angesiedelt. Die Hauptfigur Marianne ist ein spirituelles Medium und sie hilft Verstorbenen bzw. deren zurückgebliebenen Seelen dabei die letzte Reise anzutreten und endlich Frieden zu finden. Sie erzählt dabei einen Großteil der Geschichte selbst, wobei man erst sehr spät erfährt mit wem sie da redet. Sie träumt seit ihrer Kindheit immer wieder davon, dass ein junges Mädchen in einem düsteren Wald verfolgt wird und bis zu einem Steg fliehen kann, der sich als Sackgasse herausstellt und so dazu führt, dass sie von jemand erschossen wird.

Doch erstmal hat Marianne ein ganz anderes Problem, ihr Ziehvater ist gestorben und soll beerdigt werden. Während sie die Kravattennadel sucht, der er am Liebsten mochte, um ihn auf seine Beerdigung vorzubereiten erhält sie einen mysteriösen Anruf von einem Mann namens Thomas, der ihr Antworten verspricht. Also begibt sie sich, ihrem Instinkt folgend, ins Niwa Volksresort mitten in der polnischen Wildnis. Doch wo einst ein schöner Urlaubsort war, an dem fröhliche Kinder spielten, ist heute alles verlassen und zerfallen...

The Medium (PS5) Test / Review

Gameplay & Steuerung

Anfang spielt sich The Medium wie ein klassisches Horror Adventure. Man steuert Marianne (später auch noch eine weitere Person) und sucht die Umgebung nach Objekten oder Hinweisen ab mit denen man interagieren kann, löst kleine Puzzles und folgt den relativ linearen Wegen in den nächsten Abschnitt. Die Kamerawinkel werden dabei fest vorgegeben. Anders als beim zuvor getesteten Tormented Souls sind hier die Kamerapositionen sehr gut gewählt und springen auch maximal um ca. 90 Grad, wodurch man sich vergleichsweise viel besser orientieren kann. Interaktionsmöglichkeiten sind ab einer gewissen Entfernung gut erkennbar, so dass man nicht unnötig alles absuchen muss. Ab einem gewissen Punkt im Spiel kommt ein spezielles Gameplay-Element zu Einsatz, die ich so bisher nicht gesehen habe. Der Bildschirm teilt sich und zeigt so zusätzlich die Welt der Toten. Marianne existiert in beiden Parallelwelten und man steuert sie auf den beiden Bildschirmhälften gleichzeitig. Man hat nun unterschiedliche Aktionstasten, um gezielt entweder mit der menschlichen Marianne oder ihrer Geistform mit Objekten zu interagieren. Wenn in einer Welt ein Durchgang blockiert ist, dann kommt man auch im Splitscreen hier nicht weiter, weil Marianne sich ja immer in beiden Parallelwelten am selben Ort befinden muss. Doch es gibt eine Ausnahme, Marianne kann für kurze Zeit ihre menschliche Hülle komplett verlassen und sich dann frei in der Geisterwelt bewegen. Sehr schön ist hier der optische Effekt, dass sie sich immer mehr auflöst, je länger sie von ihrem Körper getrennt ist. Es bleibt also nur kurze Zeit, um ein Rätsel zu lösen, das den Weg auch für ihre menschliche Form frei zu machen. Die Rätsel sind dabei wirklich gut und erfordern ein gründliches Erkunden der Umgebung. Die spannende Geschichte wird in kleinen Zwischensequenzen oder durch das Finden von Objekten erzählt, denn Mariannes Fähigkeiten als Medium ermöglichen ihr eine Einsicht in die Vergangenheit der Gegenstände zu erlangen. Hin und wieder gibt es kurze Stealthabschnitte oder Fluchtsequenzen, die ich als etwas nerviges Trial & Error empfand. Aber da die automatischen Checkpoints sehr fair gesetzt werden, ist das nicht ganz so dramatisch.

Die Steuerung ist sehr simpel und funktioniert tadelos. Die Tastenbelegung ist sehr gut gelöst und man bekommt die benötigten Tasten auch immer angezeigt. Diese Hinweise sind aber auch deaktivierbar, was besonders für erfahrene Spieler oder den zweiten Durchlauf interessant sein kann, um die Immersion zu erhöhen. Die Features des DualSense werden in der PlayStation 5 Fassung sehr gut genutzt. Die Vibrationen wird gut und häufig genutzt, wodurch der Akku natürlich auch schneller leer ist. Durch die adaptiven Trigger verändert sich der Wiederstand beim Tastendruck. Rennen ist dadurch beispielsweise auch für den Spieler spürbar anstrengender als gehen. Auch die Controllersounds sind gut und tragen zur Immersion bei. In den Optionen kann man die Empfindlichkeit und weitere Eigenschaften sehr gezielt an die eigenen Bedürfnisse anpassen. Die Optionen sind generell sehr umfangreich und lassen eigentlich keine Wünsche zur Individualisierung offen.

