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Xuan Yuan Sword: Mists Beyond the Mountains · Test

Veröffentlicht am 15.01.2024 von Soul-1

Titelbild von Xuan Yuan Sword: Mists Beyond the Mountains (PC, Switch)

Zurück in die Zeit von 1999

Erst vor kurzem hatten wir den neuesten Sword and Fairy RPG vom Taiwanesisch/Chinesischen Entwickler im Test gehabt. Doch das war nur eines ihrer großen Spielreihen, denn Xuan Yuan Sword ist sowas wie eine Geschwisterreihe.

2020 erschien der 7. und bisher letzte Teil der Xuan Yuan Sword Reihe und es war genauso wie das neueste Sword and Fairy ein Action-RPG. Mit Xuan Yuan Sword: Mists Beyond the Mountains richten wir einen Blick zurück, aber auch gleichzeitig nach vorne!

Denn es handelt sich tatsächlich um den 3. Teil der Reihe, doch in der Chronologie innerhalb der Geschichte ist es gleichzeitig bis jetzt der letzte Teil.

Doch die größere Frage ist, wie macht es sich im Vergleich zu seinen anderen Kollegen die im gleichen Jahr erschienen sind, wie z.B. Final Fantasy VIII, Chrono Cross oder The Legend of Dragoon?

Screenshot von Xuan Yuan Sword: Mists Beyond the Mountains

Die Reise in den Osten

Die Geschichte fängt mit unseren in Venedig gestrandeten Helden Septem an. Der Grund dafür liegt darin, dass die Ritter von der Kirche alle ausländischen Personen bzw. Händler, darunter auch Muslime, in Gefangenschaft gehalten. Ursprünglich wurden sie von Venedig als Verstärkung gegen Piraten zur hilfe gerufen, doch überraschenderweise hatten sie wohl eine niedrige Toleranzgrenze gehabt und brachten damit Chaos in die Stadt.

Septems Ziel liegt jedoch anscheinend in Asien und muss deswegen einen Weg zur Weiterreise finden. Doch wer hätte damit rechnen können, dass eine bizarre Reise mit Dämonen, Geister, Intrigen und vieles mehr vor ihm liegt?

  • Xuan Yuan Sword: Eine alternative Weltgeschichte

Im Gegensatz zu Sword and Fairy basiert Xuan Yuan Sword lose auf unserer Weltgeschichte. Darunter echte Personen und Ereignisse. Zum Beispiel ist der Hauptcharakter ein Vasall von Pippin der Jüngere auch bekannt als der Vater von Karl der Große. Ebenso nimmt man an den einen oder anderen großen historischen Moment teil. Wobei man anmerken muss, dass es sich hierbei natürlich um eine alternative Fantasie-Variante handelt.

Screenshot von Xuan Yuan Sword: Mists Beyond the Mountains

  • Zu ambitioniert?

Bei der Haupthandlung handelt es sich um Septems Reise nach Asien bzw. China und erlebt dabei die Welt in verschiedenen Etappen. Zusätzlich werden auch noch unterschiedliche Ideen eingebaut. Letztendlich kristallisierte sich daraus, dass es einfach zu viel des Guten war.

Denn viele der Ideen wurden lediglich nur angeschnitten, weshalb keines davon es geschafft hat, einen starken Eindruck zu hinterlassen.

Weiterhin werden besondere Fantasy Elementen zu sehr als Gimmick benutzt. Darunter sind auch welche, die Handlungsdefinierend sein können, d.h. Sie wären stark genug, um eine gesamte Handlung drumherum zu weben.

