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Daymare: 1998

Veröffentlicht am 02.05.2020 von Andreas Erber

Daymare: 1998

Biohazard DNA

DAYMARE: 1998 ist ein Third-Person-Survival-Horrorspiel mit Hardcore-Mechaniken und hartnäckigen Feinden. Wobei letzteres nur in bestimmten Situationen zutrifft. Der Titel kam bereits am 17. September 2019 für den PC auf den Markt. Nach einigen Monaten wurde nun eine PlayStation und Xbox Version angekündigt. Daymare konnte schon damals das Interesse von Resident Evil Fans wecken und das aus gutem Grund. Denn ursprünglich war Daymare ein Fan-Projekt welches die Wurzeln von Resident Evil 2 imitieren sollte. Mit der Zeit wurde aus dem "Klon" ein eigenständiges Spiel. Hauptmerkmal soll das Survival-Feeling sein, welches in so manchen Ablegern der Resident Evil Reihe etwas unter geht. Doch selbst in Daymare schleichen sich sehr viele Kampfhandlungen ein, die im Nahkampf sehr fordernd oder gar nervtötend werden können. Eine strategische Vorgehensweise ist nötig, um die Kämpfe überstehen und die kniffligen Rätsel lösen zu können. Aus unterschiedlichen Perspektiven wird die Handlung erzählt und offenbart eine rätselhafte Geschichte. Kann der Titel einen Biohazard (Resident Evil) Fan begeistern oder will das Spiel uns bloß einen irreführenden Streich spielen?

Daymare: 1998

Pro

  • gelungene Rätselaufgaben
  • schicke Grafik
  • die 90er werden sehr detailgetreu dargestellt
  • stimmige Klangeffekte

Contra

  • fehlende Abwechslung
  • ungenaues Trefferfeedback
  • keine deutsche Sprachausgabe
  • nerviges Backtracking

1998

Die 90er Jahre bieten ein ideales Zeitfenster für Daymare. Vor allem das Setting, die Räumlichkeiten und Gegenständen aus dem Jahre 1998 geben dem Grusel-Faktor wesentlich mehr Kick, als es ein modernes High-Tech Labor geben könnte. Die Story erzählt von einem speziellen Sicherheitsteam, das einen problematischen Alarm in einer Forschungsanlage untersuchen soll. Nach Angaben des Einsatzleiters werkelt die Anlage mit tödlichen Biowaffen. Nicht gerade die besten Aussichten.

Der Spieler schlüpft dabei in die Rolle eines Elitesoldaten, eines Försters und eines Helikopterpiloten. Alle Charaktere finden sich in ein und derselben Konfrontation wieder. Eine kleine, friedliche Stadt wird zur Todeszone und sämtliche Einwohner verwandelten sich in Zombies. Ziel ist es den Fall genauestens zu untersuchen und die infizierten Monster zu beseitigen. Der einzige Hacken sind die mangelnden Ressourcen. Gerade mit der Munition sollte sparsam umgegangen werden. Die Suche danach ist nur selten erfolgreich. Zudem werden dem Spieler einige knifflige Rätsel in den Weg gestellt die sogar das Tippen auf einer Tastatur mit griechischen Symbolen erfordert. Ein Daymare wird zur Realität!

Daymare: 1998

Gameplay & Steuerung

In diesem Stück Software richtet sich das Gameplay ganz deutlich an den Hardcore-Gamer. Im Kampf gegen die Untoten erlaubt das Spiel dem Spieler kaum Fehlgriffe. Munitionsknappheit, die wenigen Speicherpunkte und das oft nervige Backtracking (Spieler müssen bestimmte Levels mehrmals in verschiedene Richtungen durchkämmen) erschweren das Ganze spürbar. Zumindest stehen drei Schwierigkeitsgrade zur Auswahl. Schusswechsel halten hingegen die Zombies teilweise überraschend schnell auf. In manchen Situationen genügt oft ein gezielter Schuss. Doch im Nahkampf fängt der Frust zu blühen an. Sobald sich der Elitesoldat einem Gegner nähert, wird dieser sofort angegriffen. Blocken funktioniert nicht und der Ausdauer geschuldet können maximal 2 Schläge hintereinander getätigt werden. Schnell passiert es, dass die Angriffe nicht in die gewollte Richtung ausgeführt werden und ein Gegenangriff des Zombies ist in dieser Situation nicht mehr zu stoppen. Dabei hängen sich die Zombies regelrecht fest und entnehmen euch viel wertvolle Lebensenergie. Um aus den Schlingen der Monster zu entkommen muss der Spieler so schnell wie möglich auf die X-Taste hämmern. Trotz all dieser Erschwernisse können selbst Anfänger des Hardcore-Genres mit einer Prise Vorsicht einige Levels mit Bravour bestehen. Erst im späteren Spielverlauf wird es schwieriger. Doch keine Sorge. Daymare spielt sich vom Schwierigkeitsgrad her wesentlich einfacher, als beispielsweise die bekannten Ableger der Spielreihe „Dark Souls“.

