Der Herr der Ringe Der Krieg im Norden Legacy Edition · Test
Getestet auf PS5. Ebenfalls erhältlich für Xbox & PC.
Veröffentlicht am 23.08.2026 von Andreas Erber
Die zweite Chance!
Es gibt Spiele, die zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung nicht die Aufmerksamkeit bekommen haben, die sie eigentlich verdient hätten. Der Herr der Ringe: Der Krieg im Norden gehört zweifellos zu dieser Kategorie. Ursprünglich erschien das Action-RPG im Jahr 2011 für PlayStation 3, Xbox 360 und PC und ging damals ein wenig im gewaltigen Schatten anderer großer Veröffentlichungen unter. Besonders bitter ist die Tatsache, dass der Titel nur wenige Tage vor The Elder Scrolls V: Skyrim erschien und sich gegen diesen übermächtigen Konkurrenten kaum behaupten konnte. Hinzu kamen durchwachsene Kritiken und eine vergleichsweise zurückhaltende Vermarktung.
Mehr als 15 Jahre später erhält das Abenteuer nun eine zweite Chance. Mit der Legacy Edition bringt Aspyr das Spiel auf moderne Plattformen zurück, darunter auch die PlayStation 5. Damit wird ein Titel wieder zugänglich, der über Jahre hinweg nur noch schwer legal erhältlich war. Die ursprüngliche PC-Version war bereits 2019 aus dem Verkauf verschwunden, während die Konsolenversion auf moderner Hardware bislang überhaupt nicht verfügbar war.
Bei Der Herr der Ringe: Der Krieg im Norden handelt es sich nicht um ein vollständig neu entwickeltes Remake. Vielmehr wurde das ursprüngliche Spiel technisch modernisiert und um zahlreiche Komfortfunktionen ergänzt. Zu den Neuerungen gehören unter anderem eine überarbeitete Benutzeroberfläche, verbessertes Zielerfassen, Autosaves und die Möglichkeit, während des Spiels flexibler zwischen den drei Charakteren zu wechseln. Auch der kooperative Kern des Spiels bleibt erhalten. Bis zu drei Spieler:innen können gemeinsam durch Mittelerde ziehen. Die Legacy Edition ist deshalb nicht nur für Nostalgiker interessant. Sie ist gleichzeitig eine kleine Zeitreise in eine Ära, in der kooperative Action-RPGs noch stärker auf klassisches Hack-and-Slash-Gameplay, Beute, Charakterentwicklung und gemeinsames Spielen auf der Couch oder online gesetzt haben.
Entwickelt wurde das ursprüngliche Spiel von Snowblind Studios, einem amerikanischen Entwicklerstudio aus Kirkland im Bundesstaat Washington. Das Studio wurde 1997 gegründet und machte sich insbesondere mit Action-RPGs einen Namen. Zu den bekanntesten Arbeiten zählen Baldur’s Gate: Dark Alliance sowie die beiden Champions of Norrath-Spiele. Für die aktuelle Legacy Edition zeichnet sich Aspyr verantwortlich. Das Unternehmen hat sich über die Jahre vor allem durch Portierungen und Neuauflagen älterer Spiele einen Namen gemacht.
Frodo, Sam und die Gemeinschaft des Ringes
Die Geschichte von Der Herr der Ringe: Der Krieg im Norden spielt parallel zu den bekannten Ereignissen rund um Frodo, Sam und die Gemeinschaft des Ringes. Der entscheidende Unterschied besteht darin, dass Spieler:innen nicht die bereits bekannte Reise der Gefährten verfolgt. Stattdessen konzentriert sich das Spiel auf einen bislang weitgehend nicht erzählten Konflikt im Norden von Mittelerde. Genau dieser Ansatz ist eine der größten Stärken des Spiels.
Im Mittelpunkt steht eine Bedrohung durch Agandaûr, einen mächtigen Diener Saurons, der im Norden eine eigene Streitmacht aufbaut. Während die Aufmerksamkeit Saurons auf den Ring und die Ereignisse im Süden gerichtet ist, versucht Agandaûr, die nördlichen Gebiete Mittelerdes zu destabilisieren und eine gewaltige Armee aufzustellen. Die Aufgabe der Helden besteht darin, diesen Plan zu durchkreuzen und damit indirekt auch die Bemühungen der eigentlichen Gemeinschaft des Ringes zu unterstützen.