Stattdessen werden sie einigermaßen einmalig eingesetzt und vergessen. Außerdem gibt es auch noch Story-Elemente, die eigentlich eine große Wirkung auf die Handlung sowie auch Gameplay Sinne haben sollten. Darunter gab es beispielsweise eine Montage, wie er in Shaolin Kampfkunst trainiert wird und das einzige, was sich daraus ergibt, ist ein einziger neuer Angriff. Solche Momente sind meistens ein perfekter Moment, um neue Gameplay-Elemente einzuführen. Darüber hinaus schafft er es sich neues Wissen anzueignen, doch leider wird es nur für die jeweiligen Szenen verwendet, die darauf folgen und danach ist Pustekuchen.

Es gibt noch mehr merkwürdige Momente innerhalb der Handlung, die etwas willkürlich erscheinen und verleihen der Geschichte ein Gefühl von einem fast ungefilterten Fluss, von einem Bewusstsein, das Ideen hinausschießt. Ungeachtet der tieferen Implikationen auf die Integrität der Geschichte.

  • Eine zu stark komprimierte Handlung

Septem ist nicht nur ein erfahrener Agent, sondern auch sehr Wissens-begierig. Es gibt Regionen, wo er eine längere Zeit verbringt. Nur um das Ganze in Perspektive zu bringen, das gesamte Abenteuer erstreckt sich über mehrere Jahre. Jedoch werden längere Zeiträume einfach übersprungen.

  • Dennoch interessant

Trotz der bisherigen Kritikpunkte zeigt sich die Geschichte von Xuan Yuan Sword: Mists Beyond the Mountains als interessant. Die Mischung aus Fantasy und Weltgeschichte, sowie die kulturelle Perspektive von den Entwicklern bieten etwas Ungewöhnliches, das ich bisher noch nicht erlebt habe. Gleichzeitig ist es auch ein Unikat innerhalb der Xuan Yuan Sword Reihe.

  • Die Übersetzung (nur in Englisch)

Die PC Version erschien anscheinend zum Start mit einer halben katastrophalen Übersetzung mithilfe von KI. Doch mittlerweile hat man es wohl geschafft, es zu 95% auszubessern, sodass es beim Verständnis der Geschichte keine Probleme ergeben sollte.

Zu den kleineren Auffälligkeiten gehört zum einen der Einsatz vom Wort “hateful” als Nomen. Womöglich aus kulturell sprachlichen Gründen wird dieses Wort wohl oft direkt übersetzt und sollte eigentlich den Ärger des Charakters verkünden. Diese Art von Übersetzung ist vor allem bei chinesischen Werken aufzufinden.

Weiterhin sieht man des Öfteren das Wort “Loong” und ist eine phonetische Übersetzung vom chinesischen Wort Drachen. Meine Vermutung liegt darin, dass man mit dieser Übersetzung sich von dem westlichen Drachen absetzen möchte.

Das hat man beispielsweise auch mit dem japanischen Film The Ring gemacht. Dort hat man im Westen nämlich das Original den Namen “Ringu” designiert.

Zwischenfazit Story

Xuan Yuan Sword: Mists Beyond the Mountains hat eine etwas ungewöhnliche Geschichte, allerdings mit stellenweise fehlender Reife und Willkür, dazu gehört auch der Einsatz von Nebencharakteren. Es ist schwer zu sagen, woher diese Schwächen kommen, ist es Naivität (relativ unwahrscheinlich), ein zu hoher Zeitdruck oder ein wenig von beidem? Man merkt, dass man versucht hat, das historische Material in die Geschichte einzubinden, doch dabei fehlt es an Finesse, um die Brisanz richtig zum Blühen zu bringen. Stattdessen kommt es eher vor als eine Nebensächlichkeit, bei der man versucht eine Handlung einzubinden.

Trotz dieser Schwächen hat man es trotzdem geschafft, einen guten Unterhaltungswert zu bieten und vielleicht sogar den einen oder anderen Blick in die Geschichtsbücher zu werfen.

Meiner Meinung nach hat man potenzielles Material von bis zu drei Spielen in einem Spiel komprimiert. Bei Assassin's Creed oder Ys wären es höchstwahrscheinlich drei Spiele gewesen.

