Review

One Piece World Seeker

Veröffentlicht am 14.03.2019

One Piece World Seeker

Die Freiheit des Piratenkönigs

One Piece gehört zu der meistverkauftesten Mangaserie weltweit. Bereits seit 1997 werden durch den Manga-Autor Eiichirō Oda wöchentlich neue Kapitel veröffentlicht. So wurden knapp 100 Ausgaben erzeugt und über 440 Millionen Exemplare verkauft. Hinter den Entwicklern des neusten Piratenabenteuers "One Piece World Seeker" steckt das Team von Ganbarion, das bereits schon vorher mit der One Piece und Dragon Ball Thematik zu tun hatte. Kein Wunder also, dass Namco Bandai mit der weltbekannten Manga-Serie einen großen Wurf starten will. Der Wunsch aller Manga-Fans geht nun also endlich in Erfüllung, denn zum ersten Mal in der Geschichte kann die neue und gleichzeitig größte One Piece-Welt im Open World Format komplett nahtlos erkundet werden. Dabei trifft der Spieler auf zahllose, altbekannte Charaktere und ebenso auf fiese Bösewichte, die euch das Software-Leben im wahrsten Sinne des Wortes ziemlich schwer machen können. Auf solch einer großen Open World Insel mit einem großen und spannungsvollen Erkundungspotenzial muss der Titel doch ein Kassenschlager werden oder haben die Entwickler bei ein paar Ecken und Enden Zeit gespart?

One Piece World Seeker

Pro

  • hübsche, bunte Manga-Grafik lädt zum Träumen ein
  • Soundtrack ist malerisch und harmonisch
  • liebevoll gestaltete Charaktere
  • Spezial-Attacken werden bombastisch in Szene gesetzt
  • Steuerung funktioniert einwandfrei
  • "perfektes" Spiel für One Piece Fans

Contra

  • Open World mit Hindernissen
  • Zwischen- und Hauptgegner sind viel zu stark
  • Wiederspielwert ist gering
  • Kollisions-Abfrage ist zeitweise fehlerhaft
  • keine HDR Ausgabe
  • Karma-System ohne sichtbaren Auswirkungen