Kleiner Tipp: Haltet nach sehr kleinen, versteckten Figuren abstand. Diese können durch Abschüsse eingesammelt werden.

Mit Hilfe eines portablen PDAs wird das Inventar, die Gesundheit und auch die eigene Position stets im Auge behalten. Der Rucksack in der Schachbrett-Einteilung erinnert stark an die Konkurrenz und bietet ebenfalls die Möglichkeit Gegenstände miteinander zu kombinieren. Die Ähnlichkeiten zu Resident Evil sind verblüffend.

Der Charakter lässt sich recht ordentlich steuern. Höchstens beim Aufheben von Gegenständen oder beim Anvisieren der Gegner wirkt die Handhabung etwas unpräzise. Schade, denn immerhin sind die Kämpfe ein großer Bestandteil des Spiels und keineswegs nur ein Zusatz.

Im Grunde weist Daymare mit der Zeit ein Muster auf, welches sich in anderen Facetten wiederholt. Zu Beginn einer Mission rennt der Spieler im freien umher, durchquert ein paar Untote und versucht so schnell wie möglich den nächsten Eingang eines Gebäudes zu erreichen. Die Wege stellen sich schnell als klar, strukturierte Schlauchlevels heraus, sich zu verlaufen ist somit schier unmöglich. In den Gebäuden gilt es oft kleinere als auch durchaus aufwendige Rätsel zu lösen. Trotz aller Versuche des Entwicklerteams dem Spiel einen gezielten Spannungsbogen zu verleihen, kommt dennoch schnell Langeweile auf. Da helfen auch die mysteriösen Wahnvorstellungen nicht viel, die visuell in einer Art Tagesalptraum eingespielt werden. Die Abwechslung kommt somit auf die Vermisstenanzeige. Fündig wird der Spieler hingegen bei der ansehnlichen Grafik.

Daymare: 1998

Grafik & Sound

Dank der „Unreal Engine 4“ ist der Grafikstil nicht aus dem Jahre 1998. Das ist vorab schon mal eine gute Nachricht. Der Vintage-Look flimmert äußerst butterweich und angenehm über den Bildschirm und lässt soweit keine Wünsche offen. Die unheimliche Atmosphäre wird gut eingefangen und lässt den Spieler immer wieder kalt über den Rücken laufen. Selbst Licht- und Schatteneffekte sind stimmig und geben dem Setting den Feinschliff. Besonders hervorzuheben sind die vielen Details, die vor allem in den Inneneinrichtungen der Gebäude zur Geltung kommen. Aber auch das Charaktermodell wird äußerst hochauflösend dargestellt. Alle Zombies und Monster haben detailgetreue, lebensechte Animationen inklusive Verstümmelung. Die Bewegungsabläufe, worunter beispielsweise das Umfallen von Gegnern gemeint ist, wiederholen sich zu oft. Das reist den Spieler leider immer wieder aus der gelungenen Alptraumwelt. Allgemein sei zu sagen, dass die Mischung aus moderner Grafikkunst und Vintage geglückt ist.

Ebenfalls gelungen ist der Sound. Sowohl der Soundtrack als auch die Soundeffekte passen sehr gut zum Gesamtbild. Interessant ist, dass das Durchsuchen von Räumlichkeiten und Straßenzügen auch ohne gegenwärtige Zombies beängstigend sein kann. Das Feeling von Resident Evil wird sehr gut eingefangen und wirkt in manchen Stellen dem Original ein wenig überlegen. Eine deutsche Sprachausgabe hat es leider nicht ins Spiel geschafft.

Daymare: 1998

Fazit

Weder Fisch noch Fleisch. Daymare: 1998 kann am Ende nicht wirklich an die Erfolgsreihe von Resident Evil anknüpfen. Immerhin wird der Survival-Effekt sehr gut behandelt. Etwas weniger schön sind die eintönigen Kämpfe, welche teils unfair ablaufen. Liebhaber von Rätsel kommen hingegen voll auf ihre Kosten und müssen teilweise etwas mehr Spielzeit mit einberechnen. In grafischer und akustischer Hinsicht braucht sich der Titel nicht zu verstecken. Lediglich die Abwechslung fehlt und verhindert eine bessere Bewertung. Survival-Fans mit der Tendenz zu Rätseln können getrost zugreifen.

Getestet wurde Daymare: 1998 auf PS4 von Andreas Erber. Das Spiel lag uns zum Testzeitpunkt in Version 1.01 vor.

Das Test-Exemplar / der Review-Code für Daymare: 1998 wurde uns von Destructive Creations kostenlos zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!