Ein extrem schwieriges Unterfangen. Chrono Trigger hatte beispielsweise mehrere Autoren, die für verschiedene Geschichten zuständig waren und das war ein SNES-Spiel. Zusätzlich hätte man für die verschiedenen Regionen mit Wissen zur spezifischen Zeitperiode auch noch Historiker gebraucht, um dem historischen Teil eine kräftige Textur zu geben.

Screenshot von Xuan Yuan Sword: Mists Beyond the Mountains

Gameplay & Steuerung

Überraschenderweise gibt es hier nicht viel zu erzählen. Die Steuerung und das Gameplay ist vergleichbar mit vielen RPGs seiner Zeit.

Es bietet verschiedene Städte, Regionen und viele Kämpfe. Da das Spiel sich an unsere Weltgeschichte richtet, kommen natürlich auch bekannte Örtlichkeiten wie Venedig vor. Zwar gibt es eine regionale Karte, dennoch sollte man keine Weltkarte erwarten. Dies kommt davon, dass es sich hierbei um eine lineare Geschichte handelt und es ist eigentlich gar nicht vorgesehen, dass man zu den alten Bereichen zurückkehrt.

Trotz der Fantasy-Elemente gibt es immer noch reale Begrenzungen, d.h. eine Reise quer durch die Welt wird sehr lange dauern. Man merkt dies, sobald man von der ersten Stadt verlässt und in die große weite Welt zieht.

Kleine Schnappschüsse einer großen Welt

Als allererstes muss ich die Erwartungen etwas bändigen. Zwar kommen bekannte Städte vor, jedoch sind es nur sehr kleine Darstellungen. China wird zwar größer dargestellt, doch das ist nur auf relativer Weise, da es keine interaktive Größe ist. Stattdessen ist es vergleichbar mit Shin Megami Tensei, wo man sich nur von Punkt A zu B bewegt, worauf erst dann ein kleiner Ausschnitt interaktiv wird.
Insgesamt bestehen die Städte hauptsächlich aus ca. 2 Bildschirmen und mehreren begehbaren Gebäuden.

Screenshot von Xuan Yuan Sword: Mists Beyond the Mountains

  • Kleine Gefallen und Knackige Rätsel

Abgesehen von den typischen Läden und Häusern tauchen auch kleine Fetchquests auf. Am abgefahrensten sind aber die Rätsel, denn es sind nicht irgendwelche einfache, sondern waschechte mathematische Algebra Aufgaben.

Hier ist ein Beispiel mit einem Erbe mit Enkel Problem: Der verstorbene Ehemann hat bei der Schwangerschaft entschieden, dass bei einem Sohn die Mutter 1/3 bekommt und das Kind 2/3. Bei einer Tochter ist es umgekehrt. Jetzt ist es aber herausgekommen, dass es ein Sohn und eine Tochter sind. Wie soll das Erbe aufgeteilt werden?

In China kommen auch noch historische Fragen hinzu. Soweit ich weiß, gibt es innerhalb vom Spiel darauf keine Antworten und man muss es entweder ausprobieren oder im Internet nachschlagen. Abgesehen davon gibt es meiner Erinnerung nach noch ein Rätsel, bei dem die Antwort auf die verschiedenen Bürger verteilt wurde.

  • Zufallskämpfe

Die Frequenz der Zufallskämpfe ist nach meiner Erfahrung teilweise extrem hoch, im Austausch sind sie aber dafür durch die Balance sehr kurz und dienen eigentlich mehr als Erfahrungspunkte Spender als richtige Kämpfe. Dies zieht sich ca. bis ins letzte Viertel durch und ab dort kann es je nach Teamstärke ein wenig länger dauern. Zusätzlich gibt ab dem Zeitpunkt auch noch Gegner die besonders lebensgefährlichen Fähigkeiten besitzen die z.B. einen Charakter sofort erledigen können. Im letzten Dungeon kam es bei mir sogar vor, dass ein Gegner die gesamte Gruppe in Paralyse gehalten hat und dadurch ausgelöscht wurde.