Für die Geschichte stehen drei unterschiedliche Charaktere zur Verfügung. So können Spieler:innen als menschlicher Waldläufer Eradan, als Elbin Andriel oder als Zwerg Farin in den Kampf ziehen. Jeder dieser Charaktere verfügt über einen eigenen Kampfstil und bringt eine andere Perspektive in das Abenteuer ein. Eradan ist ein vielseitiger Kämpfer, der sowohl mit Nahkampfwaffen als auch mit dem Bogen umgehen kann. Andriel setzt stärker auf Magie und Unterstützung, während Farin den klassischen, robusten Zwergenkrieger verkörpert. Das Schöne daran ist, dass die drei Figuren nicht einfach nur unterschiedliche Modelle mit anderen Waffen sind. Ihre Fähigkeiten sorgen tatsächlich für unterschiedliche Spielweisen. Gerade im kooperativen Spiel entsteht dadurch eine angenehme Dynamik. Während ein Charakter Gegner im Nahkampf bindet, kann ein anderer aus der Distanz angreifen oder mit magischen Fähigkeiten unterstützen.
Auf der Abenteuerreise trifft man immer wieder auf bekannte Orte und Figuren aus der Welt von Tolkien. Rivendell, Mirkwood, die Umgebung des Einsamen Berges und weitere bekannte Regionen sorgen dafür, dass sich das Abenteuer eindeutig in Mittelerde verankert. Auch bekannte Charaktere wie Gandalf, Aragorn oder Elrond spielen eine Rolle. Trotzdem hat die Story kaum Parallelen zur bekannten Filmreihe.
Gameplay & Steuerung
Das Herzstück von Der Krieg im Norden ist ohne Zweifel das Gameplay. Snowblind Studios setzte auf ein klassisches Action-RPG-System, das stark an die früheren Hack-and-Slash-Spiele des Studios erinnert. Spieler:innen bewegen sich in der Third-Person-Perspektive durch relativ lineare Gebiete, erledigen Gegnergruppen, sammeln Beute ein, verbessern ihre Ausrüstung und entwickeln ihren Charakter weiter.
Das grundlegende Kampfsystem ist schnell erklärt, bietet aber durchaus einiges an Tiefe. Nahkampfangriffe, schwere Schläge, Ausweichbewegungen, Blocken und Spezialfähigkeiten werden miteinander kombiniert. Dazu kommen Fernkampf und Magie, abhängig davon, welchen Charakter ihr spielt. Gerade in größeren Kämpfen ist es wichtig, nicht einfach nur unkontrolliert auf die Angriff-Taste zu drücken. Gegner verfügen über unterschiedliche Fähigkeiten und manche Begegnungen verlangen durchaus etwas taktisches Vorgehen. Im Vergleich zu aktuellen Games sind die Kämpfe aber recht simpel.
Das eigentliche Highlight ist der Koop-Modus für bis zu drei Spieler:innen. Diese können gemeinsam durch die Kampagne ziehen. Bereits das ursprüngliche Spiel war stark auf dieses Zusammenspiel ausgelegt, denn die Möglichkeit, gemeinsam mit Freunden durch Mittelerde zu ziehen, macht spürbar mehr Spaß.
Eine der interessantesten Neuerungen der Legacy Edition ist die verbesserte Möglichkeit, zwischen den Charakteren zu wechseln. Dadurch wird das Spiel auch für Einzelspieler komfortabler. Die moderne Fassung versucht damit, eine der alten Einschränkungen etwas aufzulockern und die Kontrolle über die eigene Gruppe angenehmer zu gestalten. Auch die überarbeitete Zielerfassung trägt dazu bei, dass sich die Kämpfe weniger sperrig anfühlen. Auch das HUD wurde angepasst und wirkt es übersichtlicher. Das Alter merkt man dem Spiel dennoch weiterhin stark an.
Die Steuerung auf der PS5 funktioniert grundsätzlich recht flüssig und angenehm. Die modernen Eingabemöglichkeiten helfen dabei, den etwas älteren Unterbau besser zugänglich zu machen. Die Kamera hingegen gehört nicht immer zu den größten Stärken. Die Zielerfassung ist in der Legacy Edition verbessert worden, dennoch kann es gelegentlich vorkommen, dass sich mehrere Gegner auf engem Raum befinden, die Übersicht verloren geht und der Blickwinkel etwas ungünstig platziert wird.