The Medium (PS5) Test / Review

Grafik & Sound

Grafisch hinterlässt The Medium bei mir gemischte Gefühle. Die Umgebungen sind detailreich und qualitativ extrem hochwertig. Ich glaube ich bin noch nie zuvor in einem Spiel durch einen so realistisch wirkenden finsteren Wald gelaufen. Die Parallelwelt hat einen sehr eigenen Look vermittelt auch wirklich gut das Gefühl sich in einer Geisterwelt zu befinden. Die Zwischensequenzen sehen auch hochwertig aus und sind schön animiert. Was mir leider überhaupt nicht gefallen hat und ein wenig das sonst sehr gute Gesamtbild trübt ist die Animation der Spielfigur. Laufen und Rennen wirkt sehr hölzern und erinnert eher an die frühen Third Person Spiele der 90er als an einen exklusiven NextGen Titel. Der Look passt irgendwie nicht zum Rest und wirkt dadurch nicht wie aus einem Guss. Das ist sehr schade, denn abgesehen davon glänzt The Medium durch eine fast schon filmreife Darstellung und Kameraführung. Und auch die Hintergrundmusik sowie die Soundeffekte könnten auch aus einem Hollywood Blockbuster stammen. Hier kann ich mich nur der Empfehlung der Entwickler anschließen: Bitte spielt The Medium mit einem Headset. Die Sprachausgabe ist ebenfalls sehr hochwertig, wenn auch leider nur auf Englisch verfügbar. Optionale Untertitel gibt es aber auch in Deutsch und die Übersetzung ist durchweg gut gelungen. Es gibt drei Audio-Profile und man kann die Lautstärke von Musik, Effekten und Stimmen getrennt regeln.

The Medium (PS5) Test / Review

Pro

  • spannende Story mit guter Inszenierung
  • hollywoodreife Sounds und Kameraführung
  • sehr gute DualSense Unterstützung
  • unverbrauchtes Setting
  • knifflige Rätsel in zwei Welten

Contra

  • geringer Widerspielwert
  • Animationen wirken teilweise veraltet
  • für PS5 zu lange Ladezeiten
  • etwas nervige Trial & Error Abschnitte

Fazit

Die Entwickler vom polnischen Bloober Team haben ja in den letzten Jahren schon oft bewiesen, dass ihnen das Horror Genre liegt. Auch das neueste Werk bildet da keine Ausnahme. The Medium ist ein filmreif inszeniertes und sehr atmospärisches Horror-Erlebnis mit einer spannenden Story. Dass hier als Setting das in der Gamingwelt noch unverbrauchte Polen – also die Heimat der Entwickler – zum Einsatz kommt hat mir gut gefallen. Grafisch glänzt das Spiel durch wunderschöne Umgebungen mit vielen Details und dem perfekt umgesetzten Single-Player Splitscreen Feature. Die Animationen insbesondere beim Bewegen wirken hingegen oft hölzern und etwas altbacken. Schade, dass hier scheinbar nicht genau so viel Liebe und Aufwand reingeflossen ist, wie in den Rest des Spiels. Doch das trübt das davon abgesehen extrem gute Gesamtbild nur minimal. Der Spielverlauf ist sehr linear und es gibt leider relativ wenige Gründe die Story mehrfach durch zu spielen. Aber zumindest einmal sollte jeder der mit dem Genre etwas anfangen kann The Medium wirklich gespielt haben. Der reguläre Preis von knapp 50€ scheint mir im Hinblick auf den geringen Widerspielwert und eine Spieldauer von ca. 7-9 Stunden aber etwas zu hoch. Die Soundeffekte und die Musik könnten auch aus Hollywood stammen und tragen zu einer tollen Atmosphäre bei. Durch die gute Unterstützung des DualSense Controllers ist die PlayStation 5 Fassung die beste Art das Spiel zu erleben. Die Ladezeiten sind für PS5 Verhältnisse aber ungewöhnlich lang – das geht besser.

Getestet wurde The Medium auf PS5 von Tobias Creter. Das Spiel lag uns zum Testzeitpunkt in Version 1.001.000 vor.

Das Test-Exemplar / der Review-Code für The Medium wurde uns von Koch Media kostenlos zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!