Screenshot von Xuan Yuan Sword: Mists Beyond the Mountains

  • Dungeons, Heilungspunkte und Speichern

Man bekommt am Anfang universelle Markierungen und das kann bei einigen vielleicht die Angst erwecken, dass die Dungeons richtige Labyrinthe sein könnten. Jedoch ist es überraschenderweise nicht der Fall. Es gab nahezu keinen Moment, an dem ich diese Markierungen einsetzen musste. Man muss also keine extra großen Labyrinth artigen Dungeons wie z.B. in Grandia befürchten. Auch die Rätsel erweisen sich als viel einfacher als die in den Städten.

Überall im Spiel sind kostenlose Heilungspunkte verteilt. Meistens findet man sie vor einem Bosskampf in den Dungeons. Dieses Gameplay-Element ist ziemlich bizarr, denn nach jeder Heilung fragt es, ob man speichern möchte. Ich gehe davon aus, dass ursprünglich in den Dungeons nur bei diesen Punkten gespeichert werden konnte. Aber hier kann man, egal wo man ist, jederzeit speichern.

Screenshot von Xuan Yuan Sword: Mists Beyond the Mountains

Spirit Fusion Vessel

Neben dem Xuan Yuan Schwert ist dieser ganz spezielle Gegenstand ein Teil der Xuan Yuan Sword Reihe. Bei dem Spirit Fusion Vessel handelt es sich um einen multifunktionalen Kombinator, d.h. man wirft zwei Objekte zusammen und daraus entsteht etwas Neues. Doch warum multifunktional? Das kommt davon, weil man quasi fast alles kombinieren kann. Heilungsgegenstände und Waffen? Kein Problem!

Gefangene Geister/Dämonen mit Ausrüstung oder anderen Wesen? Nur zu! Darauf folgt aber ein kleines Problem, denn es gibt kein separates Resultat Bildschirm und man muss jedes Mal auf Tastendruck das Ergebnis ansehen. Soweit ich sehen konnte, gab es kein richtiges System mit Ausnahme von den Stufen der Geister. Später kommt auch noch eine alternative Fusionsresultat hinzu und bietet dadurch noch mehr Möglichkeiten.

Screenshot von Xuan Yuan Sword: Mists Beyond the Mountains

Schnapp sie(Geister) dir alle!

Eines der großen Besonderheiten von diesem Spiel liegt im Einfangen von Geistern.

  • Das Einfangen

Unter den Gegner gibt es häufig den Geistertyp und nur Septem kann sie unter bestimmten Bedingungen einfangen. Je höher der Stufenunterschied, desto weniger HP(Lebenspunkte) müssen sie haben. Bekämpft man unterwegs alle Gegner, sollte eine Reduzierung auf 50% generell reichen.

Jetzt kommt aber die Ausnahme. Gegner, die bereits einmal eingefangen ODER synthetisiert worden sind, können bedingungslos eingefangen werden. D.h. es wird zu einem strategischen 1-Treffer K.O., wobei man dafür weder Geld noch Erfahrungspunkte bekommt. Im späteren Verlauf ist es aber trotzdem nützlich, die gegnerischen Linien damit zu schwächen.

  • Der Einsatz

Deren Einsatz ist nicht wie Pokémon oder Shin Megami Tensei, sondern eher passives Element, das nur einmal aktiviert werden muss.

Bis zu zwei können unter Verbrauch von Vitality(Vitalität) als zusätzliche automatische Einheiten beschworen werden. Diese können nicht angegriffen werden und haben sogar eine eigene ATB Anzeige. So gesehen sind es einfach periodische zusätzliche Angriffe oder Spezialfähigkeiten.

Technisch gesehen werden sie bei normalen Gegnern nicht gebraucht und sind erst bei den Bossen nützlich.