ワンピース

World Seeker ist ein reines Einzelspieler-Game und erzählt die Hauptgeschichte über den Piraten Monkey D. Ruffy und seinen Freunden, die auf der Gefängnisinsel ein neues Abenteuer starten. Diese Gefängnisinsel wurde früher auch die Juweleninsel genannt und dies auch nicht ganz ohne Grund, denn die kleine Piratenmannschaft hatte den richtigen Riecher. Schon zu beginn im Tutorial finden wir unseren ersten Juwel und nebenbei wird auch die Steuerung in kleinen Schritten erklärt. Leider fällt schnell auf, dass das Spiele weder eine deutsche noch eine englische Sprachausgabe vorweisen kann. Stattdessen muss der Spieler sich mit dem deutschen Untertitel und einer abgekürzten, teilweise kaum zu Ende gesprochenen Sprachbrocken auf japanisch begnügen. Auch die Mimik der Charaktere wirken äußerst steril und viele Aktionen werden schlichtweg mit Paste&Copy abgespeist. Dabei wäre der Dialog ein wichtiger Bestandteil des Spiels. Immerhin sind wir im Tutorial nicht ganz allein. Ein fiktives, männliches Menschenrenntier begleitet uns und zeigt uns den Weg durch den Storyverlauf.
Nach kurzer Zeit kommen Ruffy schon die ersten zwei einzeln patronierte Gegner unter. Den ersten können wir mit einem einfachen Faustschlag erledigen, den nächsten mit einer leisen Schleichattacke. Danach erlernt ihr noch eine Fähigkeit um höher gelegene Gebäude mit Hilfe eines Seil-Hackens zu erreichen. Dank der "Gum Gum Frucht" können elastische Fähigkeiten angewendet werden, welche durch einen Skill-Baum erweiterbar sind. Diese Spezialattacken können durch das gedrückt halten der L1-Taste hervorgerufen werden. Besonders die Wirbelsturm-Attacke sieht extrem cool aus. Um diese Aktionen ausüben zu können muss die Tensionleiste gefüllt werden. Der Absoluter Hammer ist der Gear 4-Modus. Bei einer komplett gefüllten Tensionleiste mutiert Strohhut-Ruffy auf Knopfdruck zum unschlagbaren Riesen. Dies benötigt der Spieler vor allem bei den aus der Manga-Serie bekannten Haupt- und Zwischengegnern oder auch bei einer Anhäufung von mehreren stärken Gegnern, da diese, gegenüber den viel zu einfachen Gegner-Soldaten, einfach zu stark sind. Denn schon nach ein paar Spielstunden stellt sich schnell heraus, dass die meisten Gegner selbst im einfachsten Schwierigkeitsmodus immer noch zu mächtig sind. Spieler mit Hang zu schnellen Frustmomenten sollten eher einen großen Bogen um das gute Stück Software machen. Was zu Beginn niedlich erscheint, wird mit der Zeit zur Tortour.
Neben den genannten Attacken gibt es zwei Haki-Fähigkeiten bzw. Modi des Helden, die jederzeit mit der Steuerungstaste nach unten gewechselt werden können. Das Rüstungs-Haki, welches auf Stärke ausgelegt ist und das Observations-Haki, welches euch durch Wände sehen oder die Zeit verlangsamen lässt. Vor allem der Röntgenblick, der immer nur für kurze Zeit aktiviert werden kann, hilft euch Ziele und Gegner durch Wände erkennen zu können. Je nachdem, welches Haki der Spieler aktiviert hat, kann die Ruffy im Kampf entweder ausweichen oder Angriffe blockieren. Alles in allem kommt das Spiel zu Beginn recht solide rüber. Doch der Schein trübt. Ein weiterer schlechter Beigeschmack ist das erwähnte Open World Format, denn so richtig offen und einladend ist die Welt beim genaueren Hinsehen dann leider doch nicht geworden. In Städten können Geschäfte, die zwar optisch begehbar erscheinen und sogar von Charakteren bewohnt sind, einfach nicht betreten werden. Eine unsichtbare Wand verhindert uns eine mögliche Shopping Tour. Hier dienen die Straßenzüge lediglich als eine reine Fassade.

One Piece World Seeker

Gameplay & Steuerung

Leider bietet uns das Spiel neben der Hauptstory, ein paar normale Missionen und Nebenmissionen, nicht viel Abwechslung. Nach ca. 15h ist die Story geschafft. Achtet überigens darauf, dass ihr alle Nebenmissionen vor der 14. Mission erledigt, falls ihr diese vollständig abhacken möchtet. Die gelb-markierten Missionen sind den Season-Pass Besitzern vorenthalten. Allgemein sei zu sagen, dass das Gameplay nur durch die vielen, freischaltebaren Spezial-Attacken lebt. Diese werden bei einer Anwendung sehr cineastisch und stimmig in Szene gesetzt. Dennoch wirken einfach viele Kämpfe zu eintönig. Die Entwickler versuchen mit Druck durch ein Karma-System dem Spiel einen erhöhten Wiederspielwert zu geben. Erfüllt man die beinhalteten Aufgaben, bekommt der Spieler immerhin eine Extra-Szene freigeschalten. Nur leider, ist der Reiz dahinter ebenfalls schnell verpufft und die Bemühungen, das Spiel weiter auszubauen, waren wohl vergebens. Ausrüstungsgegenstände wie, Kampfringe etc. bringen kaum einen spürbaren Mehrwert im Kampf. Übrigens: Die Gegner-KI ist besonders bei den normalen, einfachen Gegnern strohdumm. Teilweise können Gegner unnatürlich zurückgedrängt werden, falls man sich ihnen über eine Hauswandkante nähert.
Zumindest die Steuerung lässt uns nur selten im Stich. Zwar passiert es ab und zu, dass die Attacken bei Kampfszenen, die unmittelbar an ungünstigen Treppenaufgängen oder Steinlandschaften stattfinden, eine fehlerhafte Kollisions-Abfrage zu Folge haben, doch im großen und ganzen lässt sich Strohhut-Ruffy sehr gut auf der Insel manövrieren. Schade ist nur, dass viele Gegner-Soldaten mit Schusswaffen ausgestattet sind und wir selbst ja eher auf den Nahkampf ausgelegt sind. Hier fühlt sich der Spieler mit Sicherheit oft im Nachteil, wobei der Spieler diesem Manko, durch die Ausweich- oder Abwehrfunktion per Kreis-Taste, entgegenwirken kann. Die Tastenbelegung hätte etwas innovativer ausfallen können. So ist die L2-Taste überhaupt nicht mit einer Aktion belegt. Ärgerlich ist die Tatsache, dass es bei Endgegner nur einen begrenzen Kampfbereich gibt. Wird dieser jedoch selbst kurz vor der Erledigung des Gegner nur kurz überschritten, muss der ganze Kampf von vorn begonnen werden.