Grafik & Sound
Grafisch ist das Game ein interessantes Beispiel dafür, wie stark sich die Wahrnehmung eines alten Spiels auf moderner Hardware verändern kann. Die ursprüngliche Version war für ihre Zeit durchaus ordentlich. Heute wirken die Charaktermodelle, Umgebungen und Animationen jedoch unverkennbar angestaubt. Die Legacy Edition versucht deshalb, die technische Präsentation auf moderner Hardware angenehmer wirken zu lassen. Die Neuauflage wurde unter anderem technisch modernisiert und auf die aktuellen Plattformen angepasst. Trotzdem sollte niemand mit der Erwartung an das Spiel herangehen, hier ein komplett neu gestaltetes Mittelerde zu erleben. Die Texturen und Charaktermodelle haben ihre Wurzeln klar in der Ära der PlayStation 3 und Xbox 360. Gerade bei Gesichtern und Animationen wird sichtbar, dass dieses Abenteuer ursprünglich für eine ganz andere Hardwaregeneration entwickelt wurde.
Akustisch kann der Titel weiterhin überzeugen. Die Musik stammt von Inon Zur, dessen Kompositionen hervorragend zum Abenteuercharakter passen. Die orchestrale Untermalung vermittelt das typische Gefühl eines großen Fantasy-Abenteuers und schafft es, auch ältere Spielszenen emotional aufzuwerten. Auch die Soundeffekte funktionieren nach wie vor gut. Schwerter krachen auf Schilde, Pfeile sausen durch die Luft und die verschiedenen Gegner verfügen über passende Geräusche.
Fazit
Der Herr der Ringe: Der Krieg im Norden Legacy Edition ist ein ungewöhnlicher Fall. Einerseits handelt es sich um ein Spiel, das eindeutig aus einer anderen Ära stammt und seine technischen Wurzeln nicht verleugnen kann. Andererseits besitzt es etwas, das viele moderne Spiele trotz wesentlich höherer Produktionswerte nicht mehr in derselben Form bieten. Eine unkomplizierten und sehr unterhaltsamen kooperativen Action-RPG-Erfahrung. Gerade für Fans von Mittelerde ist die Rückkehr auf die PS5 deshalb eine erfreuliche Nachricht. Endlich lässt sich ein lange verschwundenes Herr der Ringe-Spiel wieder problemlos auf einer modernen Konsole erleben. Die Legacy Edition bewahrt die ursprüngliche Identität des Spiels, beseitigt einige störende Altlasten und ergänzt sinnvolle Komfortfunktionen. Verbesserte Zielerfassung, Autosaves, ein überarbeitetes Interface und die flexiblere Charakterverwaltung machen das Abenteuer zugänglicher. Die größte Stärke bleibt allerdings das Zusammenspiel im Koop-Modus. Grafik und Sound müssen sich nicht verstecken, auch wenn es sich hierbei in grafischer Hinsicht bei weitem nicht um eine Neuinterpretation handelt.
Wer Der Herr der Ringe liebt, klassische Action-RPGs mag oder einfach Lust auf ein unkompliziertes kooperatives Abenteuer hat, sollte dem Krieg im Norden unbedingt eine Chance geben, denn Der Herr der Ringe: Der Krieg im Norden Legacy Edition ist kein Remake, das den Maßstab moderner PS5-Produktionen erreichen möchte.
Pro
- endlich wieder auf PlayStation spielbar, mit stark verbesserter Performance
- eigenständige Story abseits der bekannten Filmreihe
- unterhaltsamer Koop-Modus für bis zu drei Spieler:innen
- 3 unterschiedliche Charakterklassen mit eigenen Fähigkeiten
- solides Loot- und Charakterentwicklungssystem
- sinnvolle Verbesserungen der Legacy Edition, wie überarbeitete Zielerfassung und Autosave-Funktion
- stimmungsvolle Musik von Inon Zur
Contra
- grafisch deutlich als Spiel aus dem Jahr 2011 erkennbar
- teilweise steife Animationen
- Charaktermodelle und Gesichter wirken veraltet
- Kameraführung sorgt gelegentlich für Frust
- Kampfsystem ist zu modernen Ablegern recht simpel
- manche technische und spielerische Eigenheiten des Originals wurden "noch" nicht vollständig beseitigt
Wertung
8.0Gut
Kaufempfehlung
70%Empfehlenswert
Getestet wurde Der Herr der Ringe Der Krieg im Norden Legacy Edition auf PS5 von Andreas Erber. Das Spiel lag uns zum Zeitpunkt von unserem Test in Version 1.000.002 vor. Das Test Exemplar / der Review Code für Der Herr der Ringe Der Krieg im Norden Legacy Edition wurde uns von Sandbox Strategies kostenlos zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!












