Zusätzlich kann man bis zu zwei Geister pro Charakter ausrüsten. Dadurch können die Werte gestärkt werden. Weitere Funktionen kann ich nach eigener Erfahrung nicht bezeugen.

  • Besondere Geister

Alle Geister sind normalerweise im Gegenstandsmenü im “Living”(Lebendig) Reiter aufgeführt. Doch innerhalb der Geschichte treten besondere Geister dem Team bei und sind stattdessen bei den Angriffsgegenständen eingeordnet. Technisch gesehen sind es einfach nur starke Angriffe, die Vitalität verbrauchen.

Screenshot von Xuan Yuan Sword: Mists Beyond the Mountains

Das Ausrüstungssystem

Neben den Geistern können Waffen und die typischen Ausrüstungsgegenstände (Helme, Rüstung, etc.) verwendet werden. Die bemerkbarsten sind die Sutras oder Magic Weapons (magische Waffen). Sie verleihen dem Charakter neue Aktionen wie z.B. Diebstahl oder Resistenz gegen bestimmte Elemente. Insgesamt kann pro Charakter 2 Ausrüsten, doch es kommt noch ein Haken hinzu, denn für die volle Wirkung braucht man Erfahrungspunkte.

Auch die Waffen haben einen Erfahrungsgrad, die mit jedem Angriff erhöht wird. Dabei wird sie progressiv stärker, doch bei den meisten hält es sich in Grenzen.

  • Sword of Sealing

Es gibt aber eine Ausnahme, und zwar das “Sword of Sealing” von Septem.

Ein Schwert, das sehr früh an einem Speicherpunkt zu finden ist und noch mehr davon über die gesamte Welt verteilt sind. Das Wachstum ist extrem und kann den Spieler potenziell fast zum Ende begleiten, das liegt daran, ob man sich die Zeit nimmt, den Erfahrungsgrad zu erhöhen.

Persönlich gesehen halte ich diese Waffe für komplett abgefahren, da sie 95% von Septems Waffen obsolet macht. Erst fast mit dem letzten Schwert wird es abgelöst.

Ich vermute, es war mal etwas Größeres dafür geplant, doch letzten Endes musste es ins Wasser gefallen sein. Es werden 17 (von 18) Stück benötigt, um gegen einen optionalen Boss zu kämpfen.

Die Idee, dass eine Waffe wachsen kann, ist an sich toll, doch es gibt Probleme, wenn man sie ohne Anpassungen in ein klassisches System einbindet. Es ist vor allem schade, da viele von Septems Waffen als historisch legendäre Waffen gelten. Vor allem die von Schmied Ou Yezi, der vermutlich das erste Stahlschwert namens Long Quan erschaffen hat.

China hat eine romantische Sichtweise in ihrer Geschichte mit Schwertern und deren Schmiede. Leider kommt sie außer den Beschreibungen hier nicht zur Geltung.

Screenshot von Xuan Yuan Sword: Mists Beyond the Mountains

  • Magie und Spezialangriffe

Alle magischen Fähigkeiten werden über Level Ups freigeschaltet und jeder Charakter besitzt eine unterschiedliche Affinität zu den Elementen. D.h. der eine lernt Feuer- und Erdzauber und die andere Licht und Wind. Am wichtigsten ist aber eigentlich die Heilungsmagie.

Überraschenderweise zeigt sich ein Teil wenig nützlich, doch darüber später im Teil über die Balance des Spiels.

Bei den Spezialangriffen handelt es sich um nichts anderes als ein “Limit System” das man aus Final Fantasy 7 kennt. Es handelt sich um eine Anzeige, die im Kampf unter dem Charakterporträt positioniert ist. Sie lädt sich sehr langsam durch erfolgreiche Angriffe und eingesteckte Treffer auf. Beim vollständigen Aufladen kann dann eines der besonderen Techniken eingesetzt werden. Durch die Balance gibt es aber technisch keine echte Auswahl.