One Piece World Seeker

Grafik & Sound

Farbenfroh und bunt, so lässt sich der Grafikstil am besten beschreiben. Die Landschaft selbst überzeugt durch eine schöne Umgebungsgrafik mit schönen Licht- und Schatteneffekten. Obwohl eine HDR Ausgabe komplett fehlt wirkt das Bild sehr dynamisch und lebendig. Weniger lebendig sind die größeren Städte, in denen ruhig etwas mehr Menschen und Kreaturen sich tummeln könnten. Die Charaktere sind Zwiespältig. Einerseits gefällt mir der typische Manga-Look und andererseits verhalten sich, wie schon erwähnt, die Charaktere im Dialog eher steril. Es gibt zwar witzige, übertriebene Manga-Gefühle, die sich jedoch teilweise mehrfach und identisch in der ein und selben Konversation wiederholen.
Positiv zu erwähnen ist der angenehm komponierte Soundtrack. Beruhigende Streicher-Passagen mischen sich mit spannenden, orchestralen Staccato-Läufen, die den Erkundungstouren und Duellen zu Gute kommen. Auch die Soundeffekte orientieren sich nach der Vorlage der TV-Serien. Alle Kampfgeräusche hören sich sehr authentisch und real an. Nicht so gut anhören tut sich die vermurkste Sprachausgabe.

One Piece World Seeker

Fazit

One Piece World Seeker bietet so viele gute Ansätze, die den Fans von Strohhut-Ruffy und seinen Freunden beinahe das Wasser im Mund zusammen laufen lässt. Doch eben nur beinahe. Leider kann ich das Spiel trotz der coolen Spezial-Attacken und der schönen, bunten Inselwelt nicht jedem Open World Fan empfehlen. So richtig rund kommt das Spiel leider einfach nicht rüber. Die fehlerhafte Kollisions-Abfrage, die begrenzt begehbaren Bereiche und die faden Dialoge lassen nur Hardcore-Fans der One Piece Manga Serie nicht kalt. Noch dazu ist das Kampfsystem stellenweise total unfair und unausgeglichen. Der Frustfaktor ist in World Seeker einfach zu hoch angesiedelt. Immerhin bietet das Spiel auch seine schönen, grafischen Momente und die Charaktere, sofern diese nicht mit langweiligen Dialogen beschäftigt sind, wirken atmosphärisch und lassen das Manga-Herz durchaus höher schlagen. One Piece Fans werden und können mit Sicherheit den Kauf wagen, allen anderen würde ich das Spiel höchstens nach einem gehörigen Preisrabatt empfehlen.

Getestet wurde One Piece World Seeker auf PS4 von Andreas Erber.

Das Test-Exemplar / der Review-Code für One Piece World Seeker wurde uns von Bandai Namco Entertainment Europe kostenlos zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!