Das Kampfsystem

Wie bereits erwähnt, handelt es sich hier um ein einfaches ATB rundenbasiertes System. Im Gegensatz zu Final Fantasy muss bei einer vollen Anzeige eine Aktion ausgeführt werden und deswegen ein wenig steifer.

Weiterhin haben die verschiedenen Aktionen unterschiedliche Ausführungszeit, die nicht aufgezeigt werden. Beispielsweise dauert das Einfangen ca. 1-2 Sekunden, während Angriffe fast sofort aktiv sind. Spezialangriffe brauchen einen ähnlichen Zeitraum wie das Einfangen und sollte bei starken Gegnern unbedingt mit in Betracht gezogen werden.

Es gibt natürlich auch elementare Schwächen und Stärken, aber die lassen sich aufgrund der Balance zum größten Teil ignorieren.

  • Besondere Kritische Treffer

Kritische Treffer haben hier besondere Funktionen und werden wie immer zufällig bei normalen Angriffen aktiviert. Septem führt einen Doppelschlag aus, während jemand anderes einen mehrfachen Treffer Angriff einsetzt.

Der Speerkämpfer schlägt richtig hart zu und kann den Gegner in einen zufallsbedingten negativen Zustand versetzen. Die Bogenschützin ist andererseits vielleicht die schwächste und zugleich die stärkste, denn beim kritischen Treffer gegen normalen Gegnern ist es ein garantierter 1-Treffer K.O., jedoch hält sich der eigentliche Schaden in Grenzen und ist somit nicht allzu nützlich gegen Bosse.

Screenshot von Xuan Yuan Sword: Mists Beyond the Mountains

Die Balance
Eines der interessanten Elemente von diesem Spiel, da ein gewisser Teil auffällig herausragt.

  • Gegner

Nur die Kämpfe im letzten Drittel sind herausfordernd. Dabei kann es zu richtigen Schwierigkeitsgradspitzen kommen, wo man richtig unangenehm ins Schwitzen kommen könnte. Es liegt vor allem daran, dass die Gegner beispielsweise gefährliche Statusänderungen wie das Versteinern austeilen können, ohne dass man eine richtige Lösung, z.B. ein Accessoire, das Immunität dagegen verleiht, vorzeitig bekommt. Bestenfalls gibt es dafür Heilungsgegenstände, aber das erweist sich eher als ein Frustfaktor anstatt Herausforderung. Später trifft man sogar einen Gegner, der einen besonderen Angriff einer der Charaktere durch reinen Schaden erledigen kann. Bei solchen Situationen hilft nur beten.
Alle Gegner können meistens mit roher Gewalt in Form von normalen Angriffen erledigt werden.
Der Endboss ist ein ganz spezieller Fall, der sehr schnell ist und kräftig austeilt. Zu meinem Zeitpunkt war er nicht schaffbar. Ich gehe davon aus man braucht mindestens die maximale Stufe 60 oder man benutzt die Diebstahlfähigkeit, um die Werte aufrüsten.

  • Heilungsmagie und Spezialtechniken

Aus unbekannten Gründen hat man sich dafür entschieden, die Heilungsmagie an eine feste Ziffer zu binden, anstatt am Magie Wert. Dies bedeutet, dass später ein Teil der Heilungsmagie komplett obsolet wird, denn wer will schon nur 60 Lebenspunkte heilen, wenn man bereits im vierstelligen Bereich ist.

Komischerweise haben die Spezialtechniken anscheinend auch eine gewisse statische Natur. Bei einem Versuch mit Septem bekam ich das gleiche Resultat, obwohl die Werte nach dem letzten Einsatz stark angestiegen sind, d.h. Sie werden anscheinend auch ebenfalls obsolet und stellen keine Alternative mehr dar.

  • Selbstversorgung

Eine weitere bizarre Situation in der Balance liegt darin, dass der Speerkämpfer die Fähigkeit hat, die gesamte Truppe außerhalb von Kämpfen komplett zu versorgen. Dieser kann nämlich Vitality in Magiepunkte verwandeln und umgekehrt. Der Knüller liegt darin, dass der Austausch insgesamt ein Plus erzeugen kann.

An dieser Stelle stellt man sich die Frage, ob es vielleicht nicht besser gewesen wäre, den Zustand einfach nach jedem Kampf wiederherzustellen, weil zu dem Zeitpunkt einfach keine Ressourcenknappheit mehr existiert.

Dazu kommt auch noch, dass man über ein Magic Weapon die Fähigkeit bekommt, Magiepunkte im Kampf aufzuladen.

Abstürze
In seltenen Fällen (insgesamt 3) kamen anscheinend zufallsbedingte Abstürze zum Vorschein. Glücklicherweise waren zwei davon überhaupt kein Problem, da das automatische speichern genau den Zeitpunkt eingefangen hat. Vielleicht liegt es am Automatischen Speichersystem?
Abgesehen davon sollte man im Laufe der Zeit sowieso etwas mehr speichern, da es teilweise schwieriger wird. Die Abstürze waren zwar unschön, aber noch vernachlässigbar.

Zwischenfazit Gameplay
Das Spiel hält sich so ziemlich im Mittelmaß, d.h. Es ist nicht überragend, aber es ist auch nicht schlecht. Abgesehen vom Endboss und dem einen oder anderen späten Gegner bietet es ein ziemlich flüssiges Erlebnis, wenn auch nicht sonderlich herausfordernd. Die Design-Entscheidungen stark zugunsten des Spielers sind etwas merkwürdig und trägt maßgeblich zum hohen Tempo bei.

Insgesamt hatte ich über das gesamte Spiel das Gefühl gehabt, dass die Entwickler eigentlich viel mehr geplant hatten. Der geringe Einsatz von Vitality und der Mangel an Martial Arts könnten wohl ein Anzeichen dafür sein.

Screenshot von Xuan Yuan Sword: Mists Beyond the Mountains

Grafik & Sound

Für die Optik kommen klassische Sprites und vorgerenderte Hintergründe zum Einsatz und sie sehen ziemlich gut aus. Nur für Magie werden 3D Effekte seiner Zeit eingesetzt.

Auf der Reise gibt's wie gewohnt die Mini-Versionen der Charaktere und gelegentlich gesellen sich auch zusätzliche NPCs hinzu.

Im Kampf hat man überraschend auf große Sprites mit den typischen leichten Animationen gesetzt, d.h. Es fehlen butterweiche Transitionen innerhalb der Bewegungen, wobei das zugegebenermaßen extrem wäre und zeigt eines der Vorteile von 3D Grafik.

Besonders erwähnenswert ist die Tatsache, dass nahezu alle Objekte eine Zeichnung haben. Es kommen also keine Fragen auf, wie z.B. in Final Fantasy wie eine Potion oder Phönixfeder aussehen könnte. Zusätzlich gibt es auch noch für jedes Objekt Beschreibungen wie in Dark Souls. Darunter auch heftige Geschichten wie das letzte Schwertpaar von Ganjiang, dem Schüler von Ou Yezi.

Die Soundeffekte und die Musik sitzen richtig gut. Am lobenswertesten ist der Einsatz unterschiedlicher regionaler Musik, die sich auch im Kampf ausschlägt und bringt Gefühl von einem anderen Ort gut zum Vorschein. Es gibt zwar keinen ikonischen Track, aber trotzdem sind alle Musikstücke sehr gut eingesetzt.

Die vorgerenderten Sequenzen

Ab und zu werden vorgerenderte Sequenzen verwendet, doch der Einsatz erscheint ziemlich merkwürdig. Normalerweise werden sie aufgrund ihrer Funktion in bestimmten Situationen eingesetzt.

Beispielsweise um eine fiktive Welt zu verbildlichen wie im Final Fantasy VII Intro oder einen schnellen Einblick in eine Hintergrundgeschichte wie in Panzer Dragoon II. Auch das legendäre Resident Evil Live Action Intro brachte auf eine besondere Art und Weise die richtige Stimmung.

Die Filmsequenzen sind kurz, bringen aber wichtige Informationen mit sich.

In diesem Spiel wurde es im Intro verwendet, um Septem auf eine umständliche Art als Spion einzuführen, die in Zukunft quasi keine Rolle spielt. Auch bei den Handvoll anderen fehlt es an Wirkungsgrad.

Story und filmtechnisch gesehen fehlte es beim Entwicklerteam wohl an Erfahrung bzw. einem Spezialisten dafür.

Screenshot von Xuan Yuan Sword: Mists Beyond the Mountains

Fazit

Xuan Yuan Sword: Mists Beyond the Mountains zeigt sich als ein unterhaltsames Spiel, aber nicht ohne Schwächen innerhalb der Geschichte und des Gameplays.

Zudem ist es in vielerlei Hinsicht ein besonderer Teil der Xuan Yuan Sword Reihe. Von der Story (erstes und letzter Titel außerhalb Chinas), dem Gameplay (Einführung von ATB System) und sogar die Optik (Letzter Titel vor dem Umstieg auf 3D).

Der Budgetpreis von 14,99€ ist sehr gut gewählt und macht es zu einer viel leichteren Empfehlung.

Insgesamt ist Xuan Yuan Sword: Mists Beyond the Mountains ein relativ gutes klassisches RPG und verleiht den Spielern gleichzeitig einen besonderen Blick in eine andere Zeit und Kultur. Dementsprechend ist es besonders Empfehlenswert für Fans von klassischen rundenbasierten RPGs der NES bis PS1 Ära.
Kann es aber mit den Giganten seiner Zeit mithalten? Leider eher nicht. Stattdessen findet es einen gemütlichen Platz bei den etwas weniger bekannten aber herzhaften Titeln wie 1000 Arms, Rhapsody, The Legend of Dragoon, Jade Cocoon, usw.


Abschließende Gedanken
Überraschenderweise kam beim Spielen ein spezifischer Titel in den Gedanken: Final Fantasy XV. Es hinterlässt jedenfalls ein Gefühl, dass es sich hier um ein teilweise geflicktes Spiel handelt. Wie bereits erwähnt erscheinen Story und Gameplay Elemente etwas unausgereift bzw. Geplante Ideen konnten nur teilweise verwirklicht werden.
Das gleiche gilt auch für The Legend of Dragoon von PlayStation.

Pro

  • Starke Prämisse und Ambitionierte Geschichte...
  • Klassisches rundenbasiertes Kampfsystem...
  • Ein Blick auf unbekanntere Ereignisse in der Geschichte
  • Überwiegend hohes Tempo durch Balance Vorteil beim Spieler
  • Guter Abschluss durch kurzer schriftlicher Epilog
  • Gute Preis/Leistung

Contra

  • ...die leider etwas unausgegoren vorkommt (vergleichbar mit FFXV)
  • ...die für eine etwas zu rudimentär sein könnte.
  • Balance ist etwas unausgeglichen von zu einfach bis Richtung Ende etwas zu schwer

Wertung

Testergebnis: 7.0

7.0 Gut

Kaufempfehlung

70% Kaufempfehlung

70%Empfehlenswert

Getestet wurde Xuan Yuan Sword: Mists Beyond the Mountains auf Switch von Soul-1. Das Spiel lag uns zum Zeitpunkt von unserem Test in Version 4.0.5 vor. Das Test Exemplar / der Review Code für Xuan Yuan Sword: Mists Beyond the Mountains wurde uns von eastasiasoft kostenlos